Karlsruhe Audio Tour: Innovation, Glaube und Spuren in der Innenstadt-Ost
Einst verschwanden alte Manuskripte aus gewölbten Räumen unter Karlsruhes belebten Straßen, während Revolutionäre Namen flüsterten, die noch immer in den Hörsälen des KIT widerhallen. Unter diesen stillen Fassaden verbirgt sich mehr, als die meisten je erfahren werden. Diese selbstgeführte Audiotour führt durch die Innenstadt-Ost und enthüllt die geheimen Kapitel und ruhigen Ecken der Stadt, die Reiseführer überspringen. Entdecken Sie Geschichten, die in die KIT-Bibliothek, die Evangelische Stadtkirche und darüber hinaus verwoben sind. Wer inszenierte die Mitternachtsrazzien während jener längst vergessenen Studentenproteste? Welche Geheimnisse verweilen unter den Buntglasfenstern der Kirche? Warum riskierten Gelehrte einst alles für einen einzigen, verbotenen Text? Verfolgen Sie die Spuren von Rebellen und Visionären, spüren Sie den Puls bürgerlicher Dramen und sehen Sie Karlsruhes geschichtsträchtiges Herz mit neuen Augen. Hören Sie, wie sich mit jedem Schritt Geheimnisse lüften und Ihr Gefühl für die Stadt für immer verändern. Hören Sie den ersten Hinweis. Beginnen Sie Ihre Entdeckung dort, wo die Geschichte noch immer unter Ihren Füßen flüstert.
Tourvorschau
Über diese Tour
- scheduleDauer 40–60 minsEigenes Tempo
- straighten3.6 km FußwegDem geführten Pfad folgen
- location_onStandortKarlsruhe, Deutschland
- wifi_offFunktioniert offlineEinmal herunterladen, überall nutzen
- all_inclusiveLebenslanger ZugriffJederzeit wiederholen, für immer
- location_onStartet bei Karlsruher Institut für Technologie
Stopps auf dieser Tour
Zu deiner Linken erstreckt sich das Gelände des Campus, das du leicht an der Mischung aus massiven, rötlichen Backsteingebäuden, kantigen Sichtbetonbauten und einem alles…Mehr lesenWeniger anzeigen
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Karlsruhe Institute of TechnologyPhoto: Unknown author, Wikimedia Commons, Public domain. Cropped & resized. Zu deiner Linken erstreckt sich das Gelände des Campus, das du leicht an der Mischung aus massiven, rötlichen Backsteingebäuden, kantigen Sichtbetonbauten und einem alles überragenden, vierzehnstöckigen Turm erkennen kannst.
Willkommen am Karlsruher Institut für Technologie. Dieser Ort ist ein lebendiges Zeugnis dafür, wie Menschen alte Strukturen niederreißen und sich neu erfinden müssen, um wahren Fortschritt zu formen. Jede Generation hier hat sich buchstäblich aus den Trümmern früherer Epochen erhoben und die Regeln des Möglichen neu geschrieben.
Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begann genau hier Ferdinand Redtenbacher damit, den Maschinenbau von einem reinen Handwerk in eine echte, anerkannte Wissenschaft zu verwandeln. Seine Ideen waren derart weitreichend, dass sie sogar die Gründung der berühmten Technischen Hochschule Zürich inspirierten. Doch der Weg in die Moderne war niemals geradlinig. Nach den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs lag die Hochschule fast vollständig in Schutt und Asche. Erst 1946 konnte man den Lehrbetrieb mühsam wiederbeleben, mit gerade einmal einhundertzweiundzwanzig tapferen Studierenden, die zwischen Ruinen lernten.
Aber sie bauten ihre Welt wieder auf, ehrgeiziger als zuvor. Schau doch einmal kurz auf dein Smartphone, dort habe ich dir eine historische Aufnahme des Elektrotechnischen Instituts hinterlegt. In genau dieser mutigen Aufbruchstimmung passierte etwas Wunderbares. Zum Wintersemester 1969 begann man hier als erste Universität in ganz Deutschland mit der Ausbildung von Diplom-Informatikern. Die Informatik, also die Lehre der systematischen und automatischen Informationsverarbeitung, war damals ein völlig unbekanntes Territorium. Wir haben es am letzten Stopp schon gehört: Nur wenige Jahre später, 1984, empfing man hier am Rechenzentrum die allererste E-Mail Deutschlands. Ein winziger, unscheinbarer elektronischer Gruß, der den Beginn einer neuen, grenzenlosen Welt markierte.

The Electrotechnical Institute, founded in 1899 by Engelbert Arnold, was instrumental in KIT's history, later even receiving the first non-American email in 1984.Photo: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Cropped & resized. Und dennoch, die größte Neuerfindung dieser Institution lag noch vor ihr. Im Jahr 2009 wagte man einen historischen Schritt. Die altehrwürdige Universität fusionierte mit dem riesigen Forschungszentrum Karlsruhe, einer Einrichtung für nukleare und umwelttechnische Großforschung drüben im Hardtwald. Diese gewaltige institutionelle Verschmelzung riss die jahrzehntealten bürokratischen Grenzen zwischen universitärer Lehre und staatlicher Forschung ein. Aus zwei getrennten Welten entstand auf einen Schlag Deutschlands größte Forschungseinrichtung, ausgestattet mit enormen Budgets und völlig neuen Horizonten.
Wenn du nun auf deinem Bildschirm das weite, lichtdurchflutete Forum betrachtest, spürst du förmlich diese gebündelte Energie. Aus einer in Trümmern liegenden Schule wurde ein Gigant der globalen Spitzenforschung, an dem heute zehntausende kluge Köpfe aus aller Welt an den Lösungen von morgen arbeiten.

The modern Forum area on Campus Süd provides a central hub for student life and community activities at the Karlsruhe Institute of Technology.Photo: David M., Wikimedia Commons, CC BY 3.0. Cropped & resized. Spitzenforschung bedeutet immer, unermüdlich nach den Sternen zu greifen. Doch der Boden, auf dem wir heute stehen, trägt auch Narben, die weit weniger ehrenvoll sind als unsere modernen wissenschaftlichen Erfolge. Lass uns gemeinsam weiterlaufen, hinüber zum Alten Stadion, das in etwa fünf Minuten Gehzeit vor uns liegen wird. Dessen steinerne Ränge flüstern nämlich von einer Zeit, in der sportlicher Ruhm und düstere menschliche Abgründe auf sehr beklemmende Weise miteinander verschmolzen.
Vor dir siehst du eine sitzende, aus dunkler Bronze gegossene Harlekinfigur auf einem steinernen Sockel, die neben einer geschwungenen, niedrigen Einfassung steht, an der…Mehr lesenWeniger anzeigen
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KronenplatzPhoto: joergens.mi, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. Cropped & resized. Vor dir siehst du eine sitzende, aus dunkler Bronze gegossene Harlekinfigur auf einem steinernen Sockel, die neben einer geschwungenen, niedrigen Einfassung steht, an der zahlreiche quadratische Fliesen mit bunten Vereinswappen angebracht sind.
Willkommen am Kronenplatz. Dieser Ort ist gegenwärtig ein Platz aus Beton und Stein, der im Gemeinderat oft als das moderne Sorgenkind der Stadt bezeichnet wird. In den sechziger und siebziger Jahren beschloss die Stadtverwaltung eine radikale Sanierung, bei der das alte Viertel, das sogenannte Dörfle, großflächig abgerissen wurde, um eine neue, freie Fläche zu schaffen. Doch aus dem Traum des Fortschritts wurde schnell ein Ort, der von vielen als kühl und ungeliebt empfunden wird.
