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Edinburgh Audio-Tour: Eine bezaubernde Reise zu Edinburghs Wahrzeichen

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Audioguide15 Stopps

Ein Parlament, das durch königlichen Erlass verschwand. Eine Kirche, in der sich einst Rebellen in den Bänken drängten. Ein schiefes altes Haus, in dem Goldschmiede Pläne schmiedeten und Legenden sich mit Fakten verstrickten. Edinburghs Royal Mile birgt Geheimnisse in jedem Stein. Entdecken Sie die dramatische Vergangenheit der Stadt in Ihrem eigenen Tempo mit dieser selbstgeführten Audio-Tour. Verfolgen Sie verborgene Spuren hinter moderner Politik, königlichen Skandalen, Religionskriegen und Geschichten, die die Reiseführer weglassen. Was geschah wirklich, als Schottland über Nacht sein Parlament verlor? Wer ging in der Canongate Kirk auf und ab, während jakobitische Soldaten ihre Gefangenen unter wachsamen Augen festhielten? Und welche glitzernden Schätze besiegelten das grausame Schicksal eines Bewohners im John Knox House? Folgen Sie verwinkelten Gassen und schattigen Durchgängen von Debattiersälen zu Spukhäusern. Hören Sie bei jedem Schritt Echos von Rebellion, geflüsterten Plänen und wildem Stolz, während die Jahrhunderte um Sie herum lebendig werden. Bereit, Edinburghs Türen der Geschichte zu öffnen und zu sehen, was sich darin verbirgt? Beginnen Sie jetzt mit der Erkundung – die Geheimnisse sind näher, als Sie denken.

Tourvorschau

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Über diese Tour

  • schedule
    Dauer 100–120 minsEigenes Tempo
  • straighten
    3.7 km FußwegDem geführten Pfad folgen
  • location_on
  • wifi_off
    Funktioniert offlineEinmal herunterladen, überall nutzen
  • all_inclusive
    Lebenslanger ZugriffJederzeit wiederholen, für immer
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    Startet bei Schottisches Parlament

Stopps auf dieser Tour

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  1. Schau dir diese mutigen, modernen Formen da vorn an. Nein, das ist keine gelandete Raumkapsel, das ist das Schottische Parlament. Genau hier unten am Fuß der Royal Mile, im…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Schau dir diese mutigen, modernen Formen da vorn an. Nein, das ist keine gelandete Raumkapsel, das ist das Schottische Parlament. Genau hier unten am Fuß der Royal Mile, im Viertel Holyrood in Edinburgh, schlägt das politische Herz Schottlands. Wenn im Gebäude gerade Sitzungen laufen, geht’s dort drin nicht gerade flüsterleise zu: Da wird diskutiert, da wird gerungen, und manchmal knallt sogar ein Hammer auf den Tisch. Dieser Hammer heißt „Gavel“ - eine Art Sitzungs-Hämmerchen, das sagt: Jetzt ist Schluss mit dem Gerede, weiter im Text. So futuristisch das Ganze wirkt: Schottland regelt seine Angelegenheiten nicht erst seit gestern. Vor dem Jahr siebzehnhundertsieben hatte das alte Königreich Schottland ein eigenes Parlament. Dann kam der „Treaty of Union“, auf Deutsch Unionsvertrag: Schottland und England wurden zu einem gemeinsamen Königreich, und das schottische Parlament verschwand aus dem politischen Alltag. Wie ein Zaubertrick, nur ohne Kaninchen. Wobei: Ein paar Politiker mit Hasenohren hätten die Debatten vermutlich aufgeheitert. Jahrhunderte lang blieb die Idee vom eigenen Parlament aber im Kopf - und im Herzen. Trotz harter Zeiten und trotz zweier Weltkriege wurde der Ruf nach „Home Rule“ immer lauter, also nach mehr Selbstverwaltung und einer eigenen Stimme. Und dann, im Jahr neunzehnhundertneunundneunzig, war es soweit: Das Parlament kehrte zurück. Die ersten Abgeordneten, die „M-S-Ps“, also „Members of the Scottish Parliament“, nahmen Platz, raschelten mit Papieren, räusperten sich - und irgendwo schien immer ein Hauch Dudelsack mit dabei zu sein. Nach zweihundertneunzig Jahren Pause ist so ein Neustart eben ein großer Moment. Seitdem bekam das Parlament zusätzliche Zuständigkeiten, und in einem politischen Tauziehen mit Westminster - dem Parlament des U-K in London - wurden manche auch wieder enger gezogen. Wenn du mehr über die Amtsträger, den Plenarsaal oder den Ablauf einer Sitzung wissen willst: Schreib’s in den Chat, dann fülle ich die Lücken.

