Halt mal kurz Ausschau nach einem stattlichen Steingebäude: an der Ecke sitzt ein richtig dramatischer Eckturm mit Kuppel, und entlang der Straße reihen sich hohe Fenster wie in einer Opernkulisse. Genau hier, an der Kreuzung Belmont Street und Schoolhill, steht das Academy Shopping Centre.
Und jetzt stell dir vor, wir drehen die Uhr zurück ins Jahr neunzehnhundertfünf. Hinter diesen Mauern war damals die Central Senior Secondary School. Für Aberdeener Kinder von zwölf bis fünfzehn war das so etwas wie die große Bühne des Erwachsenwerdens: viel Getrappel, viel Gemurmel, viel „schnell, wir sind spät dran“. Weil man Bildung ernst nahm, bekam das Haus einen Star-Architekten: John Alexander Ogg Allan, offizieller Schularchitekt von Aberdeen. Er wählte den Renaissance-Stil, also eine Gestaltung, die sich an der europäischen Wiedergeburt der Kunst orientiert: klare Symmetrie, Würde, ein Hauch „wir meinen das ernst“. Der Turm oben drauf bringt die leicht imperiale Dramatik.
Neunzehnhundertvierundfünfzig wurde es exklusiver: Nur wer die sogenannte Eleven-Plus-Prüfung bestand, durfte rein, und die Schule hieß nun Aberdeen Academy. Neunzehnhundertneunundsechzig war Schluss, die Schüler zogen zur Hazlehead Academy weiter. Und seit neunzehnhundertachtundneunzig? Statt Heften und Tinte gibt’s hier Einkaufstüten und Kaffee. Im Innenhof ist ständig was los: Modenschauen, Comedy, Essen im Freien. Wenn du genau hinhörst, mischt sich das heutige Treiben fast mit dem Echo der alten Pausenglocke.



