Schau einmal gerade in den Platz hinein: Du siehst sofort das breite, grüne Gartenrechteck mit seinen Wegen. Und mittendrin steht diese hohe, kannelierte Steinsäule. „Kanneliert“ heißt: mit senkrechten Rillen, wie bei vielen antiken Säulen. Sie wirkt ein bisschen wie ein riesiges Ausrufezeichen aus Stein...
Willkommen am St Andrew Square - hier hat Edinburghs New Town sozusagen zum ersten Mal den „guten Anzug“ angezogen. Und ja, der saß erstaunlich gut. Gebaut wurde der Platz ab seventeen seventy-two, als Teil des neuen Stadtplans von James Craig. Die Idee: raus aus der Enge der Old Town, hinein in etwas Luftigeres, Ordentlicheres - und deutlich verliebter in gerade Linien. Nur ein paar Jahre später war das hier die Adresse, wenn man Geld hatte, Ehrgeiz, und eine gewisse Gelassenheit gegenüber Nachbarn, die ebenfalls Geld und Ehrgeiz hatten.
Lass den Blick einmal umherwandern: diese ruhige Geometrie, die offenen Gärten, die breiten Straßen, die hier zusammenlaufen. Alles fühlt sich geplant an - nicht zufällig irgendwie übrig geblieben. Ende des achtzehnten Jahrhunderts war das Wohnen hier eine Botschaft: „Ich bin angekommen.“ Ganz unaufgeregt natürlich, in einem Stadthaus in Museumsgröße.
Im neunzehnten Jahrhundert wechselte der St Andrew Square dann den Job: vom schicken Wohnzimmer zum Maschinenraum der schottischen Finanzwelt. Banken und Versicherungen zogen ein. Zeitweise galt dieses Stück Stadt als die teuersten Quadratmeter des Landes - der Ort, an dem große Entscheidungen zwischen Kontobüchern, Tinte und sehr ernsten Gesichtern getroffen wurden.
Die Gärten hier gehörten lange privat zu den New Town Gardens. Erst two thousand and eight wurden sie für alle geöffnet. Heute kannst du also mitten durch etwas spazieren, das früher wie ein Mitgliederklub wirkte - nur mit besserer Bepflanzung. Hör mal auf die Stadtgeräusche: Schritte auf den Wegen, Verkehr, vielleicht ein Bus. Dieser Platz ist nämlich schon ewig ein Verkehrsknotenpunkt. Der Busbahnhof in der Nähe wurde Anfang der two thousands neu gebaut, und die Tramhaltestelle auf der Ostseite verbindet Richtung Flughafen sowie nach Leith und Newhaven. Praktisch, effizient... sehr Edinburgh.
Über dir ragt das Melville Monument auf, zu Ehren von Henry Dundas, Viscount Melville - immer noch buchstäblich das Zentrum des Platzes. Und drüben im Osten steht Dundas House: in den seventeen seventies als großzügiges Privathaus gebaut, ab eighteen twenty-five dann der Hauptsitz der Royal Bank of Scotland. Kleines Detail: Teile des Designs landeten sogar auf Banknoten - die Fassade, und ein sternförmiges Muster, inspiriert von der verzierten Decke in der Schalterhalle. Geld bewundert das Gebäude, in dem Geld gemacht wurde. Fast poetisch.
Und noch eine menschliche Note: David Hume lebte ganz in der Nähe. Der Architekt Robert Adam holte ihn gewissermaßen als Zugpferd, um Leute in die New Town zu locken. Sogar Philosophen als Marketinginstrument. Edinburgh war schon immer gut darin, eine Idee zu verkaufen.
Wenn du bereit bist: Als Nächstes geht’s zum Scott Monument. Geh einfach ungefähr vier Minuten nach Südwesten.