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  2. Canongate Kirk
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    Während du die Canongate entlanggehst, taucht gleich vorne eine Kirche auf, die geschniegelt wirkt, ohne geschniegelt sein zu wollen: helles, sandfarbenes Mauerwerk und ein Dach,…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Während du die Canongate entlanggehst, taucht gleich vorne eine Kirche auf, die geschniegelt wirkt, ohne geschniegelt sein zu wollen: helles, sandfarbenes Mauerwerk und ein Dach, das in sanften Wellen schwingt, als würde es mit Edinburghs Hügeln um die schönste Silhouette konkurrieren. Dazu die schmiedeeisernen Gitter, ein stattlicher Torbogen und links und rechts diese knallroten Türen. Fast so, als könne sich das Gebäude nicht entscheiden, wo der große Auftritt passieren soll. Über der mittleren Tür glänzt ein Wappen, daneben siehst du auch das Wappen von Thomas Moodie. Und flankiert wird das Ganze von zwei kahlen Bäumen, die ein bisschen wirken wie riesige Kerzenständer. Du stehst hier vor der Canongate Kirk. „Kirk“ ist einfach das schottische Wort für Kirche, klingt aber gleich nach mehr Drama, oder? Denk an die späten sechzehnhundert Jahre: Die Gemeinde hier war zuständig für Leute vom Parlament, das den Hügel runterliegt, bis hinauf Richtung Edinburgh Castle. Für so eine „kleine“ Pfarrkirche ein ganz schön großes Revier. Und ja, ein Hauch Royale gehört dazu: Die Queen kam hier früher zum Sonntagsgottesdienst, und ihre Enkelin Zara Phillips hat hier geheiratet. Das Verrückte: Diese Kirche hätte es fast gar nicht gegeben. Nach der Reformation wurden die Leute aus der Holyrood Abbey herauskomplimentiert, weil der König eine feinere Kapelle wollte. Erst wich die Gemeinde in Lady Yester’s Church aus, während der Privy Council, also ein königlicher Beraterkreis, die Sache ausfocht. Dann kam Thomas Moodie ins Spiel: Sein Geld war eigentlich für neue Glocken und ein schickes Tolbooth gedacht, das war so eine Mischung aus Rathaus und Gefängnis. Nach reichlich Briefwechsel mit der Krone landete das Geld schließlich genau hier. Und ruhig war es nicht immer: Im Jahr siebzehnhundertfünfundvierzig nutzten Jakobiten, Anhänger der Stuart-Dynastie, die Kirchenbänke als provisorisches Gefängnis nach der Schlacht von Prestonpans. Dazwischen gab es feurige Predigten, königliche Umzüge und die ewige Frage: Wer sitzt eigentlich auf dem besten Platz? Wenn du magst, gehen wir weiter zur nächsten Station. Und falls du mehr über das Gebäude, den Kirchhof oder die heutige Arbeit der Gemeinde wissen willst: Schau gern im Chatbereich nach.

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  3. John Knox House
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    Schauen Sie geradeaus: Sehen Sie dieses Haus, das wirkt, als hätte es ein Bühnenbildner für ein Märchen zusammengeschraubt? Genau das ist das John Knox House. Da ist alles ein…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Schauen Sie geradeaus: Sehen Sie dieses Haus, das wirkt, als hätte es ein Bühnenbildner für ein Märchen zusammengeschraubt? Genau das ist das John Knox House. Da ist alles ein bisschen „schief und stolz“ zugleich: ein Wirrwarr aus Giebeln, also diesen spitzen Dachabschlüssen, dazu Überhänge, wo die oberen Stockwerke über die unteren hinausragen. Zwischen altem Stein und hellen, ungleichmäßigen Wänden klemmen Holzbalken, dicht gedrängte Fenster mit weißen Rahmen, und seitlich zieht sich eine stattliche Steintreppe nach oben. Man muss nicht viel Fantasie haben, um sich Pferdehufe auf dem Pflaster und Marktschreier in der Straße vorzustellen. Und jetzt kommt die Geschichte mit fast genauso vielen Ecken wie die Fassade: Das hier heißt John Knox House, und die meisten Leute nicken dazu sehr überzeugt. John Knox, der feurige protestantische Reformator, wird damit in Verbindung gebracht. Ganz ehrlich: Möglich, dass er eher vorbeigelaufen ist und höchstens mal gewinkt hat. Historiker gehen eher davon aus, dass er weiter oben in der Straße, in der Warriston Close, gewohnt hat. Aber Legenden sind in Edinburgh ungefähr so zäh wie guter Haferbrei. Wer hier wirklich gelebt hat? Eine Besetzung wie für ein Historiendrama. Unter anderem Goldschmiede, also Handwerker, die mit Gold und Edelsteinen arbeiten. James Mosman zum Beispiel fertigte Schmuck für Mary, Queen of Scots, also Maria Stuart, Königin von Schottland. Klingt glamourös, endet aber unerquicklich: Nachdem Edinburgh Castle nach einer langen Belagerung gefallen war, erwischte man Mosman dabei, wie er Münzen für Marias Anhänger prägte. Die Strafe war grausam: Er wurde gehängt, gevierteilt, das heißt in vier Teile zerteilt, und anschließend enthauptet. Drinnen verbergen sich bemalte Decken und eine hölzerne Galerie, so eine umlaufende Empore. Und im neunzehnten Jahrhundert haben Schriftsteller den Namen John Knox hier regelrecht festgenagelt, ob die Quellen nun mitspielten oder nicht. Das Haus stand später sogar kurz vor dem Abriss, bis engagierte Einheimische es retteten und Stück für Stück restaurierten. Heute ist es ein Museum und Teil des Scottish Storytelling Centre gleich nebenan. Sie stehen also nicht nur vor Fenstern, sondern vor einem ganzen Sammelband schottischer Geschichten. Weiter geht’s zur nächsten Station - Edinburgh hat noch mehr davon auf Lager.

