
Vor Ihnen erhebt sich auf einem abgestuften steinernen Sockel eine bronzene Figurengruppe, bei der eine detailreiche bronzene Stoffdrapierung über die Kante herabfließt. Oben auf dem Thron sitzt Königin Isabella die Erste von Kastilien, während Christoph Kolumbus sich vor ihr verneigt. Zusammen mit König Ferdinand formte sie das Paar der Katholischen Könige, deren eiserner Wille das Schicksal Spaniens und der Welt prägen sollte. Im späten neunzehnten Jahrhundert florierte der Wunsch, eine Art von bombastischer imperialer Ambition durch massive, sündhaft teure Denkmäler in die Geschichte einzumeißeln.
Für den vierhundertsten Jahrestag von Kolumbus' erster Reise plante Granada zunächst ein gigantisches Bauwerk. Ein fünfzig Meter hoher Bogen sollte entstehen, eine chaotische Mischung aus aztekischer, spanisch-arabischer und Renaissance-Architektur. Das Projekt war so teuer, dass es die ohnehin klamme Stadtkasse ruiniert hätte. Also griff der Premierminister ein, beauftragte den Bildhauer Mariano Benlliure und strich kurzerhand zwanzig Prozent des Budgets.
Benlliure musste seine großen Pläne anpassen. Ursprünglich sollten noch weitere Bronzefiguren den Sockel zieren, darunter der besiegte Sultan Boabdil. Weil das Geld fehlte, wurde Boabdil kurzerhand gestrichen. Dadurch wandelte sich die Bedeutung des Denkmals völlig. Es zeigte nun nicht mehr die Kapitulation Granadas, sondern verengte den Blick auf die Abmachungen mit Kolumbus und den kompromisslosen Anspruch auf katholische Dominanz. Schauen Sie doch einmal auf Ihr Display, dort sehen Sie eine Nahaufnahme, die genau diesen Moment der Überredung festhält.

Die große Enthüllung im Jahr 1892 verlief alles andere als geplant. Die Stadt hatte Unsummen für hölzerne Triumphbögen und üppige Dekorationen ausgegeben, in der festen Hoffnung auf einen königlichen Besuch, der die lokale Wirtschaft ankurbeln sollte. Doch die Königinregentin... also die königliche Stellvertreterin für den noch minderjährigen Monarchen... sagte einfach ab. Angeblich hatte ihr Sohn nur eine leichte Erkältung. Die Bürger von Granada fühlten sich verraten und waren wütend. Sie zündeten die feierlichen Dekorationen an und enthüllten das Denkmal im feurigen Chaos der Straßenkämpfe einfach selbst, während die lokalen Behörden machtlos zusahen.
Ursprünglich stand diese Statue an einem völlig anderen Ort am Paseo del Salón. Im Jahr 1962 wurde sie hierher verlegt. Für diesen Umzug riss die Stadt rücksichtslos das alte Postamt im Neo-Mudéjar-Stil ab, einer Architektur, die traditionelle maurische Backsteinelemente mit modernen Bauweisen verband. Beim Neuaufbau wurde Isabella umgedreht und blickt nun symbolisch nach Westen in Richtung Amerika. In der App gibt es ein Vorher-Nachher-Bild, das wunderbar zeigt, wie sehr sich die Umgebung dieses Denkmals durch den Umzug verändert hat.
In jüngster Zeit ist dieses Werk wieder zum Schauplatz von Kontroversen geworden. Im Jahr 2021 übergossen Aktivisten die Statue mit roter Farbe, um an das vergossene Blut der indigenen Völker zu erinnern und die traditionelle Jubelerzählung der Entdeckung scharf in Frage zu stellen.
Das Erbe dieser Herrscher und ihr Umgang mit der Macht ziehen sich wie ein roter Faden durch Granada. Da dieser Platz rund um die Uhr zugänglich ist, können Sie hier so lange verweilen, wie Sie möchten, doch wir wollen dem Weg der Krone nun weiter folgen. Unser nächster Halt, die Königliche Kanzlei von Granada, ist nur etwa vier Minuten zu Fuß entfernt.



