
Blicken Sie nach links auf den gewaltigen Komplex aus rötlichen Lehmmauern mit massiven viereckigen Wehrtürmen und einem angrenzenden großen Renaissancebau, der sich über der restlichen Festung abhebt. Willkommen in der sagenhaften Alhambra.
Der Name selbst stammt aus dem Arabischen und bedeutet schlicht die rote Festung, eine liebevolle Hommage an die rötliche Farbe ihrer Wände, die aus eisenoxidhaltigem Lehm der Umgebung gestampft wurden. Doch lassen Sie sich von den abweisenden, massiven äußeren Festungsmauern niemals täuschen. Dahinter verbarg sich einst eine völlig eigenständige Stadt. Es war das glorreiche Machtzentrum der Nasriden-Dynastie, der letzten herrschenden muslimischen Familie auf der iberischen Halbinsel. Sie bauten sich hier oben, auf dem Hügel Sabika und weit über dem Trubel der einfachen Bürger, ein in sich geschlossenes Paradies mit eigenen großen Moscheen, öffentlichen Bädern, gepflasterten Straßen und geschäftigen Handwerksvierteln.
Im Herzen dieser königlichen Stadt finden wir den absoluten Höhepunkt der maurischen Architektur. Wasser und Innenhöfe sind das wesentliche Herzstück dieser majestätischen Baukunst, bei der flache, spiegelnde Wasserbecken und plätschernde Brunnen das Zentrum jedes offenen Innenhofs bilden. Sie wurden so entworfen, um das Innere der Paläste auf natürliche Weise zu kühlen und den Bewohnern eine tiefe geistige Ruhe zu vermitteln. Diese Höfe waren der private, nach innen gerichtete Rückzugsort der Herrscher, verborgen vor den Blicken der Welt.
Aber die Geschichte eines jeden Ortes ist ein ständiger Wandel. Als die katholischen Könige Ferdinand und Isabella im Jahr 1492 die Herrschaft übernahmen, rissen sie die Alhambra nicht einfach ab, sondern machten sie zum Eigentum der spanischen Krone. Wie wir bereits wissen, beschloss Kaiser Karl der Fünfte später, einen gigantischen, monumentalen Palast im italienischen Renaissance-Stil direkt in das Herz der Anlage hineinzubauen. Es ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie eine neue Kultur ihre Macht und ihren Glauben buchstäblich in die architektonischen Räume der besiegten Vorgänger pflanzte. Diese faszinierende Verschmelzung der Kulturen verleiht der Anlage bis heute ihre unglaubliche bauliche Spannung.
Mit der Zeit verfielen einige Teile der alten Festung, bis aufopferungsvolle Konservatoren im zwanzigsten Jahrhundert begannen, sie wissenschaftlich zu restaurieren und vor dem endgültigen Einsturz zu bewahren. Schauen Sie sich gerne einmal das historische Vorher-Nachher-Bild in Ihrer App an, um zu sehen, wie etwa die oberen Arkaden der Torre Quebrada damals zugemauert wurden, um das bröckelnde Bauwerk zu stabilisieren. Genau solche aufmerksamen Eingriffe haben dieses Wunderwerk gerettet, damit wir heute noch davor stehen können.
Falls Sie sich heute tiefer in die Gärten und Paläste wagen, denken Sie daran, dass das Gelände normalerweise täglich von halb neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends geöffnet ist. Wenden Sie sich nun dem markanten Palast von Karl dem Fünften zu. Wir machen uns jetzt auf den vierminütigen Spaziergang zum Museo de Bellas Artes de Granada, das sich in genau diesem Gebäude befindet.



