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St. Virgin Mary Temple of Norashen

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St. Virgin Mary Temple of Norashen

Um die Norashen-Kirche zu entdecken, halte Ausschau nach einem mächtigen grauen Bauwerk mit spitzem, achteckigem Turm, das sich imposant inmitten der Altstadtdächer erhebt - die Kirche liegt etwas versteckt, aber wenn du der Straße folgst und dabei nach diesem ungewöhnlichen Turmdach suchst, kannst du sie nicht verfehlen.

Stell dir mal vor, du stehst hier - draußen, vor der Norashen-Kirche - und der Wind pfeift leicht durch die alten engen Gässchen der Altstadt von Tiflis. Über dir erhebt sich das massive, fast verwunschene Kirchengebäude mit seinem hohen Turm, dessen Spitze fast in den Himmel zu ragen scheint. Seit über 500 Jahren steht diese Kirche hier und hat alle Stürme der Geschichte ausgehalten - und, naja, Streitereien gab es genug!

Geboren wurde Norashen im Jahr 1507, als der reiche armenische Adelige Satat einen Ort suchte, um seine Familie und sich selbst für die Ewigkeit zu ehren. Also ließ er diese Kirche bauen - nach bestem Wissen und reichlich Geld! Der Name „Norashen“ heißt übrigens „neu gebaut“, aber alt sieht sie nun wirklich aus, oder? Lustig, wenn wir bedenken, dass „neu“ hier eigentlich uralt ist.

Der Glockenturm, den du vor dir siehst, wurde mehrmals restauriert. Einmal im Jahr 1650 zum Beispiel, als ein reicher Händler aus Neu-Dschulfa, Khoja Nazar, die Kirche renovierte und einen kunstvoll gemeißelten Chatschkar, also einen armenischen Kreuzstein, einsetzen ließ. Man stelle sich vor: Damals, wenn die Bewohner in die Kirche gingen, hörte man das Murmeln armenischer Poesie und das leise Klingen von Messkelchen. Selbst der Maler Hovnatan Hovnatanian, ein Star seiner Zeit, malte hier Fresken - heute sind viele davon, leider, verschwunden.

Doch dann, mitten im 18. Jahrhundert, geschah das Unvorstellbare - 1795 kamen persische Truppen und zerstörten große Teile von Tiflis, auch Norashen bekam gewaltigen Ärger ab. Die Kirche wurde schwer beschädigt, aber - wie ein Phönix aus der Asche - renovierte sie der armenische Edelmann Melik Avetik. Der Bau zog sich über viele Jahre hin, und immer wenn man dachte, jetzt sei alles wieder ordentlich, kam die nächste Katastrophe oder Renovierungsreibung!

Im 19. Jahrhundert, als Tiflis unter russischer Herrschaft stand, wurde die Kirche zum Zentrum armenischen Lebens. Hier wurden Schulen eröffnet, Jungen und Mädchen lernten Lesen und Schreiben, während die alten Mauern wohlwollend zuschauten - wobei, so ganz ohne Pausenbrot wohl auch damals niemand gern gelernt hat.

Doch die Demokratie - naja, nennen wir es mal „Sowjetbürokratie“ - hatte auch ihre eigenen Pläne. In den 1930ern kamen die sowjetischen Behörden, schlossen die Kirche einfach, konfiszierten sie und nutzten das Gotteshaus fortan als - du glaubst es nicht - wissenschaftliche Bibliothek! Zwischen Büchern und Regalen, da schlummerte der Geist der Armenier weiter, aber als Gebetsraum diente das Gebäude nicht mehr.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, also ab den 1990ern, heizte sich die Stimmung auf. Die Kirche wurde von der georgisch-orthodoxen Kirche geweiht, armenische Spuren wurden entfernt. Insidertipp: Manche sagen, die georgischen Priester konnten es nicht ertragen, direkt neben der berühmten Sioni-Kathedrale eine armenische Kirche zu haben. Das führte zu jahrelangen - sagen wir mal - lautstarken Diskussionen und sogar handfesten Auseinandersetzungen um die Grabsteine und Kirchenmauern. 2008 eskalierte alles richtig, als ein georgischer Priester mit einem Bulldozer Grabsteine wegräumen ließ, woraufhin die armenische Gemeinde protestierte - und zum Glück wurden die Steine zurückgebracht. Ich vermute aber, die Courage-Preise haben damals die Protestierenden gewonnen!

Stell dir vor, wie sich die Emotionen aufheizten: Der Ruf nach Gerechtigkeit hallte durch die engen Gassen, Demonstranten, die armenische Hymnen sangen, während wiederum andere, ganz pragmatisch, einfach nur ihren friedlichen Spaziergang machen wollten. Und mittendrin Norashen, jetzt irgendwie georgisch, irgendwie armenisch, aber vor allem eines: still. Bis heute bleibt sie geschlossen, offiziell ist sie ein Denkmal, ein Stück Kulturerbe, aber genutzt wird sie weder von der einen noch von der anderen Kirche. So landet Norashen auf jeder Liste für Religionskonflikte und offene Wunden in Tiflis.

Aber halt - das ist noch nicht das Ende vom Lied! 2014 beschloss die zuständige Behörde, das Gebäude wieder auf Vordermann zu bringen - mit über 500.000 Lari, etwas frischer Farbe, sanierten Mauern und - immerhin! - den Rückkehrern der alten armenischen Grabsteine aus Verstecken und Asphaltschichten. Leider mussten sich alle feierlichen Ereignisse im Inneren leise abspielen, und wenn du heute das schwere Tor betrachtest, kannst du dir vorstellen, wie viele Geschichten und Geheimnisse zwischen diesen Steinen geflüstert werden.

Und weißt du was? Wer auch immer den Besitzanspruch gewinnt, Norashen wird als Symbol dafür stehen, dass Geschichte manchmal widerspenstig, sehr laut, aber auch wahnsinnig spannend ist. Stell dir vor, plötzlich öffnet sich eine Tür, eine Geigerin stimmt in der Ecke die ersten Takte an - und für einen Moment bekommt die ganze Straße Gänsehaut. Das schafft nur ein Haus, das so viel gesehen und gehört hat wie diese Kirche, egal wie sie gerade heißt!

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starstarstarstarstar
Das war eine solide Art, Brighton kennenzulernen, ohne sich wie ein Tourist zu fühlen. Die Erzählung hatte Tiefe und Kontext, übertrieb es aber nicht.
Christoph
Christoph
Brighton-Tour
starstarstarstarstar
Habe diese Tour mit einem Croissant in der einen Hand und null Erwartungen gestartet. Die App schwingt einfach mit einem mit, kein Druck, nur man selbst, Kopfhörer und ein paar coole Geschichten.
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