
Wenn Sie durch den geriffelten Steinbogen dieses kleinen Hauses blicken, sehen Sie einen kunstvoll verlegten Kieselsteinboden und einen mit farbigen Fliesen verzierten Wandbrunnen. Dies ist das Sephardische Museum.
Lange bevor christliche oder maurische Eroberer dieser Stadt ihren architektonischen Stempel aufdrückten, prägte eine tief verwurzelte Gemeinschaft das jüdische Granada. Über fünfzehn Jahrhunderte lang lebten Juden in Granada, und dieses Viertel, das Realejo, war einst als Garnata al-Yahud bekannt, die alte jüdische Vorstadt. Hier lebten und wirkten bedeutende Denker, wie Samuel Ibn Naghrillah, der die Stadt sogar mit einem System öffentlicher Bäder ausstattete. Doch die reiche Kultur dieses Ortes wurde im Laufe der Jahrhunderte fast völlig unsichtbar gemacht.
Dass wir heute diesen intimen Einblick in das jüdische Granada haben, verdanken wir dem schieren Willen einer einzigen Frau. Beatriz Chevalier, auch bekannt als Batsheva, machte die Gründung dieses Museums zu ihrem ganz persönlichen Wagnis. Um diesen Raum zu schaffen, verzichtete sie darauf, eine kleine Wohnung in ihrem Haus zu vermieten. Die Mieteinnahmen sollten eigentlich ihre Hypothek abbezahlen, doch stattdessen renovierte sie die Räume Stück für Stück selbst. Im Jahr 2006 hatte sie dem Stadtrat ihr Projekt vorgestellt, in der Hoffnung, ein Licht auf die jüdische Geschichte der Stadt zu werfen. Die Antwort war ernüchternd. Ein Beamter teilte ihr mit, das Thema sei für die Stadt schlichtweg nicht wichtig. Doch diese schmerzhafte Zurückweisung entfachte ihre Entschlossenheit nur noch mehr.
Ihre eigene Familie, Nachfahren der Anusim - Juden, die unter Zwang zum Christentum konvertierten, aber ihren Glauben im Geheimen bewahrten -, musste Spanien bereits 1387 verlassen, über ein Jahrhundert vor dem endgültigen Vertreibungsdekret der Katholischen Könige von 1492. Das Museum, das sie schließlich 2013 eröffnete, ist weniger eine klassische historische Sammlung als vielmehr ein liebevolles Denkmal für eine verlorene Identität.
Echte jüdische Artefakte aus dem Granada vor 1492 sind praktisch nicht existent, da sie zerstört, geraubt oder tief versteckt wurden. Die Sammlung hier besteht stattdessen aus Erbstücken und Spenden aus der ganzen Welt. Sie sehen sehr persönliche Gegenstände, wie die Tefillin ihres Großvaters. Das sind kleine lederne Gebetsriemen mit winzigen Schriftrollen, die beim Morgengebet angelegt werden. Besonders berührend ist die Geschichte der sephardischen Schlüssel. Viele vertriebene Familien nahmen die schweren Eisenschlüssel ihrer Häuser in Granada mit und gaben sie von Generation zu Generation weiter, in der verzweifelten Hoffnung auf eine Rückkehr. Auch wenn Historiker betonen, dass diese alten Schlüssel heute in kein modernes Schloss mehr passen würden, stehen sie hier als mächtiges Symbol der ungebrochenen Sehnsucht.
Es ist ein leiser, zutiefst menschlicher Kontrast zum nahegelegenen Palast der Vergessenen, wo große Folterinstrumente der Inquisition ausgestellt sind und um die Aufmerksamkeit der Besucher buhlen. Hier hingegen spürt man das alltägliche Leben einer Gemeinschaft, das einst gewaltsam aus den Straßen gelöscht wurde.
Wir lassen diese intime Familiengeschichte nun hinter uns und machen uns auf den Weg zur Plaza Nueva. Dort werden wir sehen, wie sich die weitreichenden Veränderungen der Stadt auf großen, öffentlichen Plätzen abspielten. Machen Sie sich einfach auf den kurzen Fußweg.



