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Aberdeen Audio-Tour: Geschichten der Granitstadt & Verborgene Schätze

Audioguide15 Stopps

Granitspitzen durchstoßen einen Himmel, der einst von Rebellion und Erfindungsreichtum in Aberdeen geschwärzt wurde. Hier hallen Geheimnisse in den Schritten vor dem His Majesty's Theatre wider und Schatten verweilen hinter den hellen Schaufenstern des Bon Accord Centre. Begeben Sie sich auf eine selbstgeführte Audio-Tour, die Sie über polierten Granit und belebte Straßen hinausführt, tief in die verborgenen Geschichten, die die meisten Besucher nie entdecken. Welcher königliche Skandal drohte, die Türen des Theaters für immer zu schließen? Welche verlorenen Seelen sollen die Triple Kirks heimsuchen, und welche mysteriösen Rituale entfalteten sich dort einst vor Tagesanbruch? Warum wurde im Bon Accord ein scheinbar gewöhnlicher Laden für eine einzige schicksalhafte Nacht zum Zentrum politischer Intrigen? Durchqueren Sie Gassen, die vom Wandel erfasst wurden, und von Ehrgeiz gezeichnete Alleen. Spüren Sie den Puls von Aberdeens Theater, Glauben und Handel, die an jeder Ecke aufeinandertreffen. Jeder Schritt enthüllt Geheimnisse, die unter Stein und Geschichte gleichermaßen schimmern. Drücken Sie auf Play und lassen Sie Aberdeens verschleierte Kapitel Ihre Neugier wecken.

Tourvorschau

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Über diese Tour

  • schedule
    Dauer 110–130 minsEigenes Tempo
  • straighten
    5.0 km FußwegDem geführten Pfad folgen
  • location_on
  • wifi_off
    Funktioniert offlineEinmal herunterladen, überall nutzen
  • all_inclusive
    Lebenslanger ZugriffJederzeit wiederholen, für immer
  • location_on
    Startet bei St. John's, Aberdeen

Stopps auf dieser Tour

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  1. St. John's, Aberdeen
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    Wenn du St John’s finden willst, orientier dich an einem richtig selbstbewussten Granitbau: große spitzbogige Fenster, dunkle Schieferdächer und dahinter ein massiver,…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Wenn du St John’s finden willst, orientier dich an einem richtig selbstbewussten Granitbau: große spitzbogige Fenster, dunkle Schieferdächer und dahinter ein massiver, quadratischer Turm. Der Eingang sitzt tief in einer hölzernen Türöffnung, und das Ganze versteckt sich ein Stück abseits der Crown Street, so als würde die Kirche sagen: „Ich bin da, aber du musst mich dir verdienen.“ Ich bin Andy, und jetzt kommt die Aberdeen-Version einer Drama-Serie. Im Jahr sechzehnhundertdreiundneunzig wurde der Geistliche George Garden aus der Kirk of St Nicholas rausgeworfen. „Kirk“ ist einfach das schottische Wort für Kirche. Sein Problem: Er wollte die Regeln der neuen presbyterianischen Kirche nicht schlucken. Presbyterianisch heißt: Die Gemeinde wird von Ältesten geleitet, nicht von einem Bischof mit großem Hut und noch größerer Meinung. Garden ging ins Exil, kam aber in den frühen siebzehnhunderter Jahren wieder nach Aberdeen zurück und versammelte seine Leute heimlich in Häusern. Man kann sich das vorstellen: ein Auge an der Tür, das andere im Gesangbuch. Dann begann ein Umherziehen über hundertdreißig Jahre, bis die Gemeinde endlich in Golden Square in einem größeren Gebäude landete, dem heiligen Johannes dem Evangelisten gewidmet. Leute wie Bischof Andrew Gerard hielten den Laden zusammen, und Pfarrer Roger Aitken sogar mit einem Abstecher nach Kanada. Im Jahr achtzehnhunderteinundfünfzig kamen sie hierher, in diese neue Kirche von Mackenzie und Matthews. Seitdem hallen Chorstimmen durch den Stein. Pfarrer Patrick Cheyne predigte so offensiv, dass man ihn vor Gericht zerrte. Sein Nachfolger, Frederick G Lee, war davon so genervt, dass er gleich eine eigene Kirche gründete. Drinnen wartet ein Star: das Taufbecken, also die steinerne Schale für die Taufe. Es ist älter als das Gebäude und stammt aus der zerstörten Kirche von Kinkell, mit rätselhaften Schnitzereien und einer Verbindung zu Alexander Galloway, der dort vor fünfhundert Jahren Rektor war. Und weil St John’s gerne überrascht: Im Jahr zweitausenddreizehn öffnete die Gemeinde ihre Türen für muslimische Nachbarn, als deren Moschee überfüllt war. Das ist nicht nur Kirche, das ist Aberdeen mit Rückgrat, Streitkultur und Gemeinschaftssinn.

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  2. Schau dir dieses geschäftige Wunderwerk an: Union Square. Hier pulsiert Aberdeen, als hätte die Stadt ihr eigenes Herzschlag-Geräusch. Und jetzt kommt der Teil, den viele nicht…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Schau dir dieses geschäftige Wunderwerk an: Union Square. Hier pulsiert Aberdeen, als hätte die Stadt ihr eigenes Herzschlag-Geräusch. Und jetzt kommt der Teil, den viele nicht glauben: Das hier war früher schlicht brachliegendes Bahngelände, ruhig und ziemlich ungenutzt. Dann kamen die Entwickler von Hammerson und haben im Jahr zweitausendsieben die Ärmel hochgekrempelt. Mit satten zweihundertfünfzig Millionen Pfund haben sie aus leerem Raum das größte Einkaufszentrum Aberdeens gemacht. Im Oktober zweitausendneun ging’s los: Türen auf, Leute rein. Und zur Weihnachtszeit wirkte es, als würden Läden über Nacht aus dem Boden sprießen, wie von fleißigen Wichteln zusammengezimmert. Heute warten hier mehr als sechzig Geschäfte, über fünfzehn Restaurants und das größte Kino in Aberdeen. Wenn du danach wie ein erschöpfter Packesel wirkst: Es gibt sogar ein Hotel mit über zweihundert Zimmern. Union Square ist außerdem ein Verkehrsknotenpunkt, also ein Ort, an dem alles zusammenläuft: Bahn- und Busbahnhof sind hier direkt verbunden. Und ein kleiner Klatsch zum Schluss: Marks and Spencer wird demnächst noch größer, übernimmt T-K Maxx und erweitert. Pass nur auf, dass du dich in den siebenhunderttausend square feet nicht verlierst.

