Zu Ihrer Rechten befindet sich das Telecooperation Office, besser bekannt als TECO. Vor nicht allzu langer Zeit war dieses Viertel geprägt vom ohrenbetäubenden Lärm schwerer Maschinen und dem beißenden Geruch industrieller Abgase. Heute wurden die massiven Stahlpressen durch lautlose Server und unsichtbare Funksignale ersetzt, während sich der Stadtteil von einem Epizentrum der Schwerindustrie in ein modernes Testgelände für digitale Innovationen verwandelte. Das Areal streifte seine traditionelle, starre Vergangenheit ab, um sich dieser Art von technologischem Umbruch zu öffnen. Und TECO treibt diesen Wandel bereits seit 1993 voran. Diese Forschungseinrichtung, die an das Karlsruher Institut für Technologie angebunden ist, spezialisiert sich auf Ubiquitous Computing. Das ist ein akademischer Fachbegriff dafür, einen winzigen Computer in absolut alles hineinzustopfen, was man besitzt. Sie waren ihrer Zeit weit voraus. Im Jahr 1994, noch bevor die breite Öffentlichkeit überhaupt wusste, was eine Internet-Einwahlverbindung war, programmierte TECO PocketWeb für den Apple Newton. Es war der weltweit erste mobile Webbrowser. Sie surften bereits Jahre im mobilen Internet, bevor kommerzielle Netzwerke so weit waren. Aber das genialste Experiment fand 1998 statt und betraf ein Grundnahrungsmittel der Forschung... Kaffee. Die Forscher Hans-W. Gellersen, Michael Beigl und Holger Krull entwickelten den MediaCup. Sie statteten den Boden einer herkömmlichen Kaffeetasse heimlich mit einem Temperatursensor, einem zweiachsigen Beschleunigungsmesser zur Verfolgung von Bewegung und Neigung sowie einem winzigen Mikrochip aus. Betrieben durch eine Standard-Lithium-Batterie, sammelte die Tasse nicht nur Rohdaten. Sie leitete tatsächlich ab, was gerade geschah. Sie wusste, ob sie gerade gefüllt worden war, ob sie abkühlte, ob sie jemand trug oder ob gerade daraus getrunken wurde. Alle zwei Sekunden sendete die Tasse ein Infrarotsignal an einen Empfänger an der Decke. Hier kommt der geniale Teil: Die digitalen Schilder an den Bürotüren waren mit diesem Netzwerk verbunden. Wenn das System bemerkte, dass mehrere heiße, volle Kaffeetassen in denselben Raum gewandert waren, änderten sich die Türschilder automatisch auf „Besprechung läuft“. Niemand drückte einen Knopf. Der Raum hat es einfach selbst gemerkt. Dieser Erfolg floss in eine visionäre europäische Initiative namens „The Disappearing Computer“ ein. TECO entwickelte Smart-Its, streichholzschachtelgroße Geräte, die mit Sensoren für Audio, Druck, Licht und Bewegung bestückt waren. Man konnte sie auf alles kleben, wie eine digitale Post-it-Notiz, und so ein herkömmliches Objekt sofort in ein intelligentes verwandeln. Sie testeten sie an Aktenordnern und sogar an festlichen Tischdecken, wodurch Alltagsgegenstände lokale Funknetzwerke bildeten, um zu kommunizieren und auf ihre Umgebung zu reagieren. Heute verarbeitet TECO immer noch gewaltige, überwältigende Ströme von Big-Data-Rohwerten und verwandelt sie in intelligente, nutzbare Daten, wobei alles vom industriellen Energieverbrauch bis hin zur städtischen Luftqualität modelliert wird. Es ist ein Meisterwerk der digitalen Vernetzung. Aber natürlich gab es Vernetzung schon lange vor den Mikrochips. Kehren wir zurück zu einer viel älteren, etwas archaischeren Form der studentischen Vernetzung. Unser nächster Stopp, das Corps Friso-Cheruskia, ist nur zwei Gehminuten entfernt.
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