Vor dir siehst du auf einem grünen Hügel eine mächtige, alte Festungsmauer mit vielen Rundtürmen aus Stein - halte einfach den Blick nach oben, über die Dächer der Stadt, und schon erkennst du hoch oben die imposante Narikala-Festung samt ihrer Kirche.
Also, willkommen vor Narikala! Stell dir vor, wie vor vielen Jahrhunderten hier Wächter mit scharfen Augen auf den Mauern patrouillierten, der Wind peitschte durch die Zinnen und unten im Tal glitzerte der Fluss Mtkvari. Narikala ist quasi der „Bodyguard“ von Tiflis - schon seit mehr als 1.600 Jahren! Der Sage nach soll ein legendärer König namens Vakhtang Gorgasali höchstpersönlich den ersten Stein gelegt haben, aber die Archäologen haben sogar viel ältere Spuren gefunden - Menschen wohnten hier schon vor 6.000 Jahren.
Zuerst war Narikala eine relativ kleine Festung, aber sie bekam immer wieder Zuwachs: Erst bauten die Perser an, dann die Araber, später die Georgier und sogar Mongolen marschierten durch die Tore. Klingt wie ein sehr buntes WG-Leben, oder? Und damit das nicht langweilig wurde, änderte sie sogar ihren Namen - die Mongolen nannten sie „Narin Qala“, das bedeutet „kleine Festung“. Nur, klein wirkte sie wohl nie!
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Festung allerdings einen richtig schlechten Tag: Ein Erdbeben ließ viele Mauern einstürzen, und seitdem sieht sie so wild-romantisch aus wie heute. Unten im Hof findest du eine Kirche, die gar nicht so alt aussieht. Die wurde 1997 ganz neu aufgebaut, nachdem die ursprüngliche aus dem 13. Jahrhundert leider abgebrannt ist. Wenn du reingehst, kannst du bunte Wandmalereien entdecken, die Geschichten erzählen - aus der Bibel, aber auch aus Georgiens turbulenter Vergangenheit.
Spürst du die Geschichte, die hier in der Luft liegt? Hunderte Jahre Leid und Freude, klirrende Schwerter, weise Könige, mutige Verteidiger - und vielleicht auch ein paar Geister, die über die Stadt wachen? Wer weiß! Aber eines ist sicher: Die Aussicht ist einfach königlich.