Sein Name erinnert an das, was einst hier war. Er stammt von dem alten Gasthaus Zur Goldenen Krone, das längst verschwunden ist. Als die Bagger anrollten, wurde fast alles dem Erdboden gleichgemacht. Nur ein einziges historisches Gebäude überlebte den massiven Abriss: das Hohenzollernhaus mit seiner markanten Backsteinfassade.
Es hätte übrigens alles noch viel massiver kommen können. Im Jahr 1968 schlug ein Stadtplaner vor, hier ein gigantisches Brückenzentrum mit Hochhäusern und einem riesigen Kaufhaus zu errichten. Die Pläne zerschlugen sich jedoch, und der Platz blieb für zwei Jahrzehnte eine provisorische Schotterfläche. Stattdessen entwickelte sich hier eine ganz andere Kultur. Ein neues Jugendzentrum, das Jubez, eröffnete, dessen Architekt sich bewusst an der Backsteinoptik des Hohenzollernhauses orientierte, um eine Verbindung zur Geschichte zu schaffen. Der Ort wurde ein beliebter Treffpunkt, an dem später sogar der berühmte Schlagzeuger Billy Cobham auftrat.
Ende der achtziger Jahre wollte dann der Kosmetikhersteller L'Oréal seine deutsche Hauptverwaltung genau hier bauen. Die Karlsruher wehrten sich heftig und organisierten den allerersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt. Obwohl die Mehrheit gegen die Bebauung stimmte, scheiterte die Wahl an einer gesetzlichen Hürde, dem sogenannten Quorum. Das bedeutet, dass nicht die erforderlichen dreißig Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten. Doch der gewaltige öffentliche Widerstand war nicht umsonst. Der Konzern zog sich kurz vor dem geplanten Baubeginn zurück und verlegte seinen Standort nach Düsseldorf.
Nun steht hier der Narrenbrunnen von Markus Lüpertz, an dem Sie gerade stehen, als ein kleines Stück farbige Identität. Werfen Sie gern einen Blick auf Ihr Telefon, dort sehen Sie den modernen Eingang der U-Bahn-Station, die erst 2021 im Rahmen der Kombilösung eröffnet wurde. Dieses aufwendige Verkehrsprojekt verlegte viele Straßenbahnen tief unter die Erde, um an der Oberfläche mehr Raum zu schaffen. Ein weiteres Foto in der App zeigt Ihnen die nächtlichen Bauarbeiten an den oberirdischen Gleisen, die Teil dieses ständigen städtischen Umbaus waren.

The entrance to the Kronenplatz subway station, which opened in December 2021 as part of the 'Kombilösung' project to move tram lines underground.Photo: Killarnee, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Cropped & resized. Der Platz sucht bis heute nach seiner wahren Bestimmung. Lass uns nun den rauen Beton hinter uns lassen und weitergehen zu einem Ort von tiefem historischen Gewicht, den Synagogen in Karlsruhe.

View of the tram tracks at Kronenplatz during night-time construction, located near the Straßenbahnhaltestelle in Fritz-Erler-Straße.Photo: Mkkagain, Wikimedia Commons, CC0. Cropped & resized. Wenn du nun nach rechts schaust, siehst du einen markanten Sakralbau mit schlichten grauen Betonwänden und einem leuchtend weißen Dach, das unverkennbar die Form eines großen,…Mehr lesenWeniger anzeigen
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Synagogues in KarlsruhePhoto: Frederik Ramm, Wikimedia Commons, Public domain. Cropped & resized. Wenn du nun nach rechts schaust, siehst du einen markanten Sakralbau mit schlichten grauen Betonwänden und einem leuchtend weißen Dach, das unverkennbar die Form eines großen, sechszackigen Davidsterns bildet.
Schon kurz nach der Gründung Karlsruhes im Jahr 1715 fand die jüdische Gemeinde hier eine neue Heimat. Im Laufe der Jahrhunderte schuf sie sich unermüdlich neue Orte des Glaubens, was uns eine bewegende Geschichte voller Hoffnung und tiefem Schmerz erzählt.
Als der erste schlichte Betsaal zu klein wurde, trat ein junger Architekt namens Friedrich Weinbrenner auf den Plan. Dieser hölzerne Synagogenbau war sein allererstes Großprojekt in einer Stadt, deren Gesicht er später völlig verändern sollte. Er entwarf einen prächtigen Vorhof für Hochzeiten und das jüdische Laubhüttenfest, in dessen Inneren der Aron haKodesch stand, der heilige Schrein, in dem die wertvollen Tora-Rollen aufbewahrt werden. Weinbrenner war so unglaublich stolz auf sein Werk, dass er den berühmten Dichter Johann Wolfgang von Goethe bei dessen Besuch im Jahr 1815 persönlich hierher führte, um ihm seine neuartige Synagoge zu präsentieren.
Doch dieses beeindruckende Gebäude fiel in der Nacht des 29. Mai 1871 einem verheerenden Feuer zum Opfer, das durch den Brand eines benachbarten Hauses ausgelöst wurde. Dieser tragische Verlust markierte den schmerzhaften Beginn eines Rhythmus aus vollkommener Zerstörung und mutigem Wiederaufbau. Fast der gesamte Komplex verbrannte zu Asche, bis auf Teile des steinernen Eingangstores, die wie durch ein Wunder eine goldene biblische Inschrift trugen.
Auf diesen Ruinen entstand bald eine neue, gewaltige liberale Synagoge. Doch auch sie wurde nicht vom Schicksal verschont. Während der Novemberpogrome 1938 setzten Nationalsozialisten das Gebäude in Brand. Die herbeigerufene Feuerwehr griff nicht ein, um die Synagoge zu retten, sondern ausschließlich, um ein benachbartes Benzinlager zu schützen. In einem Akt tiefster Demütigung wurde die jüdische Gemeinde anschließend gezwungen, die Trümmer ihres eigenen Gotteshauses auf eigene Kosten abzutragen.
Und doch... der Glaube dieser tapferen Menschen ließ sich niemals auslöschen. Nach dem Krieg, im Jahr 1971, entstand genau hier das moderne Gebäude vor Ihnen. Im Inneren dieses zeltartigen Raumes gibt eine Glaskuppel den Blick direkt in den weiten Himmel frei.
Nimm dir einen Moment Zeit, um die unerschütterliche Kraft dieser Gemeinde auf dich wirken zu lassen. Wenn du bereit bist, spazieren wir gemütlich weiter zur Kaiserstraße, der belebten Hauptader der Stadt. Nimm die Erinnerung an diese verlorenen, aber unvergessenen Bauwerke einfach in deinem Herzen auf unserem weiteren Weg mit.
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4Kaiserstraße
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenVor dir erstreckt sich die geradlinige Achse der Kaiserstraße, die durch ihre breite Pflasterung, die flankierenden steinernen Geschäftsgebäude und die markanten metallenen…Mehr lesenWeniger anzeigen
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KaiserstraßePhoto: Andi1919~commonswiki, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. Cropped & resized. Vor dir erstreckt sich die geradlinige Achse der Kaiserstraße, die durch ihre breite Pflasterung, die flankierenden steinernen Geschäftsgebäude und die markanten metallenen Schienen auf dem Boden unverwechselbar geprägt ist.
Willkommen auf der Haupteinkaufsstraße von Karlsruhe. Hier pulsiert das Leben, doch diese Straße ist auch ein Ort des ständigen Wandels. Wenn du einen Blick auf das historische Bild auf deinem Bildschirm wirfst, kannst du sehen, wie sehr sich dieser Ort verändert hat, seit die oberirdischen Bahnen unter die Erde verlegt wurden.
