Um den Tolbooth zu finden, such nach dem massiven, grauen Granitbau mit dem hohen, spitzen Uhrturm und der Wetterfahne. Er sitzt direkt neben einem beeindruckenden Torbogen an der Union Street, als würde er sagen: „Ja, ich bin wichtig, und ja, ich weiß es.“
Willkommen am Tolbooth, Aberdeens dramatischstem Geschichtskapitel. Das Gebäude steht seit dem siebzehnten Jahrhundert und hat mehr Schockmomente erlebt als ein Kater, der neugierig eine Steckdose inspiziert. Früher war das hier Gefängnis und Gerichtsgebäude zugleich. Wenn damals dein Name gerufen wurde, war das selten wegen guter Nachrichten. Außer vielleicht, du wolltest eine entlaufene Taube abholen.
Und jetzt wird’s makaber-interessant: Man erzählte sich, die erste Guillotine außerhalb von Paris sei ausgerechnet hier in Auftrag gegeben worden. Die Guillotine, das ist diese Hinrichtungsmaschine mit dem schweren Fallbeil. Und ja, die Klinge kannst du tatsächlich noch ausgestellt sehen.
Im Jahr sechzehnhundertdreißig landete eine Frau namens Marion Hardie hier, angeklagt wegen angeblicher Hexerei. Nach einer furchtbaren Haft wurde sie draußen erwürgt und verbrannt. Das siebzehnte Jahrhundert hatte offenbar eine ausgesprochen strenge „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber Zauberei. Bis zum Jahr siebzehnhundertdrei war die Hexerei-Anklage zwar aus der Mode, aber nicht bevor Dutzende genau an diesem Ort verurteilt worden waren.
Dann kamen die Jakobitenaufstände. Jakobiten, das waren Anhänger der Stuarts, die James Francis Edward Stuart zum König ausrufen wollten. Nach dem gescheiterten Aufstand quetschte man hier fast hundert Jakobiten-Gefangene hinein. Privatsphäre: eher nein.
Und als wäre das nicht düster genug: Im achtzehnten Jahrhundert sperrte man sogar Straßenkinder hier ein und verschiffte sie anschließend nach Amerika, als Sklaven.
Heute ist der Tolbooth ein Museum und so berüchtigt, dass er in der TV-Serie „Most Haunted!“ auftauchte. Drinnen warten die alten Zellen und der „Geister“-Modellhäftling Willie Baird. Wenn du jetzt eine Gänsehaut bekommst: Keine Sorge, das zählt hier als kulturelles Erlebnis.



