Schau mal nach rechts: Mitten im Gartenteil des Platzes steht eine hohe, geriffelte Steinsäule, und oben drauf eine kleine Figur - als hätte sie sich den besten Aussichtssitz der ganzen Stadt gesichert....
Das ist das Melville Monument. Edinburghs Antwort auf die Frage: Wie macht man aus einer politischen Botschaft ein Bauwerk, das ungefähr hundertfünfzig Fuß hoch ist? Errichtet wurde es zwischen eighteen twenty-one und eighteen twenty-seven zu Ehren von Henry Dundas, dem ersten Viscount Melville - einem der einflussreichsten Schotten in der britischen Politik des späten achtzehnten Jahrhunderts. Der Stil wirkt römisch, und das ist Absicht: Architekt William Burn orientierte sich an der Trajanssäule, nur ohne die spiralförmigen Reliefs. Statt erzählender Bilder gibt’s klare, senkrechte Rillen - sehr „Imperium, aber geschniegelt“....
Dundas wurde seventeen forty-two geboren, kam aus einer Juristenfamilie, studierte an der University of Edinburgh und machte schnell Karriere: erst Anwalt, dann seventeen seventy-four ins Parlament, ein Jahr später Lord Advocate - das ist der oberste Rechtsvertreter der Krone in Schottland. In den neunziger Jahren zog er die Fäden so geschickt, dass er praktisch die meisten schottischen Abgeordneten kontrollierte. Demokratie, nur eben als Managementaufgabe....
In London stieg er unter Premier William Pitt dem Jüngeren auf, war Innenminister und half, Unruhen in der Zeit der Französischen Revolution zu unterdrücken. Später, als First Lord of the Admiralty - also politischer Chef der Marine - stärkte er die Royal Navy vor der Trafalgar-Ära. Matrosen nannten ihn „the Seaman’s Friend“, und genau diese Seeleute finanzierten das Denkmal per Spenden, angeführt von Vice Admiral Sir William Johnstone Hope....
Der Grundstein wurde am achtundzwanzigsten April eighteen twenty-one gelegt, Dundas’ Geburtstag: mit Gebeten, Admiralen und einer Zeitkapsel. Dann kamen Kosten und Statik. Robert Stevenson, der große Leuchtturm-Ingenieur, empfahl stärkere Fundamente und einen Schaft aus massiven Steinblöcken statt billiger Füllung. Klug... und teuer....
Geplant waren etwa drei tausend einhundertzweiundneunzig Pfund, heute grob dreihunderttausend Pfund. Am Ende wurden es rund achttausend Pfund, also ungefähr achthunderttausend Pfund. Nichts sagt „Nationaldenkmal“ so sehr wie eine Kostenexplosion mit langem Nachhall. Abbezahlt war es erst eighteen thirty-seven, als ein paar Marineoffiziere die Schlussrechnung übernahmen....
Ganz oben steht eine vierzehn Fuß hohe Dundas-Statue: entworfen von Francis Leggatt Chantrey, aus dem Stein gehauen von Robert Forrest, in großen Blöcken herangeschafft, mit zwölf Wagen, dann Stück für Stück hochgewunden. Er blickt nach Westen die George Street hinunter, in Standesrobe, ein Fuß nach vorn - als wolle er gleich eine Rede halten oder dich nach dem Weg fragen....
Und in den two thousands bekam das Monument schärfere Kanten: Dundas’ Rolle, als er gegen die „sofortige“ Abschaffung des Sklavenhandels argumentierte und eine „schrittweise“ Lösung unterstützte, steht im Zentrum der Debatte. Nach Protesten in two thousand and twenty ergänzte die Stadt two thousand and twenty-one eine Plakette, die ihm vorwirft, die Abschaffung verzögert und koloniale Herrschaft gestützt zu haben. Two thousand and twenty-three stimmte ein Ausschuss sogar für die Entfernung - später sagte der Stadtrat, geplant sei das nicht. Heißt: Die Diskussion läuft weiter, nur mit mehr Formularen....
Bereit für St Andrew Square? Geh einfach nach Südwesten - für null Minuten.



