
Zu Ihrer Linken sehen Sie einen nüchternen, kastenförmigen Verwaltungsbau aus den Sechzigerjahren, dessen strenge, gerasterte Fassade aus Stein und Glas von einem auffälligen Vordach über dem Haupteingang markiert wird.
Sie stehen vor der Einsteinstrasse 2, dem Hauptsitz des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, kurz SBFI. In diesem stillen Quartier, wo oft hinter verschlossenen Türen über Geld und Einfluss entschieden wird, findet sich hier eine wunderbare historische Ironie. Bevor das SBFI hier einzog, war dieser Bau bis 2007 das Institut für Geistiges Eigentum. Dass diese Strasse nach Albert Einstein benannt ist, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Einstein arbeitete zwar nie in diesem konkreten Gebäude, aber als der berühmteste Patentprüfer der Welt verkörpert er perfekt die seltsame Schweizer Mischung: penible Bürokratie auf der einen Seite, bahnbrechende Innovation auf der anderen. Genau das ist es, was das SBFI heute für sich beansprucht.
Mit einem Jahresbudget von rund viereinhalb Milliarden Franken lenkt diese Behörde die intellektuellen und technologischen Geschicke des Landes. Doch hinter der strengen Fassade verbirgt sich noch etwas Unerwartetes. Das SBFI ist quasi die geheime Bodenstation, die Mission Control der Schweizer Raumfahrt. Das integrierte Swiss Space Office verwaltet die Mitgliedschaft bei der Europäischen Weltraumorganisation. Es sind nur etwa ein Dutzend Mitarbeitende hier in Bern, aber sie steuern dreistellige Millionenbeträge und sichern der heimischen Industrie extrem lukrative Aufträge für Projekte wie die Ariane 6 Trägerrakete.
Die Geschichte der Behörde ist allerdings nicht nur von Höhenflügen geprägt, sondern auch von Konflikten. Das Amt entstand 2012 durch die Fusion zweier völlig verschiedener Welten. Die akademisch geprägte Forschungsabteilung musste mit der eher pragmatischen, wirtschaftsnahen Berufsbildung zusammengelegt werden. Den Auftrag, diese Kulturen zu vereinen, bekam Mauro Dell'Ambrogio. Er war absolut kein typischer Bildungsbürokrat. Mit 25 war er bereits Bezirksrichter, mit 30 Kommandant der Tessiner Kantonspolizei, wo er erstmals Frauen zuliess. Sein Führungsstil war so direkt, dass er die Bundesverwaltung gleich zu Beginn seiner Amtszeit als kafkaeske Maschine bezeichnete... kafkaesk bedeutet, dass bürokratische Abläufe so absurd und undurchschaubar sind, dass man sich machtlos ausgeliefert fühlt.
Auch unter der aktuellen Leitung von Staatssekretärin Martina Hirayama bleibt es brisant. Im Jahr 2026 gab es heftigen Widerstand, als ein exzellent bewertetes sozialwissenschaftliches Projekt mit dem Namen Gender and Justice abgelehnt wurde. Kritiker warfen dem Amt vor, wirtschaftlich verwertbare Innovationen systematisch über gesellschaftskritische Grundlagenforschung zu stellen.
Dazu kam noch ein echtes Trauma. Im Jahr 2021 wurde die Schweiz aus dem EU Forschungsprogramm Horizon Europe ausgeschlossen. Das SBFI musste über Nacht zu einer operativen Förderagentur werden und nationale Ersatzgelