Um Gilcomston Church zu finden: Schau einmal über die Union Street. Du suchst dieses stattliche Gebäude aus grauem Stein, mit hohen, dramatischen Turmspitzen, spitzen Bögen und einem runden Rosenfenster direkt über dem Haupteingang. Ein Rosenfenster ist dieses große, kreisförmige Fenster mit Musterwerk, wie eine steinerne Spitze aus Glas.
Wenn du hier stehst, stell dir vor, wie anders Aberdeen im Zweiten Weltkrieg war. Diese Kirche war damals fast schon ein Museum ohne Besucher: Die Bänke waren nahezu leer, die Gemeinde schrumpfte, und die Türen standen kurz davor, für immer zu schließen. Dann kam im Jahr neunzehnhundertfünfundvierzig Pfarrer William Still. Der Mann hatte eine Idee, die so unaufhaltsam war wie ein Dudelsack-Solo: Er wollte nicht nur Predigten, sondern die Bibel Vers für Vers, Kapitel für Kapitel, bis ins kleinste Detail auslegen. Wenn du schon das Kleingedruckte bei einem Handyvertrag unerquicklich findest, stell dir das wöchentlich vor, über Jahrzehnte.
Plötzlich strömten Studierende und Einheimische herbei, Diskussionen füllten den Raum, Bibeln wurden richtig benutzt. Anfangs gab es Ärger über so viel Neuerung, aber der Ruf reichte weit über Aberdeen hinaus, und Still knüpfte internationale Kontakte, sogar über Edinburgh und Glasgow.
Und dann der große Einschnitt im Jahr zweitausenddreizehn: Fast die ganze Gemeinde ging geschlossen und gründete mutig eine unabhängige Gemeinschaft. Die Pfarrer wechselten, Dominic Smart, Jeremy Middleton, heute Nathan Owens, doch der Trotz, nicht leise zu verschwinden, der ist hier geblieben.


