
Vor dir siehst du eine sitzende, aus dunkler Bronze gegossene Harlekinfigur auf einem steinernen Sockel, die neben einer geschwungenen, niedrigen Einfassung steht, an der zahlreiche quadratische Fliesen mit bunten Vereinswappen angebracht sind.
Willkommen am Kronenplatz. Dieser Ort ist gegenwärtig ein Platz aus Beton und Stein, der im Gemeinderat oft als das moderne Sorgenkind der Stadt bezeichnet wird. In den sechziger und siebziger Jahren beschloss die Stadtverwaltung eine radikale Sanierung, bei der das alte Viertel, das sogenannte Dörfle, großflächig abgerissen wurde, um eine neue, freie Fläche zu schaffen. Doch aus dem Traum des Fortschritts wurde schnell ein Ort, der von vielen als kühl und ungeliebt empfunden wird.
Sein Name erinnert an das, was einst hier war. Er stammt von dem alten Gasthaus Zur Goldenen Krone, das längst verschwunden ist. Als die Bagger anrollten, wurde fast alles dem Erdboden gleichgemacht. Nur ein einziges historisches Gebäude überlebte den massiven Abriss: das Hohenzollernhaus mit seiner markanten Backsteinfassade.
Es hätte übrigens alles noch viel massiver kommen können. Im Jahr 1968 schlug ein Stadtplaner vor, hier ein gigantisches Brückenzentrum mit Hochhäusern und einem riesigen Kaufhaus zu errichten. Die Pläne zerschlugen sich jedoch, und der Platz blieb für zwei Jahrzehnte eine provisorische Schotterfläche. Stattdessen entwickelte sich hier eine ganz andere Kultur. Ein neues Jugendzentrum, das Jubez, eröffnete, dessen Architekt sich bewusst an der Backsteinoptik des Hohenzollernhauses orientierte, um eine Verbindung zur Geschichte zu schaffen. Der Ort wurde ein beliebter Treffpunkt, an dem später sogar der berühmte Schlagzeuger Billy Cobham auftrat.
Ende der achtziger Jahre wollte dann der Kosmetikhersteller L'Oréal seine deutsche Hauptverwaltung genau hier bauen. Die Karlsruher wehrten sich heftig und organisierten den allerersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt. Obwohl die Mehrheit gegen die Bebauung stimmte, scheiterte die Wahl an einer gesetzlichen Hürde, dem sogenannten Quorum. Das bedeutet, dass nicht die erforderlichen dreißig Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten. Doch der gewaltige öffentliche Widerstand war nicht umsonst. Der Konzern zog sich kurz vor dem geplanten Baubeginn zurück und verlegte seinen Standort nach Düsseldorf.
Nun steht hier der Narrenbrunnen von Markus Lüpertz, an dem Sie gerade stehen, als ein kleines Stück farbige Identität. Werfen Sie gern einen Blick auf Ihr Telefon, dort sehen Sie den modernen Eingang der U-Bahn-Station, die erst 2021 im Rahmen der Kombilösung eröffnet wurde. Dieses aufwendige Verkehrsprojekt verlegte viele Straßenbahnen tief unter die Erde, um an der Oberfläche mehr Raum zu schaffen. Ein weiteres Foto in der App zeigt Ihnen die nächtlichen Bauarbeiten an den oberirdischen Gleisen, die Teil dieses ständigen städtischen Umbaus waren.

Der Platz sucht bis heute nach seiner wahren Bestimmung. Lass uns nun den rauen Beton hinter uns lassen und weitergehen zu einem Ort von tiefem historischen Gewicht, den Synagogen in Karlsruhe.