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  1. Vor dir steht die Tron Kirk, geschniegelt und stolz, mit einer spitzen Turmspitze, die so hoch hinausschießt, als wolle sie den Himmel anstupsen. Schau zur Turmuhr oberhalb der…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Vor dir steht die Tron Kirk, geschniegelt und stolz, mit einer spitzen Turmspitze, die so hoch hinausschießt, als wolle sie den Himmel anstupsen. Schau zur Turmuhr oberhalb der Royal Mile: groß, alt und so präsent, dass sie sich praktisch selbst vorstellt. Das Mauerwerk ist dunkelgrau, schwer und eindrucksvoll, eingeklemmt zwischen der Royal Mile und den historischen Nachbarhäusern. Jetzt stell dir den Ort im siebzehnten Jahrhundert vor. Die Tron Kirk war damals nicht nur Kirche, sie war so etwas wie der gesellschaftliche Treffpunkt der Straße. Adlige, Professoren und ganz normale Leute drängten hinein, und ja, viele hatten fest reservierte Plätze. Das war weniger „Wer zuerst kommt, sitzt zuerst“ und mehr „Mein Sitz, mein Polster, meine Ehre“. Und der Name „Tron“? Der kommt aus dem Schottischen: Draußen stand früher ein großer Wiegebalken, eine Art riesige Waage, an der Händler ihre Waren abwiegen ließen. Praktisch, oder? Erst beten, dann nachmessen, ob der Sack Hafer auch wirklich das versprochene Gewicht hat. Der Boden hier ist übrigens ein echter Geschichtsstapel. Die Kirche wurde über älteren Mietshäusern und engen Durchgängen gebaut. Diese Gassen heißen hier „wynds“ und „closes“: schmale, oft steile Durchgänge zwischen den Häuserzeilen. Als man in den neunzehnhundertsiebziger Jahren grub, kamen alte Pflasterflächen und Keller zum Vorschein. Stell dir Pompeji vor, nur ohne Vulkan und mit deutlich mehr Tartan. Die Tron Kirk erlebte Kämpfe, königliche Besuche und feinste Aristokraten-Oper. Auf der Empore thronte der Lord High Commissioner, flankiert vom Lord Chancellor und dem Lord Provost. Ich wette, da gab’s heimliche Wettkämpfe um das weichste Sitzkissen. In sechzehnhundertfünfzig, zur Zeit der Schlacht von Dunbar, und noch mal siebzehnhundertfünfundvierzig, als Bonnie Prince Charlie in die Stadt kam, war die Kirche voll mit Menschen, die auf ein Wunder hofften - oder wenigstens auf eine weniger unbequeme Bank. Heute ist sie keine aktive Kirche mehr, aber als Erzählerin an der Royal Mile macht ihr kaum jemand was vor. Und falls du gleich zur Uhr hochschielst: Zeitportal leider nicht inklusive. Wenn du mehr zur Archäologie, zur Zeit vor der Kirche, zur Religionsgeschichte oder zu den Predigern wissen willst, schreib mir im Chatbereich - da graben wir gemeinsam tiefer.

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  2. Du stehst direkt vor der St Giles’ Cathedral, und glaub mir: Die übersieht man ungefähr so leicht wie einen Dudelsack im Treppenhaus. Schau nach vorn auf diese wuchtige…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Du stehst direkt vor der St Giles’ Cathedral, und glaub mir: Die übersieht man ungefähr so leicht wie einen Dudelsack im Treppenhaus. Schau nach vorn auf diese wuchtige Steinkirche mit den zackigen Kanten am Dach, als hätte jemand eine Krone aus Stein-Fingern aufgesetzt, die nach oben greifen. Über dem Eingang steht eine Statue, und ganz oben thront das Highlight: ein kronenförmiger Turmaufsatz, wie Edinburghs eigene mittelalterliche Riesentiara. Dazu die großen, bogenförmigen Buntglasfenster: Wenn Licht hindurchfällt, wirkt das Ganze ein bisschen geheimnisvoll, fast wie eine Szene aus einem Historienfilm. Jetzt stell dir den Ort vor, viele Jahrhunderte zurück. Hier steht St Giles’, auf Gälisch Cathair-eaglais Naomh Giles, ungefähr gesprochen: Katar Eglisch Niw Gails. Einheimische sagen oft einfach „High Kirk“. Kirk heißt auf Schottisch schlicht „Kirche“. Angefangen hat alles im zwölften Jahrhundert, wahrscheinlich unter König David dem Ersten oder Alexander dem Ersten. Ganz genau weiß es niemand, und diese Unschärfe gehört hier quasi zur Grundausstattung. Geweiht ist sie dem heiligen Giles, dem Schutzpatron von Leprakranken und Ausgestoßenen. Man kann sich gut vorstellen, wie Mönche des Lazarus-Ordens hier Menschen versorgten, die sonst niemand anfassen wollte. Im vierzehnten Jahrhundert war die ursprüngliche romanische Kirche zu klein. Romanisch heißt: dicke Mauern, rundere Formen, eher „Burggefühl“ als Spitzentanz. Also wurde erweitert, angebaut und bis Anfang des sechzehnten Jahrhunderts immer weiter herumgeschraubt. Und dieses Gebäude war alles: Kathedrale, Versammlungshaus, zeitweise sogar Gefängnis. Ein echtes Schweizer Taschenmesser aus Stein. Der große Knall kam im Juli sechzehnhundertsiebenunddreißig: König Charles der Erste wollte ein neues, schickes Gebetbuch einführen. Die Gemeinde fand das gar nicht schick. Jemand warf einen Hocker nach dem Prediger. Dieses eine Krachen half, die schottische Reformation anzuschieben. St Giles’ wurde zum Zentrum des weltweiten Presbyterianismus, der „Mother Church of World Presbyterianism“. Presbyterianisch bedeutet: geleitet durch Älteste, nicht durch Bischöfe. Und dann John Knox: der harte Kopf der Reformation. Stell dir seine Stimme vor, wie sie zwischen den Steinen widerhallt, voller Glaube, Freiheit und ordentlich Zunder. Im neunzehnten Jahrhundert wurde kräftig restauriert, die Viktorianer setzten Denkmäler dazu, und vor gut hundert Jahren kam die Thistle Chapel hinzu, eine prachtvolle Kapelle mit Distel-Symbolik, Distel ist Schottlands Nationalpflanze. Heute ist es aktive Kirche und zieht über eine Million Besucher pro Jahr an. Geh ruhig näher an die alten Mauern. Vielleicht hörst du Reformatoren flüstern, Schritte aus dunklen Zeiten oder, ganz leise, das Echo eines fliegenden Hockers. Wenn du mehr über Name, Lage oder Architektur wissen willst, schreib mir gern im Chat.