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  3. Tivoli Theater, Aberdeen
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    Schau mal nach dem stattlichen, grauen Granitbau direkt vor dir, auf der anderen Seite der vielbefahrenen Straße. Um die Fenster siehst du auffällige Bögen aus rotem Ziegelstein.…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Schau mal nach dem stattlichen, grauen Granitbau direkt vor dir, auf der anderen Seite der vielbefahrenen Straße. Um die Fenster siehst du auffällige Bögen aus rotem Ziegelstein. Und oben steht es ganz unmissverständlich: „The Tivoli“. Willkommen vor dem legendären Tivoli Theatre. Stell dir vor, wie das hier im Jahr achtzehnhundertzweiundsiebzig auf Aberdeens Bühne auftauchte, damals noch unter dem Namen Her Majesty’s Theatre. Granit, Schnörkel, große Geste: Die Architektur sollte Eindruck machen, und sie hat’s geschafft. Man kann sich die elegante Menge fast vorstellen, die damals herströmte, geschniegelt, geschniegelt, und geschniegelt. Die Macher hatten offenbar ein Faible für dramatische Wiederauftritte, nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Bauplan. Denn der große Theaterarchitekt Frank Matcham, so eine Art Superstar seines Fachs, nahm sich das Innere vor: erst im Jahr achtzehnhundertsiebenundneunzig, und dann noch einmal im Jahr neunzehnhundertneun. Ein Encore in Stein und Stuck. Dann kommt der Plot-Twist: Im Jahr neunzehnhundertsechs musste das Haus schließen, weil in der Nähe ein noch größeres Theater eröffnete. Da dachten viele: Vorhang zu, Ende. Aber Aberdeen liebt ein Comeback. Ein paar Jahre später wurde renoviert, und mit dem neuen, schicken Namen „The Tivoli“ ging’s wieder los. Und dann, noch ein Rollenwechsel: Ab dem Jahr neunzehnhundertsechsundsechzig hieß es nicht mehr Ballett und Gesang, sondern Bingo. Bingo ist ein Zahlenspiel, bei dem Kugeln gezogen werden und jemand die Zahlen ausruft. Diese Kugeln klackerten hier quasi als neue „Musik“, bis im Jahr neunzehnhundertachtundneunzig Schluss war. Doch auch das war nicht das Finale. Anwohner machten Druck, neue Besitzer kamen, und im Jahr zweitausenddreizehn leuchtete das Tivoli wieder mit Shows, Musicals und Pantomime, also familienfreundlichem Theater mit viel Klamauk und Verkleidung. Selbst eine Pandemie hielt es nur kurz auf: Wiedereröffnung im Jahr zweitausendeinundzwanzig. Hier hat wirklich jeder seinen Auftritt bekommen, Schauspieler, Publikum und ja, sogar Bingo-Ansager.

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  1. Direkt vor Ihnen liegt der Eingang zum Trinity Centre, schön unter diesen alten grauen Steinbögen versteckt. Erkennen werden Sie ihn an den großen blauen Schildern. Rechts daneben…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Direkt vor Ihnen liegt der Eingang zum Trinity Centre, schön unter diesen alten grauen Steinbögen versteckt. Erkennen werden Sie ihn an den großen blauen Schildern. Rechts daneben ziehen sich moderne Glasfronten entlang, und oben schwingt sich ein elegantes, gebogenes Vordach über die Läden an der viel befahrenen Union Street. Jetzt machen wir einen kleinen Zeitsprung: Im Jahr neunzehnhundertzweiundachtzig stellte Aberdeen die Pläne für ein neues Einkaufszentrum vor, und die Stadt war entsprechend aufgeregt. Der Witz dabei: Die Ladenzeile draußen an der Union Bridge lief schon seit den sechziger Jahren wie am Schnürchen, mit jeder Menge Getrappel und Klatsch, lange bevor das neue Center überhaupt fertig war. Als dann gebaut wurde, hat man die eigenen Wurzeln nicht einfach plattgemacht: Die imposante Trinity Hall blieb als repräsentativer Eingang stehen. Und dann kam Debenhams als sogenannter Ankermieter, also das große Zugpferd, das Kundschaft anlocken soll. Eröffnet wurde Debenhams im Oktober neunzehnhundertvierundachtzig, allerdings zwei Wochen zu spät. Über die Jahre wechselten Namen und Besitzer, und selbst wacklige Phasen überstand das Center. H-M-V, ein Musikladen, wollte im Jahr zweitausendzwanzig fast gehen, blieb dann aber doch für die Zugabe. Debenhams kam nach dem Lockdown leider nicht zurück, aber das Trinity Centre hält die Verbindung zwischen altem Aberdeen-Charme und Stadtalltag.

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  2. Um Gilcomston Church zu finden: Schau einmal über die Union Street. Du suchst dieses stattliche Gebäude aus grauem Stein, mit hohen, dramatischen Turmspitzen, spitzen Bögen und…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Um Gilcomston Church zu finden: Schau einmal über die Union Street. Du suchst dieses stattliche Gebäude aus grauem Stein, mit hohen, dramatischen Turmspitzen, spitzen Bögen und einem runden Rosenfenster direkt über dem Haupteingang. Ein Rosenfenster ist dieses große, kreisförmige Fenster mit Musterwerk, wie eine steinerne Spitze aus Glas. Wenn du hier stehst, stell dir vor, wie anders Aberdeen im Zweiten Weltkrieg war. Diese Kirche war damals fast schon ein Museum ohne Besucher: Die Bänke waren nahezu leer, die Gemeinde schrumpfte, und die Türen standen kurz davor, für immer zu schließen. Dann kam im Jahr neunzehnhundertfünfundvierzig Pfarrer William Still. Der Mann hatte eine Idee, die so unaufhaltsam war wie ein Dudelsack-Solo: Er wollte nicht nur Predigten, sondern die Bibel Vers für Vers, Kapitel für Kapitel, bis ins kleinste Detail auslegen. Wenn du schon das Kleingedruckte bei einem Handyvertrag unerquicklich findest, stell dir das wöchentlich vor, über Jahrzehnte. Plötzlich strömten Studierende und Einheimische herbei, Diskussionen füllten den Raum, Bibeln wurden richtig benutzt. Anfangs gab es Ärger über so viel Neuerung, aber der Ruf reichte weit über Aberdeen hinaus, und Still knüpfte internationale Kontakte, sogar über Edinburgh und Glasgow. Und dann der große Einschnitt im Jahr zweitausenddreizehn: Fast die ganze Gemeinde ging geschlossen und gründete mutig eine unabhängige Gemeinschaft. Die Pfarrer wechselten, Dominic Smart, Jeremy Middleton, heute Nathan Owens, doch der Trotz, nicht leise zu verschwinden, der ist hier geblieben.

