Und damit endet unser Spaziergang, ganz unaufgeregt und doch mit einem feinen Nachklang. Frauenfeld bleibt nicht als Sammlung hübscher alter Fassaden im Gedächtnis. Eher als ein Ort, an dem hinter Steinmauern, in der Stille einer Kapelle, an städtischen Schaltern, zwischen sorgfältig geordneten Buchseiten und sogar in der kleinen Pointe eines Brunnens etwas Spürbares entsteht: eine Stadt, die oft unter Druck stand und dennoch nie zuließ, dass wirklich Wichtiges einfach verschwindet.
Macht hat hier die Räume gewechselt, also wer entscheidet und von wo aus regiert wird. Frömmigkeit, damit ist gelebter Glaube gemeint, hat denselben Boden geteilt und auch um ihn gestritten. Und Erinnerung wurde gesammelt wie in einem Archiv: Dokumente werden bewahrt, sortiert und immer wieder neu erzählt, fast mit zärtlicher Disziplin.
Die Spuren liegen offen da: abgenutztes Mauerwerk, Glockenklang, das gedachte Rascheln von Briefen, und ganz nah auch Fundstücke aus der Erde, die im Museum eine neue Stimme bekommen.
Frauenfelds besondere Gabe ist nicht unangetastete Geschichte. Es ist Geschichte, die weitergetragen, verändert, geschützt und wieder brauchbar gemacht wird. Manche Orte überleben, indem sie alles exakt konservieren. Frauenfeld besteht, indem es das Wesentliche neu formt und seine Seele erstaunlich lebendig hält.