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  3. Wenn du näher kommst, schau nach vorn: ein wuchtiger Steinbau mit einer Reihe kräftiger Säulen, die ein dreieckiges Dachteil tragen. Dieses Dreieck heißt Giebel - ein klassischer…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Wenn du näher kommst, schau nach vorn: ein wuchtiger Steinbau mit einer Reihe kräftiger Säulen, die ein dreieckiges Dachteil tragen. Dieses Dreieck heißt Giebel - ein klassischer Tempel-Trick, nur eben auf schottisch. Darunter siehst du breite Rundbögen als Eingänge, und direkt davor sitzt ein Reiterstandbild auf seinem Pferd wie ein Türsteher aus Bronze. Willkommen am Parliament House. Wenn dir das Gebäude vorkommt wie eine leicht angegraute Festung mit Manieren, dann bist du richtig. Stell dir den Ort im siebzehnten Jahrhundert vor: Menschen mit Umhängen und Perücken, schnelle Schritte über den Steinbelag, leise, ernste Gespräche, und Stiefel, die an den Mauern widerhallen. Hier ging es um Macht, Geld und darum, wer im Sitzungssaal das letzte Wort bekommt. Das Parliament House ist nämlich nicht irgendein historischer Klotz. Es gilt als das weltweit erste Gebäude, das von Anfang an extra für ein Parlament gebaut wurde. Fertiggestellt wurde es im Jahr sechzehnhundertvierzig, gleich neben der St Giles’ Cathedral. Jahrzehntelang tagte hier das Parlament von Schottland - mit großen Reden, kleinen Intrigen und, ganz ehrlich, sicher auch dem einen oder anderen Nickerchen bei besonders zähen Ansprachen. Hinter den Säulen liegt die Parliament Hall: Holzgeruch von alten Balken, Wandteppiche - das sind riesige gewebte Bilder wie Stoff-Gemälde - und Buntglasfenster, die das Licht farbig in den Raum werfen. Debattiert wurde über königliche Steuern und vermutlich auch über die nächste Runde warmes Ale. Vorher war das schottische Parlament ständig umgezogen, fast wie eine Band ohne feste Bühne. In den sechzehnhundertdreißiger Jahren wurde der Platz in St Giles’ zu eng, und König Charles der Erste meinte: Zeit für ein neues Zuhause. Der Stadtrat zahlte mit, es wurde gebaut, Staub geschluckt und sogar ein paar Pfarrhäuser, sogenannte Manses, abgerissen - dann war das Haus bereit. Und wenn du durch die Bögen gehst: Du läufst durch einen Ort, an dem Schottland mitgeschrieben wurde. Falls du plötzlich Lust bekommst, leidenschaftlich über Steuern zu diskutieren - tja, das ist hier fast schon ein traditioneller Reflex.

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  4. Schau mal nach vorn: Da unten zieht sich die Cowgate entlang, wie eine Nebenstraße, die sich unter Edinburghs berühmteren Prachtwegen durchmogelt. Du erkennst sie daran, dass die…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Schau mal nach vorn: Da unten zieht sich die Cowgate entlang, wie eine Nebenstraße, die sich unter Edinburghs berühmteren Prachtwegen durchmogelt. Du erkennst sie daran, dass die Straße unter diesen Steinbögen abtaucht und dann als schmale, ziemlich geschäftige Gasse zwischen hohen grauen und braunen Häuserfronten weiterläuft. Und siehst du links dieses selbstbewusste Gebäude aus rötlichem Backstein mit den spitzen Giebeln, also diesen dreieckigen Dachabschlüssen? Genau, das ist dein „Du bist richtig“-Schild. Du stehst hier in einer der ältesten Straßen Edinburghs. Vor fast siebenhundert Jahren war das kein Ort für Autos, sondern eher eine matschige Zufahrt am Stadtrand. Über diese Spur wurden Rinder zum Markt getrieben, mit allem, was dazu gehört: Muhen, Getrappel und wahrscheinlich jede Menge Diskussionen darüber, wer heute wieder zu langsam ist. Der Name verrät’s: „Gate“ bedeutete im Altschottischen nicht „Tor“, sondern „Weg“. Also: Cowgate, der Kuhweg. Man fragt sich unweigerlich, wie viele Kühe später wohl an Kreisverkehren verzweifelt wären. Im fünfzehnten Jahrhundert ließen sich in der Nähe Adlige und Stadtobere nieder, mit stattlichen Häusern und dem passenden Auftritt: Kutschen, feine Stoffe, geschniegelt bis zur Halskrause. Im neunzehnten Jahrhundert bekam die Gegend dann den Spitznamen „Little Ireland“: Viele irische Einwandererfamilien lebten hier, oft arm, aber mit Geschichten, Musik und einer ordentlichen Portion Trotz im Gepäck. Und ja, königliches Drama gab’s auch: Maria Stuart, Queen of Scots, hat hier einmal gewohnt. Es soll sogar royale Gelage mit Brot und Wein gegeben haben, plus ein paar nächtliche Besuche, über die man lieber flüstert als protokolliert. Ganz modern wurde es im Jahr zweitausendzwei, als ein Feuer durch dieses verwinkelte Gassengeflecht raste. „Kaninchenbau“ nennen die Leute so ein dichtes, unübersichtliches Häuserlabyrinth. Tage dauerte es, bis die Flammen aus waren, aber erstaunlicherweise kam niemand ums Leben. Später entstanden neue, moderne Gebäude dort, wo alles ausgeglüht war. Und falls dir hier ein komischer Geruch in die Nase steigt: Nicht den Geisterkühen die Schuld geben. Das ist einfach Edinburgh, das sich bemerkbar macht. Bereit für die nächste Ecke?