Diese Umgestaltung war Teil jenes gigantischen Verkehrsprojekts, der Kombilösung, die wir vorhin am Kronenplatz schon kurz gestreift haben. Doch der bauliche Fortschritt brachte auch Reibung mit sich. Die verbliebenen Schienen in der Fußgängerzone wurden zu einer echten Gefahr für Radfahrer, was zu zahlreichen Stürzen und schließlich zu einem kompletten Radfahrverbot führte. Auch um die alten Bäume wurde heftig gestritten, als die Stadtverwaltung sie durch klimaresistentere neue Arten ersetzen wollte. Klimaaktivisten besetzten daraufhin wochenlang die großen Platanen. Ein junger Mann schlief sogar in einer schwebenden Hängematte hoch über den Köpfen der einkaufenden Menge. Es zeigt, wie leidenschaftlich die Menschen hier um die Entwicklung ihrer Stadt ringen.
Aber zwischen all dem modernen Trubel verbirgt sich hier auch ein tiefes, schmerzhaftes Kapitel jüdischer Geschichte, über das wir ja vorhin schon bei den Synagogen gesprochen haben. An der Kaiserstraße hundertundsiebenundvierzig stand einst das stolze Warenhaus der Geschwister Johanna und Max Knopf. Was als bescheidenes Geschäft für Leinenstoffe begann, wuchs durch ihren unermüdlichen Fleiß zu einem enormen Erfolg heran. Zwischen neunzehnhundertzwölf und neunzehnhundertvierzehn ließen sie einen monumentalen, fünfstöckigen Neubau errichten. Es war damals das größte und prächtigste Kaufhaus in ganz Baden. Wenn du möchtest, schau dir gerne in deiner App an, wie lebendig die Straße nachts erstrahlt.

The Kaiserstraße lit up at night in 2019, showcasing its role as Karlsruhe's main shopping street and bustling retail and service center.Photo: Flocci Nivis, Wikimedia Commons, CC BY 4.0. Cropped & resized. Doch der Aufstieg der Familie Knopf endete auf tragische Weise. Im Jahr neunzehnhundertachtunddreißig wurde ihr Lebenswerk im Zuge der sogenannten Arisierung... also der systematischen und gewaltsamen Enteignung jüdischen Eigentums durch die Nationalsozialisten... rücksichtslos geraubt. Die Familie verlor ohne jede Entschädigung ihre gesamte Lebensgrundlage. Das lukrative Geschäft wurde einfach an neue Besitzer übergeben.
Heute gehört das Gebäude einer anderen großen Kette. Doch die denkmalgeschützte Originalfassade ist glücklicherweise geblieben. Eine kleine Gedenktafel erinnert dort leise an Johanna und Max Knopf. Es ist ein berührender Kontrast... der laute Konsum von heute und das stille Echo einer zerstörten Existenz.
Nimm dir einen Moment Zeit, um die Atmosphäre dieser geschichtsträchtigen Straße auf dich wirken zu lassen. Wenn du so weit bist, spaziere einfach gemütlich weiter durch die Fußgängerzone, bis wir uns gleich am imposanten Rondellplatz wiedersehen.
5Rondellplatz
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenVor dir ragt ein fast acht Meter hoher Obelisk, also eine spitz zulaufende, freistehende Steinsäule, aus rotem Sandstein in den Himmel, deren Basis von steinernen Greifen bewacht…Mehr lesenWeniger anzeigen
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RondellplatzPhoto: Christophe.Finot, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. Cropped & resized. Vor dir ragt ein fast acht Meter hoher Obelisk, also eine spitz zulaufende, freistehende Steinsäule, aus rotem Sandstein in den Himmel, deren Basis von steinernen Greifen bewacht wird und die direkt vor einem herrschaftlichen Gebäude mit markanten, hellen Säulen steht. Wenn du auf den Bildschirm schaust, siehst du genau diese Säule, die Verfassungssäule, im Herzen des Rondellplatzes. Wir befinden uns hier auf der sogenannten Via Triumphalis, jener majestätischen Straßenachse, die den Blick unweigerlich in Richtung Schloss zieht. Es war Großherzog Karl Friedrich, der diese Pracht vorantrieb und 1803 das herrschaftliche Markgräfliche Palais vor Ihnen in Auftrag gab, um seinen Verwandten ein passendes Zuhause zu bieten.

This image captures the Verfassungssäule (Constitution Column) at the heart of Rondellplatz. Designed by Friedrich Weinbrenner and dedicated to Grand Duke Karl, this 7.80-meter-high obelisk of red sandstone features griffins, one of which was replaced after a significant act of vandalism in 2012.Photo: Flocci Nivis, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Cropped & resized. Es war wieder einmal der Architekt Friedrich Weinbrenner, der dieses Gebäude entwarf. Er tat dies in sehr enger Abstimmung mit der Reichsgräfin Luise Karoline von Hochberg, der zweiten Gattin des Großherzogs. Damals verbarg sich hinter dieser eleganten Front ein weitläufiger englischer Landschaftsgarten, gepaart mit einem kunstvollen Lustgarten nach italienischem Vorbild.
Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit diesem Ort. Nach den verheerenden Bombenangriffen des Jahres 1942 lag das Palais völlig in Trümmern. Erst 1963, nachdem die Ruinen zunächst ganz abgetragen wurden, wagte man sich an eine detaillierte Rekonstruktion der klassischen Fassade. Wir haben es am Kronenplatz und an den Synagogen schon gespürt: Es ist genau dieser stetige Kreislauf aus Zerstörung und Wiedergeburt, der das Gesicht und die Seele dieser Stadt geformt hat.
Gleichzeitig verwandelte sich das Leben um diesen Platz herum fundamental. Wo einst nur Adlige flanierten, zog bald das bürgerliche Vergnügen ein. Im umgestalteten Haus Stemmermann nebenan öffnete 1927 das weithin beliebte Kino Gloria-Palast seine Türen und brachte ein neues, freudiges Treiben in das Viertel.
Und im Zentrum all dieses Wandels ruht die Verfassungssäule. Weinbrenner griff dafür auf einen alten Entwurf von 1790 zurück, veränderte ihn aber geschickt, indem er den Sockel in drei ansteigende Quader unterteilte. Gewidmet ist das Monument heute Großherzog Karl, der eine der liberalsten Verfassungen seiner Zeit unterzeichnete. Weil sein Nachfolger Ludwig diese Verfassung jedoch zutiefst ablehnte, durften die ehrenden Worte auf dem Stein erst nach Ludwigs Tod im Jahr 1832 angebracht werden.
Dennoch muss auch ein solches Monument mühsam beschützt werden. Im Dezember 2012 rissen Vandalen den westlichen Greifen ab. Sie richteten dabei einen enormen Schaden von rund fünfzehntausend Euro an, was einen aufwendigen Ersatz des steinernen Fabeltiers nötig machte. Im Jahr 2018 folgte dann eine umfassende, hunderttausend Euro teure Sanierung. Das schwere Bauwerk hatte begonnen, sich in den Boden abzusenken, und invasive Pflanzen fraßen sich tief in den historischen Sandstein.
Da dieser Platz an jedem Wochentag rund um die Uhr geöffnet ist, bleibt er ein beständiger, offener Zeuge des gesellschaftlichen Fortschritts. Unser nächstes Ziel liegt nur einen vierminütigen Spaziergang entfernt. Dort drüben an der Evangelischen Stadtkirche werden wir sehen, wie ein regelrechtes architektonisches Kräftemessen das Stadtbild bis heute prägt.
