Vor dir an der Huntly Street steht eine hohe Kirche aus grauem Stein, mit einem filigranen gotischen Turmhelm. Wenn du oben das Zifferblatt der Uhr entdeckst, bist du genau richtig: St Mary’s Cathedral.
Stell dir das Jahr achtzehnhundertsechzig vor: Kutschen rumpeln über unebenes Pflaster, und überall liegt feiner Steinstaub in der Luft. Gerade ist die neue Kirche fertig, entworfen von Alexander Ellis, und für Aberdeens katholische Gemeinde ist sie ein echtes Ausrufezeichen. Richtig „kathedralenhaft“ wurde sie aber erst später: Im Jahr achtzehnhundertsiebenundsiebzig hat der Architekt Robert Gordon Wilson noch eine Schippe draufgelegt, mit dem dramatischen Turmhelm und neuen Glocken. Das markierte den offiziellen Aufstieg zur Kathedrale.
Drinnen wartet eine Orgel aus dem Jahr achtzehnhundertsiebenundachtzig, die schon Hochzeiten, Weihnachtsmessen und Konzerte gestemmt hat. Über dir leuchten Buntglasfenster; eines von neunzehnhundertachtundsiebzig ehrt den heiligen John Ogilvie. Dazu kommen Marmordenkmäler für vier schottische Bischöfe, zwei davon sind hier auch begraben. Und ja, hier gibt es täglich Messe, manchmal sogar wöchentlich auf Polnisch oder monatlich auf Spanisch. Da wird selbst der Sprachkurs nervös.