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  5. Gleich vor Ihnen: Schauen Sie mal nach oben. Diese große, geschwungene Front mit den steinernen Säulen und der riesigen silbrigen Kuppel - Kuppel heißt einfach dieser runde…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Gleich vor Ihnen: Schauen Sie mal nach oben. Diese große, geschwungene Front mit den steinernen Säulen und der riesigen silbrigen Kuppel - Kuppel heißt einfach dieser runde „Deckel“ oben drauf - das ist das Old College der University of Edinburgh. Ein Gebäude, das so geschniegelt ernst guckt, als hätte es gerade ein wichtiges Examen bestanden, und gleichzeitig ein kleines bisschen angeben will. Die breiten Bögen, die ordentliche Reihe hoher Fenster und die Treppen, die wie für einen königlichen Auftritt gemacht wirken: Edinburgh kann eben Drama - auch aus Stein. Jetzt stellen Sie sich dieselbe Ecke Ende der siebzehnhundert Jahre vor. Das Gelände war eher: bröselig, eng, chaotisch. Zu wenig Platz für Studierende, alte Gebäude am Zerfallen, und sagen wir’s freundlich: Es roch mehr nach „Abenteuer“ als nach Parfümerie. Edinburgh wollte eine richtige, repräsentative Universität. Nur: Der Bau war ein echtes Theaterstück. Diskussionen, Pannen, peinliche Momente - und einmal hat man tatsächlich eine Straße quer durch den hinteren Garten des Colleges gelegt. Gartenplanung nach dem Motto: „Passt schon, ist ja nur ein Garten.“ Aber Edinburgh ist stur auf die sympathische Art. Als das Geld ausging, blieb der Bau stehen, und die Fundamente - das ist das tragende Unterteil im Boden - lagen jahrelang herum. Die Leute müssen sich gefragt haben, ob das jemals fertig wird oder ob hier die eleganteste Taubenwohnung Schottlands entsteht. Dann kamen Entschlossene und Architekten mit schön dramatischen Namen: Robert Adam und William Henry Playfair. Und plötzlich bekam das Ganze wieder Zukunft. Witzigerweise hieß das Gebäude ursprünglich „New College“, also „Neues College“. Und es steht auf Boden, wo früher eine mittelalterliche Kirche mit Friedhof war. Wenn die Steine reden könnten: Sie würden von geheimen Gängen, mittelalterlichen Geistern, rumpelnden Kutschen und vielleicht auch von einem Jurastudenten erzählen, der zu spät dran war. Drinnen finden Sie prächtige Hallen, die Law School, also die Juristische Fakultät, und sogar eine Kunstgalerie. Die Kuppel kam erst später dazu - wie ein besonders schicker Akademiker-Hut. Bleiben Sie kurz stehen und denken Sie an all die Studierenden, die hier entlanggelaufen sind: große Träume, kleine Umwege, gelegentliches Verlaufen. Old College ist ein Denkmal für Ehrgeiz, Dickkopf - und ein bisschen Edinburgh-Humor. Fühlen Sie sich schon gelehrt?

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  6. Geradeaus steht sie: Greyfriars Kirk. „Kirk“ ist übrigens schlicht das schottische Wort für Kirche. Von vorn wirkt sie angenehm schnörkellos, aber nicht langweilig: eine spitze…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Geradeaus steht sie: Greyfriars Kirk. „Kirk“ ist übrigens schlicht das schottische Wort für Kirche. Von vorn wirkt sie angenehm schnörkellos, aber nicht langweilig: eine spitze Steinfassade, dazu hohe, schmale Fenster, als würden sie neugierig aus dem Gemäuer spähen. Der Stein hat dieses gelblich-graue, ehrwürdige „Ich-hab-schon-einiges-gesehen“-Gesicht. Links und rechts liegen Grabsteine dicht beieinander, und über der Wiese ziehen die Äste alter Bäume ihre Bögen. Schau dir auch die kleinen spitzen Türmchen an den Ecken an und das große, rundbogige Fenster in der Mitte - das ist der Hingucker. Bevor hier eine Kirche stand, kamen im fünfzehnten Jahrhundert Mönche in grauen Kutten aus den Niederlanden herüber. Daher der Name „Grey Friars“, also die grauen Brüder. König Jakob der Vierte stellte sie unter seinen Schutz, und zeitweise lebten hier wohl fünfzig bis sechzig von ihnen. Man kann sich das gut vorstellen: leise Schritte auf Stein, ein strenger Tagesablauf - und ab und zu ein königlicher Besuch, der vermutlich mehr Trubel brachte als jede Glocke. Dann wurde es ungemütlicher: Nach der schottischen Reformation, also der Umwälzung, in der sich Schottland vom katholischen System löste und protestantisch wurde, verwandelte man das alte Klostergelände in einen Friedhof. Und zwischen sechzehnhundertzwei und sechzehnhundertzwanzig entstand diese Kirche Stück für Stück. Sechzehnhundertachtunddreißig wurde es hier politisch richtig ernst: In Greyfriars unterzeichnete man den National Covenant, ein landesweites Versprechen, den presbyterianischen Glauben und die kirchliche Unabhängigkeit zu verteidigen. Später trafen Feuer, eine Explosion, die den Turm erwischte, und sogar Cromwells Soldaten die Kirche - kein Quartier, das man sich für die Ewigkeit wünscht. Trotzdem baute man immer wieder auf, teilte das Gebäude sogar einmal in zwei Bereiche und führte es später wieder zusammen. Drinnen sorgen die Buntglasfenster für Theater ganz ohne Bühne: farbiges Licht, das über Stein und Holz wandert. Und bis heute gibt es wöchentlich Gottesdienste auf Gälisch, einer keltischen Sprache, die hier seit über dreihundert Jahren gepflegt wird. Greyfriars ist also nicht nur Denkmal, sondern Nachbarschaftstreff mit Langzeitgedächtnis. Wenn dir plötzlich ein kleiner Schauer über den Rücken läuft: Vielleicht nur die Akustik. Oder ein grauer Bruder, der nach dem Shortbread fragt. Weiter geht’s zum nächsten Halt. Wenn dich Kirchhof, Architektur oder Details neugierig machen, schau im Chatbereich vorbei.

