Willkommen auf der Belmont Street: eine schmale, quirlige Gasse, flankiert von den typischen Granitfassaden Aberdeens. Zwischen den Gebäuden drängeln sich Marktstände, und über dir spannen sich bunte Abdeckungen wie ein Patchwork-Dach. Das ist Aberdeen im Kompaktformat: Stein, Handel und eine gute Portion Eigenwilligkeit.
Jetzt stell dir vor, wir drehen die Uhr zurück ins späte achtzehnte Jahrhundert. Wo heute Blumen und hausgebackenes Brot locken, flanierten damals die richtig Wohlhabenden vor stattlichen Stadthäusern. Mit etwas Glück wärst du Thomas Menzies of Pitfodels über den Weg gelaufen. Der zog im Jahr siebzehnhundertachtundachtzig hierher, weil ihm das Leben in der Altstadt zu eng, zu laut, zu… sagen wir: zu „altstädtisch“ wurde. Belmont Street war damals die neue Topadresse. Große Häuser, eigene Gärten, und die Grundstücke liefen teils bis hinunter ins Tal des River Denburn. Ein paar dieser ursprünglichen Häuser stehen noch immer. Du läufst also nicht nur durch eine Straße, sondern an den Träumen der ersten feinen Bewohner vorbei.
Und dann wurde es hier plötzlich sehr kirchlich, und zwar im Sinne von: richtig dramatisch. Gleich weiter oben stehen die Triple Kirks. Das war ein Bauprojekt, das der mächtigen Auld Kirk Konkurrenz machen sollte. Drei Free Churches, also drei unabhängige protestantische Gemeinden, wurden unter einem gemeinsamen, auffälligen Turm vereint. Der Turm war so etwas wie ein steinerner Seitenblick auf die älteren Nachbarn.
Die Spaltungen waren hier so theatralisch, jede Serie würde neidisch werden: Im Jahr siebzehnhundertneunundsiebzig legten die Anti-Burgher United Presbyterians vor, mit einer riesigen Kirche mit achthundert Sitzplätzen. Kurz darauf zogen die Relief Presbyterians nach, die für ihre Predigten noch mehr Plätze wollten. Man munkelt, manche hätten mehr Zeit mit Basaren und Spendenaktionen verbracht als mit Beten.
Und heute? Belmont Street hat auch Kino-Geschichte: das Belmont Cinema, in dem Aberdonians von den späten achtzehnhundertneunziger Jahren bis ins Jahr zweitausendzweiundzwanzig Filme geschaut haben. Schau dich um: Kirchturm, Granitmauern, Marktleben. Hier erzählt wirklich jede Ecke eine Geschichte.


