Schauen Sie nach vorn - das hier übersieht wirklich niemand. New College thront oben auf The Mound und macht dabei auf dramatisch: gotische Türme, spitze Fialen und in der Mitte ein großer Torbogen, als hätte jemand gesagt: „Wir bauen eine Burg, aber für Bücherwürmer.“ Der Stein wirkt sandfarben, fast wie warmer Honig, und davor zieht sich ein alter schmiedeeiserner Zaun am Grün entlang. Wenn Ihnen das Ganze irgendwie nach Harry Potter vorkommt: genau. Nur dass hier eher Gelehrte einziehen als Drachen.
Wir stehen jetzt vor einem Gebäude, bei dem selbst die Edinburgher Krähen kurz so tun, als wären sie Kunstkritiker. Stellen Sie sich die Szene Mitte des neunzehnten Jahrhunderts vor: Kutschen rumpeln vorbei, und die Stufen hier werden von jungen Männern und Frauen erobert, mit Büchern unterm Arm und großen Plänen im Kopf.
New College öffnete seine schweren Eichentüren im Jahr achtzehnhundertsechsundvierzig - kurz nach der großen „Disruption“. Damit ist kein kaputter Stundenplan gemeint, sondern ein handfester Bruch in der Church of Scotland: Viele Geistliche und Gemeinden trennten sich, weil sie Religion und Ausbildung unabhängiger vom Einfluss des Staates gestalten wollten. „Neu“ war also nicht nur der Name, sondern auch das Programm.
Heute kommen Studierende aus mehr als dreißig Ländern hierher - angehende Pfarrerinnen und Pfarrer, Forschende, vielleicht auch der nächste große Philosoph. Mehr als vierzig Professorinnen und Professoren unterrichten hier. Und drinnen sitzt sogar der älteste Lehrstuhl für Theologie in Edinburghs Geschichte - ein „Lehrstuhl“ ist keine Sitzgelegenheit, sondern eine besonders traditionsreiche Professur.
Hier wurde leidenschaftlich diskutiert, gepredigt und gestritten - manchmal energischer als die Dudelsäcke draußen. Wenn Sie bereit sind: Die nächste Etappe wartet gleich um die Ecke.