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  7. Willkommen am Grassmarket! Vor dir liegt ein breiter, kopfsteingepflasterter Platz, eingerahmt von hohen, ehrwürdigen Häusern. Viele davon sind heute ziemlich gut gelaunt: Cafés,…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Willkommen am Grassmarket! Vor dir liegt ein breiter, kopfsteingepflasterter Platz, eingerahmt von hohen, ehrwürdigen Häusern. Viele davon sind heute ziemlich gut gelaunt: Cafés, Pubs und kleine Läden drängen sich aneinander, als hätten sie sich verabredet. Schau jetzt mal nach oben rechts: Dort thront Edinburgh Castle auf dem Felsen, dramatisch wie ein Hollywood-Bösewicht, der den ganzen Platz im Blick behält. Und weil der Grassmarket tiefer liegt als die Straßen ringsum, fühlt es sich ein bisschen an, als wärst du in eine versteckte Tasche im Herzen der Stadt gerutscht. Jetzt drehen wir die Zeit zurück. Stell dir statt Kaffeetassen das Klappern von Hufen vor und das Muhen von Rindern: Hier wurden Tiere durchgetrieben und verkauft. Händler aus ganz Schottland quetschten sich an Stände voller frischem Gemüse, Eisenwaren, streng riechendem Teer, also dieser schwarzen Dichtmasse für Holz und Schiffe, und Töpfchen mit Malerfarben, knallig wie ein frisch gestrichener Gartenzaun. Der Name Grassmarket kommt tatsächlich von den grasbewachsenen Pferchen, also eingezäunten Tiergehegen, und vom Marktrummel. Wenn du ihn nicht gefunden hättest, hättest du ihn spätestens gehört. Und dann die düstere Seite: Am Südwestende siehst du den Vennel, das ist eine schmale, steile Gasse mit Stufen. Mit etwas Fantasie stehen dort wieder die Flodden- und Telfer-Stadtmauern Wache. Hier gab es Jahrmärkte, aber auch öffentliche Hinrichtungen, bei denen die Menge nicht nur zuschaute, sondern manchmal auch lieber das Weite suchte. Sogar Daniel Defoe lief über diese Steine und schrieb, der Bow, gemeint ist der Straßenbogen West Bow, sei voller Händler mit allen möglichen schweren Waren gewesen. Und für ein bisschen literarischen Klatsch: Wordsworth und Robert Burns übernachteten im White Hart Inn. In den eintausendachthundertvierziger Jahren war das eher Abenteuer als Komfort: über zehn Leute in einem Zimmer, Privatsphäre praktisch ausverkauft, und eine Toilette zu finden war… sportlich. Heute ist der Grassmarket immer noch Treffpunkt, Aussichtsbalkon fürs Schloss und Brutstätte der einen oder anderen Geistergeschichte. Neugierig auf Archäologie oder den Platz als Hinrichtungsort? Schau im Chatbereich vorbei, dann plaudern wir weiter.

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  8. Schauen Sie mal nach links oben: Dieser mächtige Brocken aus Stein, der da so dramatisch über der Stadt thront, ist Edinburgh Castle. Es sitzt auf einem dunklen Felsen, als hätte…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Schauen Sie mal nach links oben: Dieser mächtige Brocken aus Stein, der da so dramatisch über der Stadt thront, ist Edinburgh Castle. Es sitzt auf einem dunklen Felsen, als hätte jemand ein riesiges Steinschiff auf eine Klippe gesetzt und gesagt: „So, hier bleibst du und passt auf alles auf.“ Die dicken Mauern schmiegen sich an den Felsrand, und ganz oben stehen Türme und Zinnen. Zinnen, das sind diese gezackten Schutzmauern, hinter denen man früher sicher stehen und notfalls sehr entschlossen zurückschauen konnte. Wenn man die Augen ein bisschen zusammenkneift, sieht man fast einen Ritter, der nach Eindringlingen Ausschau hält oder nach dem nächsten Imbiss. Und jetzt springen wir gedanklich ein paar Jahrhunderte zurück. Diese Burg wacht seit weit über eintausend einhundert Jahren über Edinburgh. Sie steht übrigens auf einem Vulkan. Keine Sorge: Das Feuer kommt heute aus den Geschichten, nicht aus der Lava. Hier oben lebten und kämpften Krieger, Königinnen, Könige und ganz normale Leute. Das erste königliche Schloss entstand hier in der Zeit von Malcolm dem Dritten, im elften Jahrhundert. Danach war die Anlage mal Residenz, mal Festung, ein bisschen wie ein Schweizer Taschenmesser auf Schottisch: für alles gut. Friedlich war es allerdings selten. In ihrer Geschichte wurde die Burg sechsundzwanzig Mal angegriffen und gilt als der am häufigsten belagerte Ort in Großbritannien. Bei manchen Belagerungen ging sogar das Wasser aus, und man ließ Eimer an Seilen die steile Felswand hinab. Praktisch, aber nervenstark. Aus den ältesten Zeiten sind nur wenige echte Veteranen übrig: die St Margaret’s Chapel, das älteste Bauwerk Edinburghs, außerdem der Royal Palace und die große Great Hall aus dem sechzehnten Jahrhundert. Später war die Burg Kaserne, Waffenlager, Schatzkammer und Gefängnis. Und sie bewahrt die Honours of Scotland auf, also die schottischen Kronjuwelen, die ältesten in Großbritannien. Heute hören Sie eher einen Zeremonialkanonenschuss als echtes Kampfgetöse. Mehr als zwei Millionen Menschen kommen jedes Jahr her. Und als Bühne für das Royal Edinburgh Military Tattoo, ein Militärmusik-Spektakel mit Dudelsäcken und Parade, ist das Schloss ein Nationalsymbol. Bereit weiterzumarschieren? Dann los, das nächste Abenteuer wartet.