6Evangelische Stadtkirche Karlsruhe
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenVor uns erhebt sich die Evangelische Stadtkirche, deren mächtiger Vorbau aus hellem Stein mit seinen korinthischen Säulen an einen antiken Tempel erinnert, während sich direkt…Mehr lesenWeniger anzeigen
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Evangelical City Church of KarlsruhePhoto: Photo: Andreas Praefcke, Wikimedia Commons, CC BY 3.0. Cropped & resized. Vor uns erhebt sich die Evangelische Stadtkirche, deren mächtiger Vorbau aus hellem Stein mit seinen korinthischen Säulen an einen antiken Tempel erinnert, während sich direkt dahinter ein hoher, eckiger Glockenturm mit einem markanten grünen Kupferdach in den Himmel streckt. Dieser bemerkenswerte Bau aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert erzählt eine dramatische Geschichte über architektonische Visionen und herrschaftliche Macht. Der Baumeister wollte hier in Karlsruhe etwas völlig Neues erschaffen. Schau dir einmal diesen beeindruckenden Vorbau, den sogenannten Portikus, mit seinen hohen Säulen genau an. Kannst du erkennen, wie der Architekt geradezu stur versuchte, eine christliche Kirche als reinsten antiken griechischen Tempel zu tarnen?
Das war der große Traum von Friedrich Weinbrenner. Er strebte nach der perfekten, klassischen Symmetrie der Antike. Schau gerne auf dein Display, um eine historische Zeichnung von 1810 zu sehen, die seine makellose Tempelvision noch ohne Turm zeigt. Doch diese Vision stieß auf mächtigen Widerstand. Großherzog Karl Friedrich mischte sich massiv in die Entwürfe ein. Für ihn als Herrscher des Landes Baden brauchte eine Kathedrale zwingend ein weithin sichtbares Symbol christlicher Macht. Er ordnete höchstpersönlich an, dass die Kirche einen fast zweiundsechzig Meter hohen Glockenturm bekommen musste. Für Weinbrenner war das eine architektonische Katastrophe, ein regelrechter Bruch mit seinen idealen Proportionen. Die beiden Männer lieferten sich einen bitteren Kampf um die Gestalt dieses Gebäudes, doch am Ende setzte sich der Großherzog durch. Der Turm wurde gebaut.

This 1810 "view of the new city church" captures Friedrich Weinbrenner's early vision for the landmark, an ancient temple ideal that sparked a significant architectural dispute with the Grand Duke over the inclusion of a bell tower.Photo: Gezeichnet und geätzt von Georg Moller (1784-1852).Verlag: Johann Velten, Karlsruhe., Wikimedia Commons, CC BY 4.0. Cropped & resized. Das Schicksal hat allerdings einen ganz besonderen Sinn für Humor. Als Weinbrenner 1826 verstarb, wurde er ausgerechnet in jenem Sakralbau beigesetzt, um dessen Form er so erbittert gestritten hatte. Sein Grab befindet sich direkt hier in der offenen Vorhalle zwischen den Säulen. Ein schlichtes Kreuz und bronzene Buchstaben auf dem steinernen Boden markieren seine letzte Ruhestätte. Jeder Besucher, der heute die Kirche betritt, schreitet buchstäblich über das Grab des Mannes, der diesen Turm niemals wollte.
Die Kirche selbst musste immer wieder zerstört und neu erfunden werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie fast vollständig vernichtet, wobei auch die wertvolle, barocke Silbermann Orgel unwiederbringlich zu Asche verbrannte. Beim Wiederaufbau entschied man sich für einen bewussten Kontrast. Die äußere Hülle wurde nach historischen Skizzen gerettet, doch der Innenraum ist heute streng und modern. Auch das direkte Umfeld hat sich gewandelt. Wirf einen Blick auf das historische Vergleichsbild in deiner App, das zeigt, wie die lauten Straßenbahnschienen von damals einer ruhigen Fußgängerzone mit feinen Wasserspielen gewichen sind.
Es ist ein faszinierender Ort, der nur mittwochs, donnerstags und sonntags am Vormittag seine Türen für Besucher öffnet. Wir lassen diese ehemals so umkämpfte, große Kathedrale nun hinter uns und machen uns auf den zweiminütigen Spaziergang zu einem weitaus kleineren Ort der Stille, der Kleinen Kirche.
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Kleine Kirche
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenZu deiner Rechten siehst du die Kleine Kirche, ein markantes Bauwerk aus rotem Sandstein mit einem massiven quadratischen Turm, dessen spitzes Dach von einem kleinen,…Mehr lesenWeniger anzeigen
Eigene Seite öffnen →Zu deiner Rechten siehst du die Kleine Kirche, ein markantes Bauwerk aus rotem Sandstein mit einem massiven quadratischen Turm, dessen spitzes Dach von einem kleinen, ungewöhnlichen Fürstenhut gekrönt wird. Nimm dir einen Moment Zeit, um dieses älteste Kirchengebäude der Karlsruher Innenstadt auf dich wirken zu lassen.
Die Geschichte dieses Ortes beginnt mit Markgraf Karl Wilhelm, dem Gründer der Stadt. Er machte seiner Schwiegertochter Amalie von Hessen-Darmstadt ein überaus überraschendes und großzügiges Geschenk, denn er ließ ihr hier eine eigene Holzkirche errichten. Amalie gehörte der reformierten Konfession an, einer anderen protestantischen Glaubensrichtung als der lutherische Glaube des Markgrafen. Das war damals ein bemerkenswertes Zeichen der religiösen Toleranz. Aber diese Toleranz hatte ihre Grenzen. Um die gesellschaftliche Unterordnung der Reformierten zu betonen, durfte die erste Holzkirche keinen echten Kirchturm haben, sondern nur ein bescheidenes kleines Türmchen auf dem Dach.
Doch Holz verfällt, und so musste das Gebäude neu gedacht werden. Der Architekt Wilhelm Jeremias Müller ersetzte den baufälligen Bau in den Jahren 1773 bis 1776 durch den festen, roten Grötzinger Buntsandstein, den Sie heute vor sich sehen. Wirf gern einen Blick auf das erste Bild in deiner App. Es zeigt wunderbar die Architektur im sogenannten Louis-seize Stil, einem eleganten, frühklassizistischen Baustil, der nach dem französischen König Ludwig dem Sechzehnten benannt ist. Müller fügte dem Bau auch ein raffiniertes Detail hinzu. Als sichtbaren Dank für die Toleranz des lutherischen Landesherrn setzte er genau diesen markgräflichen Fürstenhut ganz oben auf die Spitze des neuen Turmhelms. Eine wirklich clevere Geste, findest du nicht auch?
Im Laufe der Zeit erlebte dieser Ort immer wieder tiefe Brüche und bemerkenswerte Neuanfänge. Im Jahr 1807 bekam die Kirche endlich Glocken. Diese waren ein großzügiges Geschenk der katholischen Bürgerschaft Karlsruhes an die protestantische Gemeinde. Eine wärmende Geschichte von konfessionsübergreifendem Zusammenhalt. Später verlor die Kleine Kirche durch den Zusammenschluss der protestantischen Gemeinden ihre ursprüngliche Bestimmung und geriet in eine Identitätskrise. Sie diente dann einige Jahre lang ganz pragmatisch als Garnisonskirche, also als exklusives Gotteshaus für die Soldaten des Großherzogs.
Im September 1944 schien das Schicksal der Kirche fast besiegelt. Verheerende Bombenangriffe legten das Gebäude bis auf die Außenmauern in Schutt und Asche. Doch die Karlsruher gaben nicht auf. Durch unermüdliche Spenden der Bürger wurde die Kleine Kirche rasch wiederaufgebaut. Selbst als sich Jahrzehnte später ein Holzwurm in der Orgel einnistete und sie langsam zerstörte, bewiesen die Menschen wieder ihren kreativen Überlebenswillen. Sie veranstalteten humorvolle Benefizabende unter dem Titel Der Holzwurm im Orgelprospekt und sammelten durch eine große Kampagne das Geld für ein wundervolles neues Instrument.
