Vor Ihnen auf der rechten Seite erhebt sich ein Gebäude aus warmem Backstein mit einem markanten, schlanken Glockenturm und einem reich verzierten Steinportal an der Hauptfassade. Dies ist die Kirche Santa Ana. Ihr Entwurf aus dem Jahr fünfzehnhundertsiebenunddreißig stammt von Diego de Siloé, dessen meisterhafte Handschrift wir bereits bei der Kathedrale bewundern durften. Doch dieses Gebäude erzählt eine Geschichte, die weit über das Christentum hinausgeht.
Wenn Sie einen Blick auf Ihr Display werfen, sehen Sie die Kirche in ihrer ganzen Pracht. Achten Sie besonders auf den Turm. Erklärte Absicht der Eroberer war es oft, die Vergangenheit einer eingenommenen Stadt einfach auszulöschen. Hier jedoch passierte etwas anderes. Diese Kirche wurde genau an der Stelle der alten Almanzora-Moschee errichtet. Aber der untere Teil des islamischen Minaretts... er wurde wunderbarerweise nicht abgerissen. Der Baumeister Juan Castellar nutzte diesen muslimischen Sockel als Fundament, um darauf den christlichen Glockenturm zu errichten. Diese sichtbare Reise von der islamischen Basis hinauf zum christlichen Glockenhaus, gekrönt von glasierten Ziegeln und einem eisernen Kreuz, zeigt, wie tiefgreifend Granada durch solche Verschmelzung geprägt wurde.

Auch der Haupteingang ist ein Meisterwerk. Auf dem nächsten Bild erkennen Sie die feinen Details dieses Portals aus der Renaissance. Es wurde von Sebastián de Alcántara entworfen und zeigt klassische korinthische Säulen... das sind die Säulen mit den blattartigen Verzierungen am oberen Ende... sowie ein Medaillon der Jungfrau Maria mit dem Kind.

Hinter diesen Mauern spielten sich zutiefst menschliche Schicksale ab. Im Jahr achtzehnhundertneunzehn heiratete hier ein junges Mädchen namens Mariana Pineda. Sie war gerade einmal fünfzehn Jahre alt. Ihr Ehemann war ein pensionierter, gesundheitlich angeschlagener Soldat, der elf Jahre älter war. Nur drei Jahre hielt das gemeinsame Glück, dann stand Mariana als Teenager-Witwe mit zwei kleinen Kindern da. Diese persönliche Tragödie war der Funke für ihr späteres, intensives Engagement in liberalen Kreisen, das zu jenem tragischen Todesurteil führte, von dem wir vorhin vor dem Gerichtshof hörten.
Eine weitere Seele, die mit diesem Ort verbunden ist, ist Juan Latino. Er kam als versklavter schwarzer Mann nach Granada und erkämpfte sich den Weg zum ersten Universitätsprofessor afrikanischer Abstammung in Europa. Laut Kirchenbüchern zog er hier seine vier Kinder groß und wurde fünfzehnhundertneunzig unter dem Altar beigesetzt. Doch als man kürzlich Ausgrabungen durchführte, konnte man seine Knochen unter den gefundenen Skeletten einfach nicht identifizieren. Sein Körper bleibt ein faszinierendes, verlorenes Rätsel.
Die Geschichte der Kirche hat auch dunklere Kapitel. Früher gab es eine Schwestergemeinde namens San Gil. Als diese achtzehnhundertachtundsechzig abgerissen wurde, um den Fluss Darro zu überbauen, versuchte ein junger Kunststudent verzweifelt, die Zerstörung zu stoppen, indem er sich in der Kirche verbarrikadierte. Er wurde verhaftet, und die Gemeinde musste nach Santa Ana umziehen. Das Schicksal der alten Kirche war grausam. Ihre Glocken, die einst zum friedlichen Gebet riefen, wurden eingeschmolzen, um daraus Munition für die Armee zu gießen.
Falls Sie das Innere erkunden möchten, die Kirche öffnet normalerweise am Vormittag von elf bis eins und am frühen Abend von sechs bis halb acht, montags bleibt sie jedoch geschlossen. Wir setzen unseren Weg nun fort. Folgen Sie dem Pfad weiter bergauf in Richtung unseres nächsten Ziels, dem Tor der Granatäpfel.