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  9. Schauen Sie nach vorn - das hier übersieht wirklich niemand. New College thront oben auf The Mound und macht dabei auf dramatisch: gotische Türme, spitze Fialen und in der Mitte…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Schauen Sie nach vorn - das hier übersieht wirklich niemand. New College thront oben auf The Mound und macht dabei auf dramatisch: gotische Türme, spitze Fialen und in der Mitte ein großer Torbogen, als hätte jemand gesagt: „Wir bauen eine Burg, aber für Bücherwürmer.“ Der Stein wirkt sandfarben, fast wie warmer Honig, und davor zieht sich ein alter schmiedeeiserner Zaun am Grün entlang. Wenn Ihnen das Ganze irgendwie nach Harry Potter vorkommt: genau. Nur dass hier eher Gelehrte einziehen als Drachen. Wir stehen jetzt vor einem Gebäude, bei dem selbst die Edinburgher Krähen kurz so tun, als wären sie Kunstkritiker. Stellen Sie sich die Szene Mitte des neunzehnten Jahrhunderts vor: Kutschen rumpeln vorbei, und die Stufen hier werden von jungen Männern und Frauen erobert, mit Büchern unterm Arm und großen Plänen im Kopf. New College öffnete seine schweren Eichentüren im Jahr achtzehnhundertsechsundvierzig - kurz nach der großen „Disruption“. Damit ist kein kaputter Stundenplan gemeint, sondern ein handfester Bruch in der Church of Scotland: Viele Geistliche und Gemeinden trennten sich, weil sie Religion und Ausbildung unabhängiger vom Einfluss des Staates gestalten wollten. „Neu“ war also nicht nur der Name, sondern auch das Programm. Heute kommen Studierende aus mehr als dreißig Ländern hierher - angehende Pfarrerinnen und Pfarrer, Forschende, vielleicht auch der nächste große Philosoph. Mehr als vierzig Professorinnen und Professoren unterrichten hier. Und drinnen sitzt sogar der älteste Lehrstuhl für Theologie in Edinburghs Geschichte - ein „Lehrstuhl“ ist keine Sitzgelegenheit, sondern eine besonders traditionsreiche Professur. Hier wurde leidenschaftlich diskutiert, gepredigt und gestritten - manchmal energischer als die Dudelsäcke draußen. Wenn Sie bereit sind: Die nächste Etappe wartet gleich um die Ecke.

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  10. Schauen Sie geradeaus: Da steht ein Gebäude, das so tut, als hätte es eigentlich einen Platz in Athen reserviert. Breite Steinstufen, eine Front wie ein Tempel und diese schlanken…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Schauen Sie geradeaus: Da steht ein Gebäude, das so tut, als hätte es eigentlich einen Platz in Athen reserviert. Breite Steinstufen, eine Front wie ein Tempel und diese schlanken Säulen mit den eleganten Schnörkeln oben dran. Diese Schnörkel heißen ionische Voluten, also spiralförmige „Locken“ am Säulenkopf. Wenn hier Leute mit Kameras ehrfürchtig nach oben starren, sind Sie goldrichtig. Das ist die Scottish National Gallery. Sie sitzt auf The Mound, genau zwischen Princes Street und den Princes Street Gardens. Und falls Sie sich fragen, welches der beiden klassischen Prachtstücke nun welche Institution ist: Die Royal Scottish Academy steht so ähnlich daneben, dass man meinen könnte, die beiden hätten heimlich denselben Schneider. Merkhilfe: Die Galerie ist die, die nicht die Academy ist. Klingt simpel, klappt aber erstaunlich oft nicht. Jetzt einmal gedanklich zurück nach achtzehnhundertneunundfünfzig: Edinburgh war voller Vorfreude, denn ein neues Zuhause für Schottlands Kunstsammlung öffnete seine Türen. Der Architekt dahinter hieß William Henry Playfair. Ich stelle mir vor, wie er prüfend die Säulen mustert und trocken meint: „Na gut. Wenigstens größer als mein letztes Projekt.“ Die Vorgeschichte beginnt mit Künstlern, die sich ordentlich geärgert hatten und deshalb aus purem Trotz die Scottish Academy gründeten. Ihr Ziel: eine Sammlung, die dem Land würdig ist. Also baute man kurzerhand ein Gebäude, das gewissermaßen halbiert war: eine Hälfte für die Academy, die andere für die National Gallery. Und ja, das Fundament bekam königlichen Glanz: Prinz Albert legte im Jahr achtzehnhundertfünfzig den Grundstein, während die Stadt zuschaute. Drinnen reicht die Kunst von der Renaissance bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert. Und heute gibt’s noch einen modernen Trick: Nach mehreren Umbauten verbindet ein unterirdischer Eingang die Galerie mit der Academy, damit Kunstfans bequem zwischen beiden wechseln können. Wenn Sie noch mehr über das Gebäude, die Forschung oder die Sammlung wissen wollen, schreiben Sie mir gern im Chat.

