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Scientific Computing Center

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Scientific Computing Center
Scientific Computing Center
Scientific Computing CenterPhoto: Voskos, Wikimedia Commons, CC BY 3.0. Cropped & resized.

Zu deiner Linken siehst du einen massiven, rechteckigen Betonbau, dessen Fassade von breiten Fensterbändern und einer auffälligen, im Zickzack verlaufenden Außentreppe geprägt ist. Das ist das Scientific Computing Center. Hier schlägt das digitale Herz der Universität. Alles begann im Jahr 1958 mit einem wahren Koloss namens Zuse Z22. Denk an eine Maschine, die eine ganze Tonne wiegt. Sie rechnete mit vierhundert Vakuumröhren. Das waren gläserne Kolben, die ein wenig aussahen wie alte Glühbirnen und den elektrischen Strom in der Maschine steuerten. Der Speicherplatz war aus heutiger Sicht winzig, gerade einmal sechsundsiebzig Byte. Die Wissenschaftler mussten mühsam in Maschinensprache programmieren, sie sprachen mit dem Computer also buchstäblich nur in Nullen und Einsen. Dennoch legte genau dieser gigantische Rechner den Grundstein für historische Triumphe. Im Jahr 1984 empfing Professor Werner Zorn hier über das Netzwerk die allererste E-Mail in ganz Deutschland.

Fortschritt bringt jedoch immer auch eine enorme Verletzlichkeit mit sich. Manchmal muss man bestehende Strukturen komplett einreißen, um sich neu zu erfinden. Im Mai 2020 wurde das Rechenzentrum von einem massiven Hackerangriff lahmgelegt. Kriminelle drangen tief in die sensiblen Hochleistungsrechner ein. Um Schlimmeres zu verhindern, mussten die Betreiber zu drastischen Maßnahmen greifen und die Systeme wochenlang vollständig vom Netz nehmen. Zahlreiche Forschungsprojekte standen plötzlich still, darunter auch extrem dringende Berechnungen zur Ausbreitung der Corona-Pandemie. Zum Glück zeigten die Logfiles, also die automatischen digitalen Tagebücher der Computer, später, dass keine Forschungsdaten gestohlen wurden.

Doch die wahre Dunkelheit dieses Ortes lag nicht in den Kabeln, sondern in seiner eigenen Vergangenheit. Lange Zeit trug dieses Gebäude den Namen von Karl Steinbuch, einem hochgelobten Pionier der deutschen Informatik. Er war unbestritten brillant, aber er hatte eine entsetzliche ideologische Seite. Steinbuch identifizierte sich schon als junger Mann offen mit dem Nationalsozialismus und fiel auch später durch zutiefst rechte, völkische und frauenfeindliche Äußerungen auf.

Genau hier zeigt sich, dass die Studierenden von heute nicht nur brave Zuhörer im Hörsaal sind, sondern eine laute, treibende Kraft für moralische Gerechtigkeit. Sie nehmen ein falsches Erbe nicht einfach hin, sondern zwingen ihre Institutionen, Verantwortung für die eigenen Schattenseiten zu übernehmen. Gegen massive anfängliche Widerstände der Universitätsleitung deckten sie gemeinsam mit Menschenrechtsorganisationen Steinbuchs unentschuldbare Vergangenheit beharrlich auf. Der Druck der Studierenden wurde durch historische Beweise schließlich so gewaltig, dass die Universität sich ihrer eigenen Geschichte stellen musste.

Zum ersten Januar 2024 wurde der Name Steinbuch endlich von dieser Fassade getilgt. Die Reinigung der eigenen Geschichte war ein langer, schmerzhafter Weg, aber ein absolut notwendiger Schritt, um als Gemeinschaft zu wachsen. Das Gebäude heißt nun schlicht Scientific Computing Center. Es ist für Studierende von Montag bis Freitag zwischen acht und zwanzig Uhr sowie samstagvormittags geöffnet.

Wenn du nun gleich weiter über den Campus schlenderst, frage dich doch einmal im Stillen... wie lange hätte es wohl gedauert, bis du selbst den Namen eines so berühmten Pioniers von einem Gebäude entfernt hättest? Darf wissenschaftliches Genie jemals eine dunkle Ideologie entschuldigen? Nimm diese Gedanken mit auf deinem siebenminütigen Fußweg zum Karlsruher Institut für Technologie.

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Das war eine solide Art, Brighton kennenzulernen, ohne sich wie ein Tourist zu fühlen. Die Erzählung hatte Tiefe und Kontext, übertrieb es aber nicht.
Christoph
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