Zu Ihrer Rechten steht einer der reizvollsten bürgerlichen Streiche von Frauenfeld: der Pinguinbrunnen, ein Trinkbrunnen neben dem Schulhaus Spanner. Otto Schilt schuf ihn und die Stadt stellte ihn neunzehnhundertdreiunddreißig auf. Schilt wurde hier geboren und half dabei, die gemeinsame visuelle Welt des modernen Frauenfelds zu gestalten. Sein Vater drängte ihn zum Jura, also studierte er in Genf und Leipzig, besuchte Kunstkurse an der Ecole des Beaux-Arts, lernte bei James Vibert, bestand seine juristischen Prüfungen, legte sogar das Thurgauer Anwaltsexamen hier in der Stadt ab und lehnte dann stillschweigend das Leben eines Anwalts ab. Stattdessen wurde er Bildhauer.
Diese Entscheidung war wichtig. Neunzehnhundertneunzehn machte ihn sein Soldatendenkmal in der Nähe des heutigen Staatsarchivs zum öffentlichen Künstler der Stadt. Später zog er nach Zürich, heiratete neunzehnhundertsechsundzwanzig die Pianistin Hedy Kraft und kehrte immer wieder in Stein und Wasser zurück.
Betrachten Sie nun diesen Brunnen für einen Moment genau. Eine Stadt der Schlösser, Kirchen, Archive und Schulen wählte einen Pinguin für eines ihrer alltäglichen Wahrzeichen. Warum?
Die Antwort ist köstlich lokal. Neunzehnhunderteinunddreißig plante der Stadtrat lediglich, einen alten Brunnen auf den Schulhof zu versetzen. Dann bot die Stadtgemeinde etwas Neues aus Schilts Werkstatt an. Er hatte bereits im August neunzehnhundertzweiunddreißig ein Modell eingereicht: einen etwas über zwei Meter hohen Brunnen aus rötlichem Kunststein, gekrönt von einem stehenden Pinguin. Der Rat zögerte, nicht wegen des Preises von zweitausend Franken, heute etwa dreizehntausend Schweizer Franken, sondern weil ein Pinguin für einen Schweizer Schulhof zu exotisch erschien. Schilt verteidigte ihn ruhig. Der Vogel, sagte er, wirke künstlerisch, praktisch und jeder wisse, was ein Pinguin sei. Der Rat gab nach, bestand aber auf zwei Trinkausläufen, damit die Kinder ihren Durst tatsächlich stillen konnten.
Zuerst lief das Wasser über; Arbeiter behoben das Problem und am neunzehnten Juli neunzehnhundertdreiunddreißig verzeichnete die Stadt den Brunnen als fertiggestellt. Später vergaßen viele, wer ihn geschaffen hatte, obwohl Generationen von Kindern hier tranken.
Und vielleicht ist das Frauenfelds stilles Geheimnis: Erinnerung lebt nicht nur in großen Fassaden. Sie sitzt auch unerwartet auf einem Schulbrunnen, wo Kunst und Nützlichkeit sich treffen. So sprechen die verborgenen Schätze der Stadt miteinander. Dieses kleine Wahrzeichen ist zu jeder Tages- und Nachtzeit zugänglich.