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    Schau mal geradeaus: Wenn du auf der Princes Street in Richtung der breiten Kreuzung mit dem Mound blickst, siehst du ein großes, rechteckiges Gebäude mit mächtigen, geriffelten Säulen. Keine Sorge, du bist nicht aus Versehen in der Antike gelandet. Es wirkt nur so, als hätte sich ein griechischer Tempel nach Edinburgh verirrt und unterwegs das Bordessen verloren. Das ist das Gebäude der Royal Scottish Academy, also der Königlichen Schottischen Akademie. Es fällt sofort auf: Ringsum stehen dicke Steinsäulen wie eine kleine Parade. Und jetzt einmal hochschauen: Oben auf dem Hauptvorbau sitzt eine Statue von Königin Victoria, geschniegelt und würdevoll, dargestellt als Britannia, die personifizierte „Britannien-Figur“ mit königlichem Selbstbewusstsein. Sie hat hier eindeutig den besten Platz. An den Ecken findest du dazu jeweils ein Paar Sphinxen. Ja, Sphinxen. In Edinburgh nimmt sogar die Stein-Deko gerne das Mysteriöse. Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wollte die Stadt beeindrucken und nannte sich gern „Athen des Nordens“. Also holte man den Architekten William Henry Playfair und sagte sinngemäß: Mach uns was Klassisches. Damit das schwere Sandsteinpaket hier nicht absackt, rammten die Bauleute rund zweitausend Holzpfähle in den matschigen Boden. Darunter lag früher der Nor Loch, ein ziemlich übel riechender See, der dieses Tal füllte. Ursprünglich teilten sich gleich drei gelehrte Gesellschaften das Haus: Wissenschaft, Kunst und Geschichte, alle unter einem Dach mit viel Schmuck. Ein Fries, das ist so ein umlaufendes Zierband mit Reliefs, zieht sich dekorativ entlang. Und der Portikus, das ist der Säulenvorbau am Eingang. Aber Künstler wären nicht Künstler: Sie wollten eine eigene Galerie, gründeten die Scottish Academy und wuchsen so lange, bis die Sammlung sprichwörtlich aus allen Rahmen fiel. Mit der Zeit wechselten die Nutzer wie beim Reise-nach-Jerusalem: Die Wissenschaft zog aus, die Altertumsforscher gingen, und schließlich übernahmen die Künstler ganz. Etwa hundert Jahre später kamen oben neue Galerieräume dazu. Und bis heute brummt das Haus vor Ausstellungen. Wenn du hier stehst, zwischen Säulen und altem Sandstein, kannst du dir vorstellen, wie viel kreative Dramatik durch diese Türen gezogen ist. Vielleicht gibt Victoria den Sphinxen gerade Tipps, was man zuerst anschauen sollte. Nur antworten werden sie nicht. Steingesichter.

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  12. Schau einmal geradeaus über die breiten Wege und die grünen Rasenflächen der Princes Street Gardens. Und jetzt such dir den großen, dunklen, stacheligen Turm, der alles überragt.…Mehr lesenWeniger anzeigen

    Schau einmal geradeaus über die breiten Wege und die grünen Rasenflächen der Princes Street Gardens. Und jetzt such dir den großen, dunklen, stacheligen Turm, der alles überragt. Der sieht aus, als hätte sich eine gotische Rakete in Stein verwandelt und würde jeden Moment abheben. Die Bögen sind so hoch, dass man bequem darunter durchlaufen kann, und das ganze Ding streckt sich nach oben, als wolle es mit den Wolken verhandeln. Wenn dir etwas auffällt, das gleichzeitig märchenhaft und ein bisschen „Vampirfilm-tauglich“ wirkt: Genau das ist es. Du stehst hier vor dem Scott Monument. Hör mal in die Stadt hinein: Im Kopf klappern noch Kutschen über Kopfsteinpflaster wie im neunzehnten Jahrhundert, und heute mischen sich Busbrummen und irgendwo ein Dudelsack dazu. Dieses Monument ehrt Sir Walter Scott, einen der beliebtesten Schriftsteller Schottlands, einen echten König der Fantasie. Und jetzt kommt die Ansage: Es ist das zweitgrößte Denkmal für einen Schriftsteller weltweit. Wer sich beweisen will, nimmt die Herausforderung an und steigt zweihundertsiebenundachtzig Stufen hinauf, in einer Spiraltreppe, also einer Treppe, die sich wie eine Schnecke nach oben dreht. Oben: grandiose Aussicht. Unten: Beine, die kurz über ihre Lebensentscheidungen nachdenken. Der Stein stammt aus der Gegend rund um Edinburgh. Man erzählt, die Steinmetze hätten unter einem Schutzdach feine Details in den harten Sandstein gemeißelt, Sandstein ist dieser körnige, gut zu bearbeitende Stein. Die Bauleute draußen setzten währenddessen das Ganze zusammen. Tragisch: Der feine Staub machte viele Arbeiter schwer krank. Schönheit und Kummer liegen hier dicht beieinander. Fast wie bei Scott selbst: Der Architekt George Meikle Kemp hatte keine vornehmen Titel und reichte seinen Entwurf unter einem geheimen Kennnamen ein. Er gewann, sah das fertige Monument aber nie: Er starb bei einem Kanalunfall, kurz bevor alles vollendet war. Schau unter die Bögen: Dort sitzt Walter Scott als Marmorskulptur, Feder in der Hand, neben ihm sein treuer Hund Maida. Rundherum blicken vierundsechzig Figuren aus seinen Romanen als Steinbilder herab. Und wenn der Wind durch die Spitzen und Bögen fährt, soll das Monument flüstern. Keine Sorge: Das ist wahrscheinlich nur Scott, der schon die nächste Geschichte erfindet. Wenn du tiefer in Entwurf, Steinmetzarbeit oder den Grundstein eintauchen willst, schreib mir im Chat.

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