Links von Ihnen steht eine kräftige Kirche aus grauem Stein: vorn eine spitze, gotische Fassade, auf dem Dach schmale kleine Türmchen, und darunter eine doppelte Holztür, gemütlich zurückgesetzt in einem Rundbogen.
Das ist die St Mary’s Metropolitan Cathedral of Our Lady of the Assumption. Ein Name wie ein kleiner Roman … für einen Ort, der seit rund zweihundert Jahren so etwas wie die katholische „Heimatadresse“ Edinburghs ist. Und ja: Dass hier um Sie herum Stadtgeräusche laufen, passt. Die Kathedrale sitzt mitten im New Town-Strom, an der Broughton Street zwischen York Place und Leith Street, und wirkt dabei erstaunlich unaufgeregt.
Als die Kapelle im Jahr achtzehnhundertvierzehn eröffnete, war allein das schon ein Statement: Katholiken bauen wieder eine richtige, eigens dafür geplante Kirche. Schottland war lange offiziell eher … zurückhaltend, was katholischen Gottesdienst anging. Die frühere Kapelle in der Blackfriars Wynd wurde „geduldet“, sagen wir’s so. Von achtzehnhundertdreizehn bis achtzehnhundertvierzehn entwarf der Architekt James Gillespie Graham das Gebäude im neugotischen „Neo-Perpendicular“-Stil: „perpendicular“ meint diese betont senkrechten Linien, die den Blick nach oben ziehen. Später steuerte Augustus Pugin, der Star der Gothic Revival-Bewegung, weitere Entwürfe bei und gab dem Ganzen noch mehr Biss.
St Mary’s blieb nicht stehen. Im Jahr achtzehnhundertachtundsiebzig, als die schottische katholische Hierarchie wiederhergestellt wurde, wurde sie Pro-Kathedrale des neuen Erzbistums. „Pro“ heißt: vorläufige Kathedrale, bis alles offiziell sortiert ist. Achtzehnhundertsechsundachtzig kam dann der Aufstieg zur Metropolitan-Kathedrale, mit entsprechenden Rechten. Innen befindet sich außerdem der National Shrine of Saint Andrew, also ein nationales Heiligtum für den Schutzpatron Schottlands.
Auch baulich gab’s Drama: Achtzehnhundertzweiundneunzig zwang ein Feuer nebenan im Theatre Royal zu großen Änderungen. Es wurden neue Bögen in die Seitenwände geschnitten, Seitenschiffe ergänzt und der Altarraum um drei Joche verlängert. Später kamen ein Kriegerdenkmal und ein Hochaltar im Jahr neunzehnhunderteinundzwanzig dazu, ein Baldachin im Jahr neunzehnhundertsiebenundzwanzig, und neunzehnhundertzweiunddreißig wurde sogar die Dachlinie angehoben. Die Kirche dachte offenbar: ein bisschen mehr Grandezza geht noch.
Wenn Sie hier einmal Musik hören können: machen. Die Schola Cantorum singt von gregorianischem Choral bis zu modernen Stücken, und die Orgel von zwei tausend und acht hat rund viertausend Pfeifen. Eine ziemlich beeindruckende Art, Luft in Andacht zu verwandeln.
Im Mai neunzehnhundertzweiundachtzig war Papst Johannes Paul der Zweite hier zu Besuch. Da fühlt sich eine Ortskirche plötzlich sehr weltumspannend an.
Wenn Sie weiter möchten: Das Melville Monument erreichen Sie in etwa acht Minuten zu Fuß Richtung Südwesten.



