Wenn du Marischal Square finden willst, ist das ganz einfach: Rechts ragen diese modernen Glas-und-Stein-Bauten mit ihren messerscharfen Linien auf. Davor breite Gehwege, Springbrunnen, viel Platz zum Durchatmen. Und direkt gegenüber steht die dramatische Granitfassade vom Marischal College, als würde sie sagen: „Ich war zuerst hier.“
Willkommen am Marischal Square, wo Aberdeen Vergangenheit und Gegenwart geschniegelt miteinander tanzen. Stell dir vor, du hättest hier vor gut einem Jahrzehnt gestanden: Da thronte das vierzehnstöckige Saint Nicholas House, das Beton-Hauptquartier des Stadtrats. Ein Klotz, so charmant wie ein Stapel grauer Aktenschränke auf Steroiden. Im Jahr zwei tausend und vierzehn wurde das Ding abgerissen. Die Mitarbeitenden packten Tassen, Tacker und alles, was in Schubladen klappert, und zogen einfach über die Straße ins frisch renovierte Marischal College. Und ja: Dieses College hatte nach Jahrhunderten sogar aufgehört, Medizin zu unterrichten.
Nach dem Abriss kam die große Frage: Was baut man hier hin? Manche wollten Grünflächen oder Kultur, andere lieber Läden und Geschäftsräume. Die Diskussionen waren so hitzig, da hätte man fast ein Toast drauf bräunen können. Also veranstaltete die Stadt einen Designwettbewerb, das heißt: Mehrere Firmen reichen Entwürfe ein, und am Ende gewinnt ein Plan. Dreizehn Entwickler traten an, und im Jahr zwei tausend und dreizehn gewann Muse Developments aus Manchester. Das Projekt versprach, täglich drei tausend zusätzliche Menschen in die Innenstadt zu ziehen. Mit an Bord: Aviva Investors, also Leute, die Geld in große Bauprojekte stecken, weil sie an die Zukunft des Ortes glauben.
Heute steckt in den Zwillingsgebäuden eins und zwei Marischal Square ein ganzes Arbeit-Universum: Büros, Empfangsbereiche, Besprechungsräume und Parkplätze unter der Erde. Daneben sitzt ein Marriott Residence Inn Hotel, direkt bei Provost Skene’s House aus dem siebzehnten Jahrhundert. Provost bedeutet hier so etwas wie Bürgermeister, und das Haus ist ein echter Überlebenskünstler aus alten Stadtzeiten.
Draußen gibt’s eine öffentliche Grünfläche, dazu die Brunnen. Und ja: Mackie’s Eis ist auch vertreten. Das war sogar der allererste Laden hier, der im Dezember zwei tausend und siebzehn aufgemacht hat.
Oben sendet inzwischen Original eins null sechs, ein lokaler Radiosender aus Aberdeen. Für Kaffee und Essen hast du Auswahl: Costa, All Bar One und Tony Macaroni. Prezzo gab es auch für Pizza-Fans, aber das hat im Jahr zwei tausend einundzwanzig geschlossen. Wenn also jemand hier sehnsüchtig guckt, trauert er vermutlich einer Portion Spaghetti hinterher.
Und dann ist da noch das Glasdach, die Gärten und dieser Übergang zwischen Alt und Neu, genau wie die Planer es wollten. Unübersehbar: die riesige Leoparden-Skulptur „Poised“. Fünf Meter hoch, zwei Tonnen schwer, oben auf einer zehn Meter hohen Stange im Atrium, also in dieser großen Innenhalle. Der Künstler Andy Scott hat ein ganzes Jahr daran gearbeitet. In Aberdeen ist der Leopard inzwischen fast so bekannt wie die Möwen, die an der Küste geschniegelt auf Pommes lauern.
Ganz ehrlich: Nicht alle waren begeistert. Im Jahr zwei tausend und fünfzehn gab es Proteste, sogar eine Menschenkette rund um die Baustelle, um die Sicht auf das Marischal College und Provost Skene’s House zu verteidigen. Die Entwickler versprachen Rücksicht auf Aberdeens Granitpracht. Am Ende gab’s Auszeichnungen als Projekt des Jahres, und diese Mischung aus modern und traditionell überzeugt zumindest die Architektur-Fans.
So, ich bin Andy, und ich sag’s dir: Hier stehst du in Aberdeens Geschäft-und-Freizeit-Hotspot, mit Geschichte links, Gegenwart rechts und einem Leoparden, der nie zu blinzeln scheint.