Es ist faszinierend, wie hier immer wieder aus Trümmern und Verfall etwas Neues entsteht. Von dieser spirituellen und gemeinschaftlichen Rettung wenden wir uns nun einem weltlicheren Thema zu. Wir spazieren in Richtung der L-Bank, wo finanzielle Angelegenheiten im Mittelpunkt stehen, und machen uns auf den Weg zur sogenannten L-Bank-Bank, die nur etwa drei Minuten zu Fuß von hier entfernt ist.
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L-Bench
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenHier auf der rechten Seite siehst du die L-Bank, oder genauer gesagt, die Landeskreditbank Baden-Württemberg. Wenn wir an Stadtgeschichte denken, stellen wir uns oft prächtige…Mehr lesenWeniger anzeigen
Eigene Seite öffnen →Hier auf der rechten Seite siehst du die L-Bank, oder genauer gesagt, die Landeskreditbank Baden-Württemberg. Wenn wir an Stadtgeschichte denken, stellen wir uns oft prächtige Schlösser vor. Doch wahre Geschichte wird oft aus purer Notwendigkeit geboren. In den 1920er Jahren, während der Weimarer Republik, herrschte eine unvorstellbare Wohnungsnot. Die Menschen hatten buchstäblich kein Dach über dem Kopf. Der damalige Innenminister Eugen Bolz war verzweifelt. Er sagte einmal erschöpft, dass er außer der Gründung einer eigenen Kreditanstalt keinen anderen Weg mehr sehe, den Wohnungsbau überhaupt noch zu retten. Aus dieser schieren Verzweiflung heraus entstand das Fundament dieser heutigen Förderbank.
Es ist ein ständiges Ringen. Ein ewiger Kreislauf aus Zerfall und dem Versuch, etwas Neues aufzubauen. 1972 wurden die badischen und württembergischen Anstalten unter einigen politischen Reibereien fusioniert, mit Karlsruhe als Hauptsitz. Damals war die Hausfarbe noch blau, bevor sie 1998 in dieses markante Pink geändert wurde. Heute fließen hier Milliarden. Im Jahr 2022 betrug die Bilanzsumme fast dreiundneunzig Milliarden Euro, um Familien, Infrastruktur und kleine Unternehmen zu stützen.
Doch auch Giganten geraten ins Wanken. Erst im Januar 2024 erlebte die Bank ein regelrechtes Beben. Die BaFin, also die oberste Kontrollbehörde für Banken in Deutschland, griff drastisch ein. Bei einer Sonderprüfung wurden schwerwiegende Mängel in der IT-Sicherheit und im Risikomanagement der Bank aufgedeckt. Die Strafe war hart. Die Aufsichtsbehörde zwang die Bank, massiv zusätzliches Eigenkapital zurückzulegen, bis diese gefährlichen Lücken im System bewiesenermaßen geschlossen sind. Wieder ein Moment des Reparierens in der Geschichte dieser Stadt.
Aber hinter diesen strengen Kulissen verbergen sich auch überraschend zarte Dinge. Die Bank besitzt einen wahren Schatz in ihrem Tresor. Fünf originale Stradivari-Geigen. Eine davon, liebevoll Dornröschen genannt, schlummerte fast ein Jahrhundert lang ungespielt bei einer Adelsfamilie, bevor die Bank sie kaufte. Heute wird sie von der berühmten Geigerin Isabelle Faust auf den großen Bühnen der Welt gespielt. Eine andere Geige, die Montbel aus dem Jahr 1697, hat kleine Saftflecken im Holz, die aussehen wie ein Bienenschwarm, der vom süßen Lack angelockt wurde.
Die Bank greift oft ein, wenn Dinge verloren zu gehen drohen. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1979 rettete sie das historische Schloss Maurach am Bodensee vor dem endgültigen Verfall. Zudem betreibt sie ein eigenes Staatsweingut am Durlacher Turmberg, wo Winzer die extrem steilen Hänge wegen der schwierigen Lage noch heute in mühsamer Handarbeit pflegen. Überall sehen wir diesen Drang, das Zerstörte zu bewahren und zu neuem Leben zu erwecken.
Wenn du das Gebäude für deine eigenen Erledigungen besuchen möchtest, die regulären Öffnungszeiten sind von Montag bis Samstag zwischen zehn und zwanzig Uhr, sonntags ist geschlossen.
Wir machen uns nun auf den Weg in Richtung des Universitätscampus, wo intellektuelles Streben auf die rauen Realitäten des Kalten Krieges traf. Unser nächster Halt, die Arbeitsstelle Bertolt Brecht, ist etwa vier Gehminuten entfernt.
9Wissenschaftliches Rechenzentrum
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenZu deiner Linken siehst du einen massiven, rechteckigen Betonbau, dessen Fassade von breiten Fensterbändern und einer auffälligen, im Zickzack verlaufenden Außentreppe geprägt…Mehr lesenWeniger anzeigen
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Scientific Computing CenterPhoto: Voskos, Wikimedia Commons, CC BY 3.0. Cropped & resized. Zu deiner Linken siehst du einen massiven, rechteckigen Betonbau, dessen Fassade von breiten Fensterbändern und einer auffälligen, im Zickzack verlaufenden Außentreppe geprägt ist. Das ist das Scientific Computing Center. Hier schlägt das digitale Herz der Universität. Alles begann im Jahr 1958 mit einem wahren Koloss namens Zuse Z22. Denk an eine Maschine, die eine ganze Tonne wiegt. Sie rechnete mit vierhundert Vakuumröhren. Das waren gläserne Kolben, die ein wenig aussahen wie alte Glühbirnen und den elektrischen Strom in der Maschine steuerten. Der Speicherplatz war aus heutiger Sicht winzig, gerade einmal sechsundsiebzig Byte. Die Wissenschaftler mussten mühsam in Maschinensprache programmieren, sie sprachen mit dem Computer also buchstäblich nur in Nullen und Einsen. Dennoch legte genau dieser gigantische Rechner den Grundstein für historische Triumphe. Im Jahr 1984 empfing Professor Werner Zorn hier über das Netzwerk die allererste E-Mail in ganz Deutschland.
Fortschritt bringt jedoch immer auch eine enorme Verletzlichkeit mit sich. Manchmal muss man bestehende Strukturen komplett einreißen, um sich neu zu erfinden. Im Mai 2020 wurde das Rechenzentrum von einem massiven Hackerangriff lahmgelegt. Kriminelle drangen tief in die sensiblen Hochleistungsrechner ein. Um Schlimmeres zu verhindern, mussten die Betreiber zu drastischen Maßnahmen greifen und die Systeme wochenlang vollständig vom Netz nehmen. Zahlreiche Forschungsprojekte standen plötzlich still, darunter auch extrem dringende Berechnungen zur Ausbreitung der Corona-Pandemie. Zum Glück zeigten die Logfiles, also die automatischen digitalen Tagebücher der Computer, später, dass keine Forschungsdaten gestohlen wurden.
Doch die wahre Dunkelheit dieses Ortes lag nicht in den Kabeln, sondern in seiner eigenen Vergangenheit. Lange Zeit trug dieses Gebäude den Namen von Karl Steinbuch, einem hochgelobten Pionier der deutschen Informatik. Er war unbestritten brillant, aber er hatte eine entsetzliche ideologische Seite. Steinbuch identifizierte sich schon als junger Mann offen mit dem Nationalsozialismus und fiel auch später durch zutiefst rechte, völkische und frauenfeindliche Äußerungen auf.
