Wenn du St John’s finden willst, orientier dich an einem richtig selbstbewussten Granitbau: große spitzbogige Fenster, dunkle Schieferdächer und dahinter ein massiver, quadratischer Turm. Der Eingang sitzt tief in einer hölzernen Türöffnung, und das Ganze versteckt sich ein Stück abseits der Crown Street, so als würde die Kirche sagen: „Ich bin da, aber du musst mich dir verdienen.“
Ich bin Andy, und jetzt kommt die Aberdeen-Version einer Drama-Serie. Im Jahr sechzehnhundertdreiundneunzig wurde der Geistliche George Garden aus der Kirk of St Nicholas rausgeworfen. „Kirk“ ist einfach das schottische Wort für Kirche. Sein Problem: Er wollte die Regeln der neuen presbyterianischen Kirche nicht schlucken. Presbyterianisch heißt: Die Gemeinde wird von Ältesten geleitet, nicht von einem Bischof mit großem Hut und noch größerer Meinung.
Garden ging ins Exil, kam aber in den frühen siebzehnhunderter Jahren wieder nach Aberdeen zurück und versammelte seine Leute heimlich in Häusern. Man kann sich das vorstellen: ein Auge an der Tür, das andere im Gesangbuch.
Dann begann ein Umherziehen über hundertdreißig Jahre, bis die Gemeinde endlich in Golden Square in einem größeren Gebäude landete, dem heiligen Johannes dem Evangelisten gewidmet. Leute wie Bischof Andrew Gerard hielten den Laden zusammen, und Pfarrer Roger Aitken sogar mit einem Abstecher nach Kanada.
Im Jahr achtzehnhunderteinundfünfzig kamen sie hierher, in diese neue Kirche von Mackenzie und Matthews. Seitdem hallen Chorstimmen durch den Stein. Pfarrer Patrick Cheyne predigte so offensiv, dass man ihn vor Gericht zerrte. Sein Nachfolger, Frederick G Lee, war davon so genervt, dass er gleich eine eigene Kirche gründete.
Drinnen wartet ein Star: das Taufbecken, also die steinerne Schale für die Taufe. Es ist älter als das Gebäude und stammt aus der zerstörten Kirche von Kinkell, mit rätselhaften Schnitzereien und einer Verbindung zu Alexander Galloway, der dort vor fünfhundert Jahren Rektor war.
Und weil St John’s gerne überrascht: Im Jahr zweitausenddreizehn öffnete die Gemeinde ihre Türen für muslimische Nachbarn, als deren Moschee überfüllt war. Das ist nicht nur Kirche, das ist Aberdeen mit Rückgrat, Streitkultur und Gemeinschaftssinn.



