
Zu deiner Linken siehst du das Ensemble des Fasanenschlösschens, das durch seine rötlich verputzten quadratischen Pavillons und die einzigartigen Dachfiguren mit ihren aufgespannten Schirmen sofort ins Auge fällt.
Es wirkt wie eine verspielte Kulisse, aber die Ursprünge dieses Ortes lesen sich fast wie ein Spionageroman. Schon vor der eigentlichen Stadtgründung schickte Stadtgründer Markgraf Karl Wilhelm im Jahr 1711 heimlich einen Offizier ins nordfranzösische Lille. Sein Auftrag war es, die dortigen berühmten Wildparks genau zu studieren und die Entwürfe für einen eigenen Park zu kopieren. Das erste Gebäude hier war nur eine einfache Holzhütte, die nach vierzig Jahren im Wald komplett verrottet war.
Also musste etwas Neues her. Friedrich von Keßlau, ein hochrangiger Hofbeamter, entwarf dieses massive Ensemble im damals extrem beliebten chinesischen Stil. Denk nur, wie exotisch diese Dächer damals mitten im deutschen Wald gewirkt haben müssen. Wirf gern einen kurzen Blick auf deinen Bildschirm, um auf einer historischen Reliefkarte zu sehen, wie herrschaftlich das Schlösschen einst in die riesigen Schlossanlagen eingebettet war.

Aber stell dir dieses Idyll nicht zu ruhig vor. Im Erdgeschoss gackerten und flatterten zeitweise über dreitausend prächtige Fasane in sogenannten Brutstuben. Direkt darüber, über all dem ohrenbetäubenden Lärm und dem strengen Geruch, musste der Fasanenmeister mit seiner Familie leben. Ein begehrter Job, der vom Vater auf den Sohn überging, auch wenn man dafür wirklich starke Nerven brauchte.
Als die immense Zucht zu teuer wurde, verwandelte man das Schlösschen um, und junge Prinzen nutzten die Pavillons als ruhige Lernorte. Doch die Realität holte den Luxus immer wieder ein. Im Krieg von 1870 wurden aus den feinen Spielzimmern plötzlich Lazarette, also militärische Krankenhäuser, für verwundete Soldaten. Nach dem Ersten Weltkrieg war es dann endgültig vorbei mit dem königlichen Glanz, und Studenten der Technischen Hochschule nutzten das Gelände, bevor in den zwanziger Jahren eine Forstschule hier einzog.
Die größte Ironie seiner Geschichte ist jedoch baulicher Natur. Das Fasanenschlösschen überstand die verheerenden Bomben des Zweiten Weltkriegs völlig unbeschadet. Doch 1954 riss man einen der historischen Pavillons mit wunderschönen Fassadenmalereien ganz bewusst ab. Man brauchte schlichtweg Platz für das benachbarte Stadion. Wo einst aufwendige Architektur stand, befand sich später nur noch ein unscheinbarer Zaun und ein Platz für Toilettencontainer.
Heute kannst du das Gebäude unter der Woche tagsüber und freitags bis zum frühen Nachmittag besuchen, an den Wochenenden bleiben die Türen jedoch geschlossen. Wir lassen nun diesen Ort, der sich so oft neu erfinden musste, hinter uns. Von der einstigen königlichen Opulenz kehren wir zurück zur ungeschönten Realität des studentischen Lebens, denn unser letzter Halt, das Studierendenwerk Karlsruhe, ist nur einen gemütlichen siebenminütigen Spaziergang entfernt.