Genau hier zeigt sich, dass die Studierenden von heute nicht nur brave Zuhörer im Hörsaal sind, sondern eine laute, treibende Kraft für moralische Gerechtigkeit. Sie nehmen ein falsches Erbe nicht einfach hin, sondern zwingen ihre Institutionen, Verantwortung für die eigenen Schattenseiten zu übernehmen. Gegen massive anfängliche Widerstände der Universitätsleitung deckten sie gemeinsam mit Menschenrechtsorganisationen Steinbuchs unentschuldbare Vergangenheit beharrlich auf. Der Druck der Studierenden wurde durch historische Beweise schließlich so gewaltig, dass die Universität sich ihrer eigenen Geschichte stellen musste.
Zum ersten Januar 2024 wurde der Name Steinbuch endlich von dieser Fassade getilgt. Die Reinigung der eigenen Geschichte war ein langer, schmerzhafter Weg, aber ein absolut notwendiger Schritt, um als Gemeinschaft zu wachsen. Das Gebäude heißt nun schlicht Scientific Computing Center. Es ist für Studierende von Montag bis Freitag zwischen acht und zwanzig Uhr sowie samstagvormittags geöffnet.
Wenn du nun gleich weiter über den Campus schlenderst, frage dich doch einmal im Stillen... wie lange hätte es wohl gedauert, bis du selbst den Namen eines so berühmten Pioniers von einem Gebäude entfernt hättest? Darf wissenschaftliches Genie jemals eine dunkle Ideologie entschuldigen? Nimm diese Gedanken mit auf deinem siebenminütigen Fußweg zum Karlsruher Institut für Technologie.
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Bertolt-Brecht-Forschungszentrum
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenRechts von dir siehst du die Arbeitsstelle Bertolt Brecht. Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht wie ein ruhiger akademischer Ort, gefüllt mit altem Papier und stillen…Mehr lesenWeniger anzeigen
Eigene Seite öffnen →Rechts von dir siehst du die Arbeitsstelle Bertolt Brecht. Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht wie ein ruhiger akademischer Ort, gefüllt mit altem Papier und stillen Gedanken. Doch hinter diesen Wänden verbirgt sich eine Geschichte von tiefen Brüchen und dem ständigen Ringen um intellektuelle Neuerfindung.
Alles begann im Jahr neunzehnhundertneunundachtzig mit einer scheinbar friedlichen Aufgabe. Gelehrte aus Ost- und Westdeutschland sollten gemeinsam die Werke des berühmten Dramatikers in dreißig Bänden herausgeben. Es war ein monumentaler technologischer Meilenstein, die allererste elektronisch erarbeitete Gesamtausgabe eines deutschen Großdichters. Doch dieses Editionsprojekt provozierte massive politische Spannungen und ein dramatisches Gerangel hinter den Kulissen, das mit dem Fall der Berliner Mauer in offene ideologische Konflikte zwischen Ost und West ausbrach.
Plötzlich stritten die ostdeutschen Herausgeber Werner Hecht und Werner Mittenzwei so erbittert mit dem Karlsruher Leiter Jan Knopf über die einzig wahre Lesart von Brecht, dass langjährige, vertraute Freundschaften einfach zerbrachen. Die DDR hatte Brecht jahrzehntelang als kommunistischen Nationaldichter vereinnahmt. Doch hier in Karlsruhe nutzte man den historischen Umbruch offensiv, um diese alte Identität zu zertrümmern und Brecht von seinem dogmatischen Ballast zu befreien.
Jan Knopf gelang dabei eine geradezu theatralische Entzauberung. Bei der Sichtung von Brechts nachgelassenen Schriften fand er dessen persönliche Ausgabe von Karl Marx berühmtem Werk Das Kapital aus dem Jahr neunzehnhundertzweiunddreißig. Das Buch wirkte völlig unbenutzt, die Seiten beinahe unberührt. Für Knopf war das der schlagende Beweis, dass Brecht dieses gewaltige Werk höchstens als sporadische Urlaubslektüre betrachtet hatte. Ein Befund, der die traditionellen marxistischen Forscher massiv vor den Kopf stieß. Die alten Dogmen wurden schmerzhaft demontiert, und ein vollkommen neuer Brecht wurde für die Nachwelt geformt.
Trotz des internationalen Triumphs, der Vollendung von mehr als dreiunddreißig dicken Teilbänden und einer erstaunlich engen akademischen Partnerschaft mit Südkorea, kämpfte das Forschungszentrum paradoxerweise ständig um sein finanzielles Überleben. Mit bitterer Ironie bemerkte der Karlsruher Leiter einmal seufzend unter einem großen Poster in seinem Büro, dass man sicher viel mehr Fördergelder erhalten hätte, wenn man hier den unumstrittenen Goethe erforschen würde. Ausgerechnet die hingebungsvolle Arbeit über Deutschlands berühmtesten Kapitalismuskritiker litt unter chronischem Geldmangel. Und heute, da die greifbare politische Brisanz des Kalten Krieges verpufft ist, ringt die Institution in der öffentlichen Wahrnehmung um ihre gesellschaftliche Relevanz.
Falls du tiefer in diese faszinierende Forschung und die beeindruckende Bibliothek eintauchen möchtest, das Zentrum hat von Montag bis Freitag zwischen neun und achtzehn Uhr geöffnet, donnerstags sogar bis zwanzig Uhr und samstags am Vormittag.
Lass uns nun etwas tiefer in den Campus hineinspazieren, wo bereits die nächste ideologische Schlacht um den bloßen Namen eines Bauwerks geschlagen wurde, während wir das nur eine Minute entfernte Scientific Computing Center ansteuern.
11Fasanenschlösschen
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenZu deiner Linken siehst du das Ensemble des Fasanenschlösschens, das durch seine rötlich verputzten quadratischen Pavillons und die einzigartigen Dachfiguren mit ihren…Mehr lesenWeniger anzeigen
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FasanenschlösschenPhoto: H. Zell, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. Cropped & resized. Zu deiner Linken siehst du das Ensemble des Fasanenschlösschens, das durch seine rötlich verputzten quadratischen Pavillons und die einzigartigen Dachfiguren mit ihren aufgespannten Schirmen sofort ins Auge fällt.
Es wirkt wie eine verspielte Kulisse, aber die Ursprünge dieses Ortes lesen sich fast wie ein Spionageroman. Schon vor der eigentlichen Stadtgründung schickte Stadtgründer Markgraf Karl Wilhelm im Jahr 1711 heimlich einen Offizier ins nordfranzösische Lille. Sein Auftrag war es, die dortigen berühmten Wildparks genau zu studieren und die Entwürfe für einen eigenen Park zu kopieren. Das erste Gebäude hier war nur eine einfache Holzhütte, die nach vierzig Jahren im Wald komplett verrottet war.
Also musste etwas Neues her. Friedrich von Keßlau, ein hochrangiger Hofbeamter, entwarf dieses massive Ensemble im damals extrem beliebten chinesischen Stil. Denk nur, wie exotisch diese Dächer damals mitten im deutschen Wald gewirkt haben müssen. Wirf gern einen kurzen Blick auf deinen Bildschirm, um auf einer historischen Reliefkarte zu sehen, wie herrschaftlich das Schlösschen einst in die riesigen Schlossanlagen eingebettet war.

This map relief by Friedrich Weinbrenner from the 1820s shows the Fasanenschlösschen's location within the vast Karlsruhe palace grounds, situated to the east of the main castle.Photo: Friedrich Weinbrenner, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Cropped & resized. Aber stell dir dieses Idyll nicht zu ruhig vor. Im Erdgeschoss gackerten und flatterten zeitweise über dreitausend prächtige Fasane in sogenannten Brutstuben. Direkt darüber, über all dem ohrenbetäubenden Lärm und dem strengen Geruch, musste der Fasanenmeister mit seiner Familie leben. Ein begehrter Job, der vom Vater auf den Sohn überging, auch wenn man dafür wirklich starke Nerven brauchte.
