Vor Ihnen liegt ein weitläufiger Garten mit Kieswegen und kurz geschorenen Rasenflächen, der sich um die dunkle Kurve der Odense Å schmiegt und durch niedrige Fußgängerbrücken miteinander verbunden ist. Dieser Ort wirkt mühelos... und genau das ist der Kniff. Eventyrhaven, der Märchengarten, sieht aus wie Natur, die sich mitten in der Stadt niedergelassen hat, aber Odense hat diese Ruhe ganz bewusst gestaltet. Der Fluss hier, die Odense Å, schmückt den Park nicht einfach nur; er verleiht der gesamten Szenerie ihre Stimmung. Diese märchenhafte Landschaft ist geplante Kulisse, keine unberührte Wildnis, mit Brücken, bepflanzten Rändern und ruhigen Ecken, die so angeordnet sind, dass sich die Stadt öffnet, anstatt sich aufzudrängen. Diese Sorgfalt begann schon früh. Im Jahr 1881 kaufte die Gemeinde das tiefer gelegene Land südlich des Flusses von den Munke Mølles Fabrikker, damit Bauunternehmer es nicht mit Häusern und Straßen füllen würden. Die Stadtväter entschieden sich für Entwässerung und Bepflanzung statt für Bebauung... ein kleiner Akt der Zurückhaltung, der sich in einen öffentlichen Zufluchtsort verwandelte. Dann kam der Mann, der die Geschichte veränderte. Im Jahr 1912 bot ein wohlhabender Saatguthändler namens Christian Dæhnfeldt an, zwei Drittel eines neuen Parks am Moor zu bezahlen. Er beauftragte den Landschaftsgärtner Edvard Glæsel, der einen Plan entwarf, dessen Kosten auf 28.000 Kronen geschätzt wurden. Nun, diese Schätzung war etwas optimistisch. Da die Stadt ihren Anteil auf 10.000 Kronen deckelte, musste Dæhnfeldt am Ende fast 44.000 Kronen selbst zahlen, was heute einigen Millionen dänischen Kronen entspricht. Das ist die Wendung hier: Dieses friedliche öffentliche Gelände entstand nicht durch Zauberei, sondern durch Weitsicht, hartnäckige Budgetierung und einen Mann, der tief in die Tasche griff. In der ersten Hälfte der 1940er Jahre, nachdem Odense 1942 den privaten Garten von der Lesegesellschaft übernommen hatte, gestalteten die Architekten C. Th. Sørensen, Bent Helweg-Møller und P. Wad ihn zu dem Park um, den Sie heute sehen. Und wenn Sie hier einen älteren Wasserkanal bemerken, ist das ein überbleibender Hinweis auf die industrielle Vergangenheit des Geländes. Im Vergleich zur formellen Ordnung des Kongens Have ist dieser Garten weitläufig und verschlungen. Er lädt zu Geschichten ein. Passenderweise endeten hier später Märchenparaden, bei denen Kinder auf dem Rasen Andersen trafen. Aber unser nächster Halt entfernt diesen sanften Rahmen. In etwa vier Minuten erreichen wir H. C. Andersens Kindheitswohnhaus... kleiner, härter und weitaus aufschlussreicher.
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