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  3. Vor dir an der Huntly Street steht eine hohe Kirche aus grauem Stein, mit einem filigranen gotischen Turmhelm. Wenn du oben das Zifferblatt der Uhr entdeckst, bist du genau…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Vor dir an der Huntly Street steht eine hohe Kirche aus grauem Stein, mit einem filigranen gotischen Turmhelm. Wenn du oben das Zifferblatt der Uhr entdeckst, bist du genau richtig: St Mary’s Cathedral. Stell dir das Jahr achtzehnhundertsechzig vor: Kutschen rumpeln über unebenes Pflaster, und überall liegt feiner Steinstaub in der Luft. Gerade ist die neue Kirche fertig, entworfen von Alexander Ellis, und für Aberdeens katholische Gemeinde ist sie ein echtes Ausrufezeichen. Richtig „kathedralenhaft“ wurde sie aber erst später: Im Jahr achtzehnhundertsiebenundsiebzig hat der Architekt Robert Gordon Wilson noch eine Schippe draufgelegt, mit dem dramatischen Turmhelm und neuen Glocken. Das markierte den offiziellen Aufstieg zur Kathedrale. Drinnen wartet eine Orgel aus dem Jahr achtzehnhundertsiebenundachtzig, die schon Hochzeiten, Weihnachtsmessen und Konzerte gestemmt hat. Über dir leuchten Buntglasfenster; eines von neunzehnhundertachtundsiebzig ehrt den heiligen John Ogilvie. Dazu kommen Marmordenkmäler für vier schottische Bischöfe, zwei davon sind hier auch begraben. Und ja, hier gibt es täglich Messe, manchmal sogar wöchentlich auf Polnisch oder monatlich auf Spanisch. Da wird selbst der Sprachkurs nervös.

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  4. Wenn Sie His Majesty’s Theatre entdecken wollen, halten Sie Ausschau nach einem stattlichen Bau aus grauem Granit, gekrönt von einer runden, grünlichen Kupferkuppel. Über dem…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Wenn Sie His Majesty’s Theatre entdecken wollen, halten Sie Ausschau nach einem stattlichen Bau aus grauem Granit, gekrönt von einer runden, grünlichen Kupferkuppel. Über dem Haupteingang steht in goldenen Buchstaben „His Majesty’s“. Und das Ganze liegt direkt gegenüber von Union Terrace Gardens. Schauen Sie sich diese Granitwände an. Der Stein kam aus Kemnay, gleich um die Ecke in Aberdeens Maßstab. Stellen Sie sich vor, wir schreiben das Jahr neunzehnhundertsechs: Auf dem Rosemount Viaduct rumpeln Pferdekutschen vorbei, und vor diesem nagelneuen Theater drängt sich eine Menge, geschniegelt, geschniegelt und eindeutig bereit für große Gefühle auf der Bühne. Hinter der Idee steckte Robert Arthur, ein Theaterunternehmer aus Glasgow. Der hatte schon in Schottland und England seine Spuren hinterlassen und fand: Aberdeen braucht keinen Saal, sondern einen Palast für die darstellenden Künste. Dafür holte er sich Frank Matcham ins Boot, so etwas wie der Rockstar unter den Theaterarchitekten. Im Jahr neunzehnhunderteins legten sie dem Stadtrat die Pläne vor. Aberdeen sagte nicht sofort ja, eher so nach dem Motto „erst mal drüber nachdenken“. Aber als das Ja kam, ging es los: Baubeginn im Jahr neunzehnhundertvier, Eröffnung zwei Jahre später. Drinnen passten über eintausendvierhundert Menschen rein. Damit war es das größte Theater im Nordosten Schottlands. Im Jahr neunzehnhundertzwölf geriet Arthurs Imperium finanziell ins Straucheln, eine Art Pause, für die keiner Tickets gekauft hat. Michael Simons und die Theaterfirma Howard and Wyndham sprangen ein und hielten den Vorhang oben. Später wechselte das Haus den Besitzer öfter als ein Programmheft in der Pause: von Simons zu Walter Gilbert, dann zur Familie Donald. Die brachte in den neunzehnhundertdreißiger Jahren moderne Technik rein: Neonlichter, Filmprojektoren und sogar eine Drehbühne, also eine Bühne, die sich drehen kann und Szenenwechsel elegant „wegschummelt“. Hier gab es Drama, Oper und Pantomime, das ist diese britische Familienshow mit viel Slapstick, Musik und Publikumsspaß. Und ein Namens-Klatsch: Anders als das Londoner Pendant, das bei Königin Elizabeth der Zweiten zu „Her Majesty’s“ wurde, blieb dieses Haus in Aberdeen immer „His Majesty’s“, genau wie das entfernte Schwester-Theater in Perth in Westaustralien. In den neunzehnhundertsiebziger Jahren stand die Zukunft auf der Kippe. Die Stadt kaufte das Gebäude und steckte drei Komma fünf Millionen Pfund Sterling in eine Generalüberholung. Im Jahr neunzehnhundertzweiundachtzig, nach fast zwei Jahren Ruhe, wurde es wiedereröffnet, von König Charles dem Dritten, damals noch Prinz Charles, Duke of Rothesay. In den frühen zweitausender Jahren kam eine moderne Erweiterung dazu: ein gläsernes Foyer, mehr Bars, ein neues Restaurant und Räume zum Tanzen und Proben. Sie sehen die Glasfront und wieder Kemnay-Granit, damit Alt und Neu zusammenpassen. Oben drauf liegt ein vorpatiniertes Kupferdach, also Kupfer, das schon „vorgealtert“ wirkt, als Echo der Kuppel. Innen steckt ein Saal im üppigen Barock und im neo-jakobinischen Stil, also einer Wiederaufnahme von Formen aus der Zeit von König James. Hoch oben wacht eine Statue von Tragödie und Komödie, die schon mehr Standing Ovations erlebt hat, als ich Anekdoten im Gepäck habe. Im Jahr zweitausendsechs, zum hundertsten Geburtstag, wurde das Theater mit seinem Gegenstück in Perth verbrüdert. Heute ist es ein Herzstück der Kulturszene, betrieben von Aberdeen Performing Arts, mit Gastspielen und lokalen Produktionen. Und wenn Sie nach der Vorstellung noch was wollen: Die preisgekrönte Terrace Bar hat im Jahr zweitausendzweiundzwanzig wieder eröffnet. Ein schöner Ort für den kleinen Nachhall, bevor die Stadt wieder die Hauptrolle übernimmt.

