Geradeaus steht ein modernes Gebäude aus grauem Stein mit einer großen Glasfront. Und oben drüber prangt in fetten weißen Buchstaben „Bon Accord“. Falls Sie sich fragen: Nein, Sie müssen nicht die Augen zusammenkneifen. Das Ding ist so unübersehbar wie ein Dudelsack-Solo in der Straßenbahn.
Willkommen im Bon Accord Centre. Stellen Sie sich denselben Ort Anfang der achtziger Jahre vor: eher Baustelle als Einkaufsparadies, mit Metallgeklapper und Schaufeln im Boden. Heute wirkt das kaum vorstellbar, aber dieses Shopping-Reich startete tatsächlich in zwei Teilen. Zuerst eröffnete das St. Nicholas Shopping Centre im Jahr neunzehnhundertfünfundachtzig. Und es machte Schlagzeilen nicht nur wegen neuer Läden, sondern wegen eines Fundes, der jeden Schatzsucher neidisch macht: Beim Bauen stießen Arbeiter auf rund siebentausend alte Münzen, die zusammen tausende Pfund Sterling wert waren. Stellen Sie sich den Moment vor: ein Arbeiter, Matsch an den Handschuhen, und in der Hand kein Kleingeld für den Snackautomaten, sondern praktisch ein ganzer Münzregen. Das nenne ich mal Arbeitsbonus.
Dann, im Jahr neunzehnhundertneunzig, ging direkt nebenan das Bon Accord Centre an den Start. Zusammen wurden beide Zentren zum pulsierenden Einkaufsherz von Aberdeen und verschmolzen Anfang der zweitausender Jahre organisatorisch zu einem großen, leicht labyrinthartigen Komplex. In den achtziger und neunziger Jahren flanierten hier Leute mit Tüten von Kultläden wie C und A, Woolworths und der schickeren Miss Selfridge, die noch ganz frisch war, bevor die Eingangsschilder gefühlt trocken waren. Früher konnte man vom geschwungenen Bon Accord-Teil in den kantigeren St.-Nicholas-Bereich wechseln und sogar bis zu einer städtischen Dachterrasse hoch, ideal für eine Pause und ein bisschen Mode-Klatsch.
Schauen Sie sich die Form an: Bon Accord ist absichtlich kurvig gebaut. Das sorgt für bessere Schaufenster und kleine Überraschungen hinter jeder Biegung. Oben spannt sich ein riesiges Glasdach, wie eine Kuppel, ungefähr neunzig Fuß hoch, das sind rund siebenundzwanzig Meter. Im St.-Nicholas-Teil erkennt man noch die geradlinigere, betonbetontere Architektur. Und ja: Es gibt Parkplätze für über eintausendsiebenhundert Autos. Man könnte meinen, halb Aberdeen will hier gleichzeitig einparken.
Ein Sprung zurück: Im Jahr neunzehnhundertdreiundachtzig legte der Lord Provost, so heißt hier der Oberbürgermeister, den Grundstein. Später wechselten die Eigentümer; British Land zahlte einmal einunddreißig Millionen Pfund Sterling für St. Nicholas. Anfang der zweitausender Jahre folgte die Management-Fusion und eine „Doppelmarke“, also ein gemeinsamer Auftritt unter zwei Namen. Läden kamen und gingen: Erinnern Sie sich an Woolworths und das „pick n mix“, diese Süßigkeiten-Auswahl zum Selbstzusammenstellen, oder an die glitzernden Schaufenster des Disney Store? Heute ziehen große Namen wie Next und River Island Publikum an, als wäre gleich Konzertbeginn.
Hinter den Kulissen gab’s ebenfalls Drama: Umbauten, neue Eingänge mit großem Tamtam und ein Food Court, also eine Essenszone mit mehreren Anbietern. Der Bereich hieß erst Bon Appetit, machte zu und kehrte später als Food Terrace zurück. Die Pandemie traf hart: über zwanzig Läden schlossen, die Zukunft wirkte wacklig. Doch typisch Aberdeen: Im Jahr zweitausenddreiundzwanzig kamen neue Eigentümer, angeblich zum Schnäppchenpreis. Und es geht weiter nach vorn: Der Stadtrat genehmigte Pläne für ein Kino direkt im Zentrum. Bald vielleicht Popcorn in der Hand, Einkaufstüten am Arm, und der Blockbuster nur ein paar Schritte entfernt.
Gehen Sie ruhig näher an den Eingang. Wenn diese Wände sprechen könnten, würden sie von Münzfunden, Modetrends und Einkaufsabenteuern erzählen. Und glauben Sie mir: Langweilig wird es hier selten.