Als die immense Zucht zu teuer wurde, verwandelte man das Schlösschen um, und junge Prinzen nutzten die Pavillons als ruhige Lernorte. Doch die Realität holte den Luxus immer wieder ein. Im Krieg von 1870 wurden aus den feinen Spielzimmern plötzlich Lazarette, also militärische Krankenhäuser, für verwundete Soldaten. Nach dem Ersten Weltkrieg war es dann endgültig vorbei mit dem königlichen Glanz, und Studenten der Technischen Hochschule nutzten das Gelände, bevor in den zwanziger Jahren eine Forstschule hier einzog.
Die größte Ironie seiner Geschichte ist jedoch baulicher Natur. Das Fasanenschlösschen überstand die verheerenden Bomben des Zweiten Weltkriegs völlig unbeschadet. Doch 1954 riss man einen der historischen Pavillons mit wunderschönen Fassadenmalereien ganz bewusst ab. Man brauchte schlichtweg Platz für das benachbarte Stadion. Wo einst aufwendige Architektur stand, befand sich später nur noch ein unscheinbarer Zaun und ein Platz für Toilettencontainer.
Heute kannst du das Gebäude unter der Woche tagsüber und freitags bis zum frühen Nachmittag besuchen, an den Wochenenden bleiben die Türen jedoch geschlossen. Wir lassen nun diesen Ort, der sich so oft neu erfinden musste, hinter uns. Von der einstigen königlichen Opulenz kehren wir zurück zur ungeschönten Realität des studentischen Lebens, denn unser letzter Halt, das Studierendenwerk Karlsruhe, ist nur einen gemütlichen siebenminütigen Spaziergang entfernt.
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Altes Universitätsstadion Karlsruhe
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenHier zu deiner Linken siehst du das Alte Hochschulstadion. Es wirkt heute fast ein wenig unscheinbar mit seinen klaren Linien und der schlichten Fassade, aber dieses Gebäude birgt…Mehr lesenWeniger anzeigen
Eigene Seite öffnen →Hier zu deiner Linken siehst du das Alte Hochschulstadion. Es wirkt heute fast ein wenig unscheinbar mit seinen klaren Linien und der schlichten Fassade, aber dieses Gebäude birgt eine Geschichte voller dramatischer Wendungen.
Man könnte meinen, ein solch massives Stadion wäre für die glorreichen, elitären Fußballvereine der Stadt gebaut worden. Doch die Wahrheit ist eine ganz andere. In den frühen neunzehnhundertzwanziger Jahren litten die Studierenden hier unter furchtbaren, fast unerträglichen Bedingungen. Wer Universitätssport betrieb, musste sich in provisorischen Bretterverschlägen umziehen und sich mit insgesamt nur zwei Duschen für alle Athleten begnügen. Es war eine Zeit bitterer Armut und schwerer gesundheitlicher Krisen.
Dann kam eine rettende, fast schon listige Idee. Das badische Kultusministerium führte medizinische Pflichtuntersuchungen für alle Studierenden ein. Der damalige Rektor Wilhelm Paulcke nutzte dieses neue Gesetz meisterhaft. Er argumentierte, die Universität brauche nun dringend große Räume für medizinische Untersuchungen und Hygiene. Und genau mit diesem cleveren Vorwand rechtfertigte er den Bau einer gigantischen neuen Sportanlage.
Der Architekt Hermann Reinhard Alker entwarf dieses Gebäude aus rotem Backstein und rauem Waschbeton. Wenn du einen kurzen Blick auf deinen Bildschirm wirfst, siehst du ein historisches Foto der Tribüne. Es zeigt das absolute Meisterwerk der Anlage... die elf Meter weit auskragende Dachkonstruktion. Es war das weltweit erste vollständig freitragende Tribünendach... das bedeutet, es wird nur auf einer Seite von stählernen Stützen tief im Beton gehalten und schwebt völlig ohne störende Säulen über den achthundert Sitzplätzen. Ein unglaublicher Triumph der Ingenieurskunst, der nach vielen finanziellen Hürden neunzehnhundertvierunddreißig vollendet wurde.

A striking view of the grandstand's exterior, showcasing its innovative 11-meter free-cantilevered, column-free roof, hailed as the world's first upon its completion in 1934.Photo: Dietmar Rabich, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Cropped & resized. Doch dieses architektonische Wunder erlebte bald eine düstere Transformation. Weil die lokalen Spitzenvereine lieber in ihren eigenen Stadien blieben, wurde die riesige Anlage in den dreißiger Jahren zweckentfremdet. Der Architekt Alker war ein frühes, überzeugtes Mitglied der NSDAP und der SS. Durch seine politische Loyalität wurde das Stadion schnell zum größten politischen Versammlungsort der Region umgebaut. Wo eigentlich studentischer Sport stattfinden sollte, marschierten nun bis zu dreißigtausend Menschen bei nationalsozialistischen Kundgebungen auf. Für junge Architekten wie Erich Schelling, der den Umbau zu einer militaristischen Wehrsportanlage leitete, war dieses Projekt ein perfektes Sprungbrett in die eigene Karriere.
Glücklicherweise eroberte sich die junge Generation diesen Ort Jahrzehnte später zurück. In den siebziger Jahren sollte die Tribüne abgerissen werden. Doch der studentische Arbeitskreis Kultur und Kommunikation... kurz AKK... erkämpfte sich den Erhalt. Bei der Übernahme machten sie eine wunderbare Entdeckung. Unter den Sitzreihen verbarg sich eine alte Sporthalle mit einer ungewöhnlichen Zigarrenkistenform und spitzbogigen Betonbögen, die dem Raum fast den feierlichen Charakter einer Kirche verleihen. Dank dieser fantastischen Akustik und der ausdrucksstarken Architektur verwandelten die Studierenden den ungenutzten Raum in einen lebendigen Ort für Vorlesungen, Partys und bunte Kultur.
Aus tiefster studentischer Not geboren, missbraucht für finstere Propaganda und schließlich gerettet durch studentischen Aktivismus... dieser Ort hat wirklich alles gesehen. Lass uns nun von diesem Symbol körperlicher Kämpfe weitergehen. Wir spazieren hinüber zur gewaltigen KIT Bibliothek, wo heute der intellektuelle Fortschritt im Mittelpunkt steht. Sie ist nur einen zweiminütigen Spaziergang entfernt.
13KIT-Bibliothek
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenVor dir erhebt sich ein markanter Gebäudekomplex, bestehend aus einem hoch aufragenden, quadratischen Bücherturm mit einer strengen Rasterfassade und einem davorliegenden hellen…Mehr lesenWeniger anzeigen
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KIT LibraryPhoto: Phi1free, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Cropped & resized. Vor dir erhebt sich ein markanter Gebäudekomplex, bestehend aus einem hoch aufragenden, quadratischen Bücherturm mit einer strengen Rasterfassade und einem davorliegenden hellen Erweiterungsbau, der auf kräftigen Pfeilern ruht. Wenn man vor diesen modernen Mauern steht, spürt man förmlich, wie sehr dieser Ort den unablässigen Rhythmus von Zerstörung, Wiederaufbau und unermüdlichem Fortschritt widerspiegelt.
Die KIT-Bibliothek, wie wir sie heute sehen, ist ein lebendiges Zeugnis ständiger Neuerfindung. Im Zweiten Weltkrieg wurden sechzig Prozent der damaligen Buchbestände vernichtet. In den bitteren Nachkriegsjahren herrschte eine so extreme Raumnot, dass die Bibliothek als provisorisches Notquartier für viele Jahre in eine abgelegene, ehemalige Kaserne ziehen musste. Doch aus diesem Tiefpunkt wuchs der Drang nach etwas Großem.