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  5. Halt mal kurz Ausschau nach einem stattlichen Steingebäude: an der Ecke sitzt ein richtig dramatischer Eckturm mit Kuppel, und entlang der Straße reihen sich hohe Fenster wie in…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Halt mal kurz Ausschau nach einem stattlichen Steingebäude: an der Ecke sitzt ein richtig dramatischer Eckturm mit Kuppel, und entlang der Straße reihen sich hohe Fenster wie in einer Opernkulisse. Genau hier, an der Kreuzung Belmont Street und Schoolhill, steht das Academy Shopping Centre. Und jetzt stell dir vor, wir drehen die Uhr zurück ins Jahr neunzehnhundertfünf. Hinter diesen Mauern war damals die Central Senior Secondary School. Für Aberdeener Kinder von zwölf bis fünfzehn war das so etwas wie die große Bühne des Erwachsenwerdens: viel Getrappel, viel Gemurmel, viel „schnell, wir sind spät dran“. Weil man Bildung ernst nahm, bekam das Haus einen Star-Architekten: John Alexander Ogg Allan, offizieller Schularchitekt von Aberdeen. Er wählte den Renaissance-Stil, also eine Gestaltung, die sich an der europäischen Wiedergeburt der Kunst orientiert: klare Symmetrie, Würde, ein Hauch „wir meinen das ernst“. Der Turm oben drauf bringt die leicht imperiale Dramatik. Neunzehnhundertvierundfünfzig wurde es exklusiver: Nur wer die sogenannte Eleven-Plus-Prüfung bestand, durfte rein, und die Schule hieß nun Aberdeen Academy. Neunzehnhundertneunundsechzig war Schluss, die Schüler zogen zur Hazlehead Academy weiter. Und seit neunzehnhundertachtundneunzig? Statt Heften und Tinte gibt’s hier Einkaufstüten und Kaffee. Im Innenhof ist ständig was los: Modenschauen, Comedy, Essen im Freien. Wenn du genau hinhörst, mischt sich das heutige Treiben fast mit dem Echo der alten Pausenglocke.

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  6. Willkommen bei den Triple Kirks. Sie stehen hier vor einem echten Aberdeen-Überlebenskünstler: einer Turmspitze, die mehr Streit, Umzüge und Baupläne erlebt hat als so mancher…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Willkommen bei den Triple Kirks. Sie stehen hier vor einem echten Aberdeen-Überlebenskünstler: einer Turmspitze, die mehr Streit, Umzüge und Baupläne erlebt hat als so mancher Familienrat am Sonntagstisch. Schauen Sie einmal nach oben. Diese schlanke Spitze gehörte ursprünglich zu einem großen Kirchenbau, in dem gleich drei Gemeinden unter einem Dach steckten. Drei Gemeinden, ein Gebäude, ein Turm. Das ist quasi Wohngemeinschaft auf kirchlich. Zurück in die achtzehnhundertvierziger Jahre. In Schottland kochte damals ein Glaubensstreit hoch, der als die Disruption von achtzehnhundertdreiundvierzig bekannt ist. Es ging um eine Grundsatzfrage: Wer bestimmt den Pfarrer? Der örtliche Gutsherr, also der laird, oder die Gemeinde selbst? Am Ende verließ etwa ein Drittel der Geistlichen die Church of Scotland und gründete die Free Church. Und Aberdeen? Hier war man bei Pfarrerstellen meistens erstaunlich einig, aber trotzdem gingen alle fünfzehn Pfarrer solidarisch mit. Teamgeist, Aberdeen-Version. Dann wurde es praktisch. Ein Komitee schnappte sich eine aufgegebene Weberei. Und jetzt kommt der Moment wie im Krimi: Der Mann, der für die Free Church kaufen sollte, war einen Wimpernschlag früher da als ein Agent der rivalisierenden Kirche. Knapp daneben ist eben auch vorbei. Die Fabrik flog raus, und Archibald Simpson, Aberdeens Star-Architekt, kam rein. Er entwarf nicht drei getrennte Kirchen, sondern packte sie aus Spargründen unter ein gemeinsames Dach, mit einer gemeinsamen, spektakulären Spitze. Gebaut wurde mit Granit-Bruchstein, wie aus den Knochen der Stadt zusammengesetzt, und sogar mit wiederverwendeten Ziegeln aus der alten Fabrik. Achtzehnhundertvierundvierzig veränderte das die Skyline: Eine Ziegelspitze, inspiriert von der Elisabethkirche in Marburg, ungefähr hundertneunzig Fuß hoch. Von der Union Bridge aus wirkte das Ganze für viele wie eine Kathedrale. Ost-, Süd- und Westgemeinde zogen ein, jede mit eigenem Eingang und Sitzungsräumen, aber vereint durch diesen einen Turm. Und diese hohen Fenster im Perpendicular Gothic, also der spätgotischen englischen Senkrechtgotik, betonten besonders die Vertikalen. Doch dann kam achtzehnhundertvierundsechzig die Eisenbahn durchs Denburn Valley. Die Züge ratterten so nah vorbei, dass die West Free Gemeinde Angst bekam, das Gebäude könnte irgendwann nachgeben, und zog aus. Später kauften Eisenbahngesellschaften den ganzen Bau, und die anderen zwei Gemeinden kauften ihre Anteile zurück, mit hübschem Gewinn. Kirchenverwaltung kann also durchaus kaufmännisch. Über die Jahrzehnte wechselten Namen und Räume, wie Tänzer bei einem Ceilidh, einem schottischen Gruppentanz. In den neunzehnhundertsiebziger Jahren ließ die kirchliche Nutzung nach, der Bau verfiel, aber die Turmspitze, Kategorie A denkmalgeschützt, blieb stur stehen. Und jedes Mal, wenn ein Investor von Einkaufszentrum, Restaurant oder Büros träumte, hieß es aus Edinburgh sinngemäß: Spitze bleibt. Die Leute in Aberdeen sind beim Stadtbild nämlich nicht schüchtern mit Meinungen. Heute umschließt ein moderner Unterkunftsblock namens The Point den Turm, als würde ein Zaubererhut aus einer Betonkiste schauen. Der Schriftsteller John Betjeman schwärmte sogar, nur Salisbury könne mit seiner Spitze noch darüber stehen. Und jetzt stehen Sie hier, vor dem letzten Stück eines Gebäudes, das Kirchenspaltung, Dampflok-Erdbeben und Immobilienfantasien überlebt hat. Bereit für den nächsten Halt? Wenn Sie mehr zur Disruption von achtzehnhundertdreiundvierzig, zum Bau der Triple Kirks oder zur religiösen Nutzung wissen wollen, schreiben Sie gern im Chat.

