Du stehst nun direkt vor der Anchiskhati-Basilika - halte Ausschau nach einem rechteckigen, schlichten Gebäude aus gelb-braunen Steinquadern und roten Backsteinen mit einem kleinen, hohen Fenster auf der Giebelseite vor dir.
Stell dir vor, wir reisen ins alte Tbilisi: Staub wirbelt auf, als König Dachi, der Sohn von Wachtang, hier im 6. Jahrhundert einen Ort für seine neue Kirche auswählt. Es ist heiß, von Ferne hörst du Hufgeklapper und Händler auf dem Markt schreien. Dachi lässt die Basilika zu Ehren der Jungfrau Maria bauen - und ahnte vermutlich nicht, welches Abenteuer dieses Gebäude noch überstehen würde!
Ursprünglich schimmerte die Kirche ganz golden im Licht - damals war sie hauptsächlich aus gelbem Tuffstein erbaut, und wahrscheinlich roch es im Inneren nach kaltem Stein und brennenden Kerzen. Jahrhunderte lang wurde sie immer wieder Zielscheibe für feindliche Armeen. Stell dir vor, du hörst irgendwo das dumpfe Dröhnen von Kanonenschüssen, als Turk- und Persertruppen sich nähern. Kein Wunder, dass die Basilika mehrfach fast dem Erdboden gleichgemacht wurde! Aber jedes Mal richteten die Menschen sie wieder auf, als wäre die Hoffnung selbst in den Stein gemeißelt:
Im Jahr 1675 kommt es zu einer geheimnisvollen Reise: In einer dunklen Nacht bringen Mönche eine wertvolle Ikone, erschaffen vom berühmten Goldschmied Beka Opizari, heimlich aus dem Kloster Ancha fort. Die Osmanen haben das Land bedroht, und man will das Heiligtum retten - als der Schatz in einer Holzkiste versteckt wird, knarrt der Boden. Seitdem trägt die Kirche den Namen Anchiskhati - nach der Ikone aus Ancha. Jahrhunderte lang beteten Gläubige in der Basilika vor dieser Ikone. Heute kannst du sie übrigens im Kunstmuseum von Georgien anschauen - aber keine Sorge, du musst dort nicht in dunkler Nacht einbrechen!
Im 19. Jahrhundert wurde die Basilika sogar einmal mit einer Kuppel geschmückt - ganz nach dem Motto: “Neue Frisur, wer bist du?” Aber das war nicht von Dauer! Dann kamen die Sowjets: Gottesdienste wurden verboten, der Klang von Orgeln und Chören wich dem Klopfen von Hämmern, als hier plötzlich ein Museum und später sogar ein Kunst-Atelier einzogen.
Doch keine Sorge, das Märchen hat ein Happy End: Seit 1991 ist die Basilika wieder Zuhause für Gebete, Lieder und - man mag es kaum glauben - den berühmtesten georgischen Chor! Wenn du ganz leise bist, kannst du dir vielleicht vorstellen, wie früher himmlische Stimmen durch das Kirchenschiff hallen. Also, Schuhe festgeschnallt, Fantasie eingeschaltet - die Anchiskhati-Basilika hat über 1.500 Jahre überlebt und lächelt dich, als ob sie sagen würde: „Was sind schon ein paar Jahrhunderte unter Freunden?“