Im Jahr 1966 entwarfen der Architekt Otto Haupt und sein Sohn Peter den markanten, heute denkmalgeschützten Bücherturm, den du dort siehst. Sie trafen dabei eine äußerst ungewöhnliche bauliche Entscheidung. Anstatt die tonnenschweren, geschlossenen Büchermagazine, also die riesigen Lagerräume für die Bücher, wie es sonst üblich ist, tief im Keller unterzubringen, platzierten sie diese ausgerechnet in den obersten Stockwerken des Turms. Ein gewagter statischer Balanceakt, der das Wissen sprichwörtlich hoch über die Köpfe der Menschen hob.
Als Jahrzehnte später die stetig wachsenden Studierendenzahlen einen Erweiterungsbau unumgänglich machten, passierte etwas Wunderbares. Der Architekt Heinz Mohl wurde mit dem Projekt beauftragt. Mohl hatte in den fünfziger Jahren genau hier Architektur studiert, und zwar ausgerechnet bei Professor Otto Haupt. So oblag es dem ehemaligen Schüler, das Werk seines alten Lehrers durch den hellen Anbau in das neue Jahrtausend zu führen.
Diese architektonische Verschmelzung war nur der Vorbote der großen institutionellen Fusion, über die wir ja vorhin schon gesprochen haben. Durch den Zusammenschluss von Universität und Forschungszentrum Ende 2009 entstand ein gemeinsamer Wissensspeicher, der heute abertausende Studierende und Mitarbeitende versorgt. Durch diese gigantische institutionelle Fusion entstand ein gemeinsamer Wissensspeicher, der heute abertausende Studierende und Mitarbeitende versorgt. Mehr als eins Komma acht Millionen gedruckte Bücher finden hier ein sicheres Zuhause.
Auch im digitalen Bereich war man hier der Zeit weit voraus. Mitte der neunziger Jahre, in der unerschlossenen Pionierzeit des Internets, das wegen seiner quälend langsamen Ladezeiten oft scherzhaft als World Wide Wait bezeichnet wurde, entwickelte ein Informatikstudent hier eine einfache Studienarbeit. Aus diesem simplen Konzept entstand der Karlsruher Virtuelle Katalog, eine Suchmaschine, die heute als Internet-Dino gilt und weltweit Milliarden von Anfragen bearbeitet hat.
Im Jahr 2006 folgte die nächste Revolution. Die Bibliothek stattete all ihre Medien mit modernen Funketiketten aus. Diese neue Technologie ermöglichte plötzlich eine vollautomatische Selbstausleihe. Die Bibliothek entwickelte sich dadurch rasch zum unersetzlichen studentischen Lebensmittelpunkt auf dem Campus, der übrigens ganz bequem an jedem Tag der Woche rund um die Uhr geöffnet ist.
Lass uns nun den Trubel dieses modernen Campus hinter uns lassen und in ein charmantes Überbleibsel aristokratischer Freizeitgestaltung eintauchen. Unser nächstes Ziel, das Fasanenschlösschen, ist nur einen kurzen Spaziergang entfernt.
14Studierendenwerk Karlsruhe
Tour kaufen, um alle 16 Tracks freizuschaltenZu deiner Linken siehst du ein weiß verputztes, mehrstöckiges Gebäude mit einem rötlichen Ziegeldach, markanten grauen Fensterrahmen und einem flachen Anbau mit großen Glastüren.…Mehr lesenWeniger anzeigen
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Studierendenwerk KarlsruhePhoto: Rstephan, Wikimedia Commons, Public domain. Cropped & resized. Zu deiner Linken siehst du ein weiß verputztes, mehrstöckiges Gebäude mit einem rötlichen Ziegeldach, markanten grauen Fensterrahmen und einem flachen Anbau mit großen Glastüren. Dies ist das Studentenhaus, der Sitz des Studierendenwerks Karlsruhe. Hinter diesen hellen Wänden verbirgt sich eine zutiefst bewegende Geschichte über pure Not, eisernen Willen und die ständige Neuerfindung einer ganzen Gemeinschaft.
Nach dem Ersten Weltkrieg war die Verarmung unter den jungen Menschen hier so dramatisch, dass Universitätsprofessoren hungrige und obdachlose Studierende in ihren eigenen Wohnungen aufnahmen. Um systematisch zu helfen, wurde 1923 der Vorläufer dieser Einrichtung gegründet. Als dieses Gebäude dann zwischen 1926 und 1930 erbaut wurde, bot es endlich einen sicheren Hafen. Ein ganz besonderer Gast war 1933 der amerikanische Austauschstudent Edward Purcell. Der spätere Physik-Nobelpreisträger erinnerte sich sein Leben lang voller Dankbarkeit an die kostenfreie Unterbringung und Verpflegung, die ihm hier das Überleben sicherte.
Doch der Stolz jener Jahre zerbrach im Zweiten Weltkrieg. Bei den schweren Bombenangriffen im Jahr 1944 wurde das Studentenhaus massiv zerstört. Sein ursprüngliches Mansarddach, also ein Dach mit abgeknickten, steilen Flächen, ging für immer verloren und wurde beim Wiederaufbau durch ein schlichtes drittes Vollgeschoss ersetzt. Die Studierenden der Nachkriegszeit mussten unglaubliche Widerstandskraft beweisen. Viele von ihnen wurden verpflichtet, tausend Stunden Schutt zu schippen, bevor sie überhaupt zu ihrem Studium zugelassen wurden. Sie bauten ihre Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes mit bloßen Händen wieder auf.
Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich der Ort, aber die stürmische Dynamik blieb. In den 1980er Jahren raste das Geschirr auf den Fließbändern der Essensausgabe manchmal so schnell, dass mancher hungrige Student nicht hinterherkam und das volle Tablett klirrend auf dem Boden landete. Der legendäre Küchenchef Heiko Grether, der nach sagenhaften vierundvierzig Dienstjahren Ende 2024 in den Ruhestand ging, bereitete mit seinem Team schätzungsweise achtzig Millionen Essen zu. Heute gibt es hier das bundesweit bekannte Köriwerk, wo man an einer speziellen Werkbank zwischen sechs Schärfegraden für seine Currywurst wählen kann.
Natürlich bringt ein Ort, der heute zehntausende Menschen aus aller Welt versorgt, auch Spannungen mit sich. Ein dokumentierter Kulturschock ereignete sich, als eine mexikanische Hilfskraft für ihre deutschen Kollegen kochte und für ein kleines Missverständnis so direkte, unverblümte Kritik erntete, dass sie tief verletzt war. Auch die Bausubstanz der Wohnheime sorgte für Aufruhr. Ein Fernsehbericht deckte eine akute Krebsgefahr durch Asbest auf, ein hochgiftiges Baumaterial aus vergangenen Jahrzehnten. Die Studierenden warfen der Einrichtung mangelnde Transparenz vor, woraufhin riesige Fassaden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen abgerissen und saniert werden mussten. Und im Frühjahr 2020 stand Geschäftsführer Michael Postert vor der beispiellosen Aufgabe, wegen der Pandemie alle Einrichtungen komplett zu schließen.
Doch jeder Schock, ob durch Krieg, Skandale oder Krisen, führte am Ende zu einem Neuanfang. Die Studierenden haben diese Stadt immer wieder aus den Trümmern gehoben, Fehler korrigiert und Neues erschaffen. Dieser unerschütterliche Geist prägt Karlsruhe bis zum heutigen Tag. Das Gebäude ist montags bis freitags von neun bis halb eins und nochmals von eins bis zwei Uhr nachmittags geöffnet, am Wochenende bleibt es geschlossen. Ich hoffe, diese Reise durch die Zeit hat dir gefallen und du nimmst ein Stück dieses unermüdlichen Karlsruher Herzschlags mit auf deinen weiteren Weg.
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