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  7. Um das Belmont Cinema zu erkennen, halten Sie nach einem robusten Granitgebäude Ausschau. Oben prangt ein großes blaues Schild, darunter leuchten knallrote Buchstaben: „Cinema“.…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Um das Belmont Cinema zu erkennen, halten Sie nach einem robusten Granitgebäude Ausschau. Oben prangt ein großes blaues Schild, darunter leuchten knallrote Buchstaben: „Cinema“. Und die bunten Filmplakate machen einem praktisch ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Sie stehen hier direkt an der Belmont Street. Jetzt drehen wir die Zeit zurück auf achtzehnhundertsechsundneunzig. Das Haus war damals nagelneu und „laut“ nicht wegen Popcorn, sondern wegen Diskussionen. Es eröffnete als Aberdeens Trades Council Hall, also als Versammlungshaus des Gewerkschaftsrats. Entworfen wurde es von zwei lokalen Architekten: Alexander Ellis und Robert Gordon Wilson. Hier traf sich die junge Arbeiterbewegung, um über Löhne, Rechte und die Zukunft zu streiten. Wenn Sie gut hinhören, erwischen Sie vielleicht noch ein Echo von Jubelrufen. Oder das war nur jemand, der den geheimen Keks-Vorrat entdeckt hat. Schon achtzehnhundertachtundneunzig kam dann die neue Zauberei: Film. Zu den frühen Vorführungen gehörten flackernde Bilder von Queen Victoria selbst, aufgenommen bei Balmoral Castle. Für viktorianische Kinofans war das vermutlich das, was heute ein Superheldenfilm ist: Pflichtprogramm. Ab neunzehnhundertzehn wurde daraus das Coliseum-Kino mit laufenden Nachmittagsvorstellungen, „Matinee“ nennt man das. Und die Namen wechselten wie ein Bösewicht seine Tarnung: neunzehnhunderteinundzwanzig New Kinema, neunzehnhundertfünfunddreißig dann Belmont Cinema. Nach einem Umweg als Lagerhaus kehrte die Magie zweitausend zurück, als der Stadtrat das Gebäude restaurieren ließ, mit Unterstützung der National Lottery, also einer staatlichen Lotterie, deren Erlöse Kulturprojekte fördern. Später gab es Betreiberwechsel mit genug Drama fürs Drehbuch: Picturehouse, Cineworld und das Centre for the Moving Image. Auch nach der Schließung im Jahr zweitausendzweiundzwanzig gaben Cineasten nicht auf. Als „grade C listed building“, also ein denkmalgeschütztes Gebäude der Kategorie C, steuert es auf die nächste Fortsetzung zu: Belmont Community Cinema Ltd, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, arbeitet an der Wiedereröffnung gegen spätes zweitausendvierundzwanzig. Und ja, wahrscheinlich inklusive Lachen, Licht und dem einen oder anderen verschütteten Getränk.

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  8. Willkommen auf der Belmont Street: eine schmale, quirlige Gasse, flankiert von den typischen Granitfassaden Aberdeens. Zwischen den Gebäuden drängeln sich Marktstände, und über…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Willkommen auf der Belmont Street: eine schmale, quirlige Gasse, flankiert von den typischen Granitfassaden Aberdeens. Zwischen den Gebäuden drängeln sich Marktstände, und über dir spannen sich bunte Abdeckungen wie ein Patchwork-Dach. Das ist Aberdeen im Kompaktformat: Stein, Handel und eine gute Portion Eigenwilligkeit. Jetzt stell dir vor, wir drehen die Uhr zurück ins späte achtzehnte Jahrhundert. Wo heute Blumen und hausgebackenes Brot locken, flanierten damals die richtig Wohlhabenden vor stattlichen Stadthäusern. Mit etwas Glück wärst du Thomas Menzies of Pitfodels über den Weg gelaufen. Der zog im Jahr siebzehnhundertachtundachtzig hierher, weil ihm das Leben in der Altstadt zu eng, zu laut, zu… sagen wir: zu „altstädtisch“ wurde. Belmont Street war damals die neue Topadresse. Große Häuser, eigene Gärten, und die Grundstücke liefen teils bis hinunter ins Tal des River Denburn. Ein paar dieser ursprünglichen Häuser stehen noch immer. Du läufst also nicht nur durch eine Straße, sondern an den Träumen der ersten feinen Bewohner vorbei. Und dann wurde es hier plötzlich sehr kirchlich, und zwar im Sinne von: richtig dramatisch. Gleich weiter oben stehen die Triple Kirks. Das war ein Bauprojekt, das der mächtigen Auld Kirk Konkurrenz machen sollte. Drei Free Churches, also drei unabhängige protestantische Gemeinden, wurden unter einem gemeinsamen, auffälligen Turm vereint. Der Turm war so etwas wie ein steinerner Seitenblick auf die älteren Nachbarn. Die Spaltungen waren hier so theatralisch, jede Serie würde neidisch werden: Im Jahr siebzehnhundertneunundsiebzig legten die Anti-Burgher United Presbyterians vor, mit einer riesigen Kirche mit achthundert Sitzplätzen. Kurz darauf zogen die Relief Presbyterians nach, die für ihre Predigten noch mehr Plätze wollten. Man munkelt, manche hätten mehr Zeit mit Basaren und Spendenaktionen verbracht als mit Beten. Und heute? Belmont Street hat auch Kino-Geschichte: das Belmont Cinema, in dem Aberdonians von den späten achtzehnhundertneunziger Jahren bis ins Jahr zweitausendzweiundzwanzig Filme geschaut haben. Schau dich um: Kirchturm, Granitmauern, Marktleben. Hier erzählt wirklich jede Ecke eine Geschichte.

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  9. Um die Kirk of St Nicholas zu finden, halten Sie nach einer hoch aufragenden Granitkirche Ausschau: eine schlanke Spitze, darunter eine Uhr, und darunter wieder diese…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Um die Kirk of St Nicholas zu finden, halten Sie nach einer hoch aufragenden Granitkirche Ausschau: eine schlanke Spitze, darunter eine Uhr, und darunter wieder diese Rundbogenfenster. Zwischen den Ästen der alten Bäume im Kirchhof blitzt sie hervor. Einmal hochschauen, und Sie wissen: Treffer. Sie stehen hier vor der Kirk of St Nicholas, in Aberdeen liebevoll „Mither Kirk“ genannt, also die „Mutterkirche“. Und glauben Sie mir: Dieses Gebäude ist älter als so mancher Stammbaum und redseliger als eine Nachbarin, die „nur ganz kurz“ was erzählen will. Wir drehen die Uhr zurück bis ins Jahr elfhunderteinundfünfzig. Damals setzten nicht nur Seeleute auf den heiligen Nikolaus, sondern auch die Leute in Aberdeen: Schutz für Handel, für stürmische Seewege und vermutlich auch für ein bisschen weniger Ärger mit dem Wetter. Im Mittelalter war die Kirche riesig, eine der größten Schottlands, zeitweise so bedeutend, dass sie es mit St Mary’s in Dundee aufnehmen konnte. Und dann kommt Bischof Elphinstone ins Spiel: Er weihte die Erweiterung im Jahr vierzehnhundertachtundneunzig. Zum fünfhundertsten Jahrestag bekam der Haupteingang ein besonderes Buntglasfenster mit Blick auf Drum’s Aisle, also den „Gang von Drum“. Dort liegen noch heute die Irvines von Drum Castle begraben. Stellen Sie sich vor, wie hier seit dem fünfzehnten Jahrhundert Schritte über den Stein hallen. Einfach war die Geschichte aber nicht. Unter einem Dach gab es gleich zwei Gemeinden: die East Kirk und die West Kirk, wie zwei Geschwister, die sich ein Zimmer teilen müssen. Die East Kirk im gotischen Stil, die West Kirk in klassisch italienischer Manier. Doch dann kam der Brand von achtzehnhundertvierundsiebzig: Die East Church und der alte Mittelturm wurden zerstört. Mit ihnen verschwand auch der berühmte hölzerne Turmhelm und eine geliebte Glocke namens Lowrie, so groß, dass sie sonntags fast wie ein sanftes Erdbeben geklungen haben muss. Aber Aberdeen wäre nicht Aberdeen, wenn man sich davon unterkriegen ließe: Es entstand ein neuer Granitturm, und darin ein Carillon aus Belgien, ein „Glockenspiel“ aus sechsunddreißig gestimmten Glocken, das man wie ein Instrument spielt. Der Stadtklatsch sagt: Klanglich eher… ausbaufähig. Im Jahr neunzehnhundertfünfzig kamen sogar noch mehr Glocken dazu. Drinnen geht’s weiter mit Überraschungen: In der Oil and Gas Chapel sehen Sie handgefertigte Holzmöbel des verstorbenen Tim Stead und ein Buntglasfenster von Shona MacInnes, das Aberdeens Leben erzählt. Außerdem gibt es ein besonderes Denkmal für Menschen, die in den Ölfeldern der Nordsee ums Leben kamen. Und unter Ihren Füßen steckt noch mehr: die alte Vault, auch Chapel of Our Lady of Pity genannt, mit mittelalterlichen Gewölben und erhaltenem Holzwerk. Sogar Diebe haben’s versucht: Im Jahr fünfzehnhundertzweiundsechzig klauten lokale Halunken Blei vom Taufbecken und wären dafür beinahe verbannt worden. Der Kirchhof umschließt drei Seiten der Kirche, dicht voll mit „table stones“, also flachen, tischartigen Grabplatten, und Denkmälern für alle möglichen Leute: von Stadtoberhäuptern bis zu Arktisforschern. Manche Steine sind sogar im Pflaster gelandet oder, etwas schräg, im Parkplatzbereich. Wenn Sie genau hinhören, können Sie sich vorstellen, wie Predigten von Adam Heriot, John Craig oder Andrew Cant hier nachklingen. Regulär genutzt wird die Kirk heute nicht mehr; die West Kirk gehört inzwischen Scot-ART, und in der East Kirk fördern Archäologinnen und Archäologen weiter mittelalterliche Geheimnisse zutage. Wenn Sie später mehr über den Kirchhof, die Geistlichen oder die berühmten Bestattungen wissen wollen: Gehen Sie in den Chatbereich der App und fragen Sie mich. Ich plaudere gern, ganz im Sinne der Mither Kirk.

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  10. Geradeaus steht ein modernes Gebäude aus grauem Stein mit einer großen Glasfront. Und oben drüber prangt in fetten weißen Buchstaben „Bon Accord“. Falls Sie sich fragen: Nein, Sie…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Geradeaus steht ein modernes Gebäude aus grauem Stein mit einer großen Glasfront. Und oben drüber prangt in fetten weißen Buchstaben „Bon Accord“. Falls Sie sich fragen: Nein, Sie müssen nicht die Augen zusammenkneifen. Das Ding ist so unübersehbar wie ein Dudelsack-Solo in der Straßenbahn. Willkommen im Bon Accord Centre. Stellen Sie sich denselben Ort Anfang der achtziger Jahre vor: eher Baustelle als Einkaufsparadies, mit Metallgeklapper und Schaufeln im Boden. Heute wirkt das kaum vorstellbar, aber dieses Shopping-Reich startete tatsächlich in zwei Teilen. Zuerst eröffnete das St. Nicholas Shopping Centre im Jahr neunzehnhundertfünfundachtzig. Und es machte Schlagzeilen nicht nur wegen neuer Läden, sondern wegen eines Fundes, der jeden Schatzsucher neidisch macht: Beim Bauen stießen Arbeiter auf rund siebentausend alte Münzen, die zusammen tausende Pfund Sterling wert waren. Stellen Sie sich den Moment vor: ein Arbeiter, Matsch an den Handschuhen, und in der Hand kein Kleingeld für den Snackautomaten, sondern praktisch ein ganzer Münzregen. Das nenne ich mal Arbeitsbonus. Dann, im Jahr neunzehnhundertneunzig, ging direkt nebenan das Bon Accord Centre an den Start. Zusammen wurden beide Zentren zum pulsierenden Einkaufsherz von Aberdeen und verschmolzen Anfang der zweitausender Jahre organisatorisch zu einem großen, leicht labyrinthartigen Komplex. In den achtziger und neunziger Jahren flanierten hier Leute mit Tüten von Kultläden wie C und A, Woolworths und der schickeren Miss Selfridge, die noch ganz frisch war, bevor die Eingangsschilder gefühlt trocken waren. Früher konnte man vom geschwungenen Bon Accord-Teil in den kantigeren St.-Nicholas-Bereich wechseln und sogar bis zu einer städtischen Dachterrasse hoch, ideal für eine Pause und ein bisschen Mode-Klatsch. Schauen Sie sich die Form an: Bon Accord ist absichtlich kurvig gebaut. Das sorgt für bessere Schaufenster und kleine Überraschungen hinter jeder Biegung. Oben spannt sich ein riesiges Glasdach, wie eine Kuppel, ungefähr neunzig Fuß hoch, das sind rund siebenundzwanzig Meter. Im St.-Nicholas-Teil erkennt man noch die geradlinigere, betonbetontere Architektur. Und ja: Es gibt Parkplätze für über eintausendsiebenhundert Autos. Man könnte meinen, halb Aberdeen will hier gleichzeitig einparken. Ein Sprung zurück: Im Jahr neunzehnhundertdreiundachtzig legte der Lord Provost, so heißt hier der Oberbürgermeister, den Grundstein. Später wechselten die Eigentümer; British Land zahlte einmal einunddreißig Millionen Pfund Sterling für St. Nicholas. Anfang der zweitausender Jahre folgte die Management-Fusion und eine „Doppelmarke“, also ein gemeinsamer Auftritt unter zwei Namen. Läden kamen und gingen: Erinnern Sie sich an Woolworths und das „pick n mix“, diese Süßigkeiten-Auswahl zum Selbstzusammenstellen, oder an die glitzernden Schaufenster des Disney Store? Heute ziehen große Namen wie Next und River Island Publikum an, als wäre gleich Konzertbeginn. Hinter den Kulissen gab’s ebenfalls Drama: Umbauten, neue Eingänge mit großem Tamtam und ein Food Court, also eine Essenszone mit mehreren Anbietern. Der Bereich hieß erst Bon Appetit, machte zu und kehrte später als Food Terrace zurück. Die Pandemie traf hart: über zwanzig Läden schlossen, die Zukunft wirkte wacklig. Doch typisch Aberdeen: Im Jahr zweitausenddreiundzwanzig kamen neue Eigentümer, angeblich zum Schnäppchenpreis. Und es geht weiter nach vorn: Der Stadtrat genehmigte Pläne für ein Kino direkt im Zentrum. Bald vielleicht Popcorn in der Hand, Einkaufstüten am Arm, und der Blockbuster nur ein paar Schritte entfernt. Gehen Sie ruhig näher an den Eingang. Wenn diese Wände sprechen könnten, würden sie von Münzfunden, Modetrends und Einkaufsabenteuern erzählen. Und glauben Sie mir: Langweilig wird es hier selten.

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  11. Wenn du Marischal Square finden willst, ist das ganz einfach: Rechts ragen diese modernen Glas-und-Stein-Bauten mit ihren messerscharfen Linien auf. Davor breite Gehwege,…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Wenn du Marischal Square finden willst, ist das ganz einfach: Rechts ragen diese modernen Glas-und-Stein-Bauten mit ihren messerscharfen Linien auf. Davor breite Gehwege, Springbrunnen, viel Platz zum Durchatmen. Und direkt gegenüber steht die dramatische Granitfassade vom Marischal College, als würde sie sagen: „Ich war zuerst hier.“ Willkommen am Marischal Square, wo Aberdeen Vergangenheit und Gegenwart geschniegelt miteinander tanzen. Stell dir vor, du hättest hier vor gut einem Jahrzehnt gestanden: Da thronte das vierzehnstöckige Saint Nicholas House, das Beton-Hauptquartier des Stadtrats. Ein Klotz, so charmant wie ein Stapel grauer Aktenschränke auf Steroiden. Im Jahr zwei tausend und vierzehn wurde das Ding abgerissen. Die Mitarbeitenden packten Tassen, Tacker und alles, was in Schubladen klappert, und zogen einfach über die Straße ins frisch renovierte Marischal College. Und ja: Dieses College hatte nach Jahrhunderten sogar aufgehört, Medizin zu unterrichten. Nach dem Abriss kam die große Frage: Was baut man hier hin? Manche wollten Grünflächen oder Kultur, andere lieber Läden und Geschäftsräume. Die Diskussionen waren so hitzig, da hätte man fast ein Toast drauf bräunen können. Also veranstaltete die Stadt einen Designwettbewerb, das heißt: Mehrere Firmen reichen Entwürfe ein, und am Ende gewinnt ein Plan. Dreizehn Entwickler traten an, und im Jahr zwei tausend und dreizehn gewann Muse Developments aus Manchester. Das Projekt versprach, täglich drei tausend zusätzliche Menschen in die Innenstadt zu ziehen. Mit an Bord: Aviva Investors, also Leute, die Geld in große Bauprojekte stecken, weil sie an die Zukunft des Ortes glauben. Heute steckt in den Zwillingsgebäuden eins und zwei Marischal Square ein ganzes Arbeit-Universum: Büros, Empfangsbereiche, Besprechungsräume und Parkplätze unter der Erde. Daneben sitzt ein Marriott Residence Inn Hotel, direkt bei Provost Skene’s House aus dem siebzehnten Jahrhundert. Provost bedeutet hier so etwas wie Bürgermeister, und das Haus ist ein echter Überlebenskünstler aus alten Stadtzeiten. Draußen gibt’s eine öffentliche Grünfläche, dazu die Brunnen. Und ja: Mackie’s Eis ist auch vertreten. Das war sogar der allererste Laden hier, der im Dezember zwei tausend und siebzehn aufgemacht hat. Oben sendet inzwischen Original eins null sechs, ein lokaler Radiosender aus Aberdeen. Für Kaffee und Essen hast du Auswahl: Costa, All Bar One und Tony Macaroni. Prezzo gab es auch für Pizza-Fans, aber das hat im Jahr zwei tausend einundzwanzig geschlossen. Wenn also jemand hier sehnsüchtig guckt, trauert er vermutlich einer Portion Spaghetti hinterher. Und dann ist da noch das Glasdach, die Gärten und dieser Übergang zwischen Alt und Neu, genau wie die Planer es wollten. Unübersehbar: die riesige Leoparden-Skulptur „Poised“. Fünf Meter hoch, zwei Tonnen schwer, oben auf einer zehn Meter hohen Stange im Atrium, also in dieser großen Innenhalle. Der Künstler Andy Scott hat ein ganzes Jahr daran gearbeitet. In Aberdeen ist der Leopard inzwischen fast so bekannt wie die Möwen, die an der Küste geschniegelt auf Pommes lauern. Ganz ehrlich: Nicht alle waren begeistert. Im Jahr zwei tausend und fünfzehn gab es Proteste, sogar eine Menschenkette rund um die Baustelle, um die Sicht auf das Marischal College und Provost Skene’s House zu verteidigen. Die Entwickler versprachen Rücksicht auf Aberdeens Granitpracht. Am Ende gab’s Auszeichnungen als Projekt des Jahres, und diese Mischung aus modern und traditionell überzeugt zumindest die Architektur-Fans. So, ich bin Andy, und ich sag’s dir: Hier stehst du in Aberdeens Geschäft-und-Freizeit-Hotspot, mit Geschichte links, Gegenwart rechts und einem Leoparden, der nie zu blinzeln scheint.

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  12. Um den Tolbooth zu finden, such nach dem massiven, grauen Granitbau mit dem hohen, spitzen Uhrturm und der Wetterfahne. Er sitzt direkt neben einem beeindruckenden Torbogen an der…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Um den Tolbooth zu finden, such nach dem massiven, grauen Granitbau mit dem hohen, spitzen Uhrturm und der Wetterfahne. Er sitzt direkt neben einem beeindruckenden Torbogen an der Union Street, als würde er sagen: „Ja, ich bin wichtig, und ja, ich weiß es.“ Willkommen am Tolbooth, Aberdeens dramatischstem Geschichtskapitel. Das Gebäude steht seit dem siebzehnten Jahrhundert und hat mehr Schockmomente erlebt als ein Kater, der neugierig eine Steckdose inspiziert. Früher war das hier Gefängnis und Gerichtsgebäude zugleich. Wenn damals dein Name gerufen wurde, war das selten wegen guter Nachrichten. Außer vielleicht, du wolltest eine entlaufene Taube abholen. Und jetzt wird’s makaber-interessant: Man erzählte sich, die erste Guillotine außerhalb von Paris sei ausgerechnet hier in Auftrag gegeben worden. Die Guillotine, das ist diese Hinrichtungsmaschine mit dem schweren Fallbeil. Und ja, die Klinge kannst du tatsächlich noch ausgestellt sehen. Im Jahr sechzehnhundertdreißig landete eine Frau namens Marion Hardie hier, angeklagt wegen angeblicher Hexerei. Nach einer furchtbaren Haft wurde sie draußen erwürgt und verbrannt. Das siebzehnte Jahrhundert hatte offenbar eine ausgesprochen strenge „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber Zauberei. Bis zum Jahr siebzehnhundertdrei war die Hexerei-Anklage zwar aus der Mode, aber nicht bevor Dutzende genau an diesem Ort verurteilt worden waren. Dann kamen die Jakobitenaufstände. Jakobiten, das waren Anhänger der Stuarts, die James Francis Edward Stuart zum König ausrufen wollten. Nach dem gescheiterten Aufstand quetschte man hier fast hundert Jakobiten-Gefangene hinein. Privatsphäre: eher nein. Und als wäre das nicht düster genug: Im achtzehnten Jahrhundert sperrte man sogar Straßenkinder hier ein und verschiffte sie anschließend nach Amerika, als Sklaven. Heute ist der Tolbooth ein Museum und so berüchtigt, dass er in der TV-Serie „Most Haunted!“ auftauchte. Drinnen warten die alten Zellen und der „Geister“-Modellhäftling Willie Baird. Wenn du jetzt eine Gänsehaut bekommst: Keine Sorge, das zählt hier als kulturelles Erlebnis.

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Das war eine solide Art, Brighton kennenzulernen, ohne sich wie ein Tourist zu fühlen. Die Erzählung hatte Tiefe und Kontext, übertrieb es aber nicht.
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