
Zu Ihrer Linken befindet sich ein bescheidenes verputztes Stadthaus mit einem steinernen Türrahmen, ordentlichen rechteckigen Fenstern und einem tiefen Eingangsbereich, der in die alte Fassade eingelassen ist. Von hier draußen macht das Pharmaziemuseum kein großes Aufhebens... und das passt genau zu Basel. Dieses Haus, genannt Zum Vorderen Sessel, ist einer dieser Orte, an denen Jahrhunderte ohne viel Aufhebens übereinander gestapelt wurden. Es taucht erstmals im Jahr 1316 in den Aufzeichnungen als Badehaus namens Unter Krämern auf. Dann wechselte die Adresse immer wieder den Zweck. 1480 wohnte der Drucker Johannes Amerbach hier. 1507 kaufte Johannes Froben das Haus, und nun beginnt die Geschichte erst richtig spannend zu werden. Hier ist das Detail, das die Einheimischen lieben: 1513 erhielt Froben ein Manuskript von Erasmus, das eigentlich für Paris bestimmt war. Froben druckte es so wunderschön, dass Erasmus nicht nur aus der Ferne dankte... er kam selbst hierher. Er lebte und arbeitete später von 1514 bis 1516 als Frobens Gast in diesem Haus. Ihre Freundschaft war wichtig. Froben veröffentlichte später 148 Werke von Erasmus, und gemeinsam trugen sie dazu bei, den Basler Buchdruck in Richtung humanistischer Gelehrsamkeit zu lenken, was eine neue Art des Lernens bedeutete, die auf alten Sprachen, genauem Lesen und scharfen Debatten beruhte, statt nur alte Autoritäten zu wiederholen. Und es war nicht nur Erasmus. Johannes Oekolampad arbeitete hier als Korrektor, im Grunde der Gelehrte, der einen Text Zeile für Zeile vor dem Druck prüfte, und während der Arbeit am griechisch-lateinischen Neuen Testament wohnte er sogar in diesem Haus. Diese Ausgabe wurde zum ersten gedruckten griechischen Neuen Testament, und ihr Text trug dazu bei, die spätere Bibelarbeit in ganz Europa zu prägen. Also ja... an dieser einen Adresse drängten sich Tinte, Freundschaft, Argumente und europäische Religion in denselben Räumen. Nicht schlecht für ein Haus in einer Seitengasse. Andere Namen gingen ebenfalls ein und aus: Reuchlin, Beatus Rhenanus, Sebastian Münster, Sebastian Brant. Hans Holbein der Jüngere und sein Bruder Ambrosius arbeiteten hier mit der Druckwelt zusammen, ebenso wie der Kupferstecher Urs Graf. Dann kam die Medizin ins Spiel. In den 1520er Jahren behandelte Paracelsus, der feurige Arzt und Alchemist, Frobens Beinleiden, wurde Stadtarzt und hielt Vorlesungen für eine praktische, patientenorientierte Medizin. Er wehrte sich gegen Ärzte, die Büchern mehr vertrauten als Körpern, und Basel hörte das Argument laut und deutlich. Wenn Sie auf Ihren Bildschirm schauen, wirkt der Raum auf Bild drei immer noch wie die Art von Lehrkabinett, zu dem dieser Ort im 20. Jahrhundert wurde: Regale voller Heilmittel und alter Medikamente, angeordnet zum Studium, nicht zur Dekoration. 1917 verlegte Karl Heinrich Zörnig das Pharmazeutische Institut Basel mit nur zehn Studenten hierher, und er lehrte Pharmazie praxisnah. Dann, 1924, stiftete Josef Anton Häfliger seine Sammlung von Apothekergefäßen, veralteten Medikamenten, Rezepten, Büchern, Holzschnitzereien und Gemälden. Diese Schenkung wurde zum Museum, und seit 1925 bewahrt das Haus sie in jenem ursprünglichen Geist eines wissenschaftlichen Kabinetts.
Das ist Basels kleines Zauberkunststück: Ein Badehaus wird zum Druckerhaus, zur Schule, zum Institut, zum Museum... und jedes Leben hinterlässt etwas. Als Nächstes begeben wir uns zur St. Peterskirche, wo gelehrte Netzwerke der Routine der Gemeinde, dem Begräbnisplatz und der Umgestaltung der Stadt in der Reformationszeit weichen. Wenn Sie planen, wieder hineinzukommen, hat das Museum von Dienstag bis Sonntag von zehn bis fünf Uhr geöffnet.
Der Vasenraum mit pharmazeutischer Keramik, ein Teil der bedeutenden Sammlung des Museums von Apothekergefäßen, die zur Aufbewahrung von Heilmitteln verwendet wurden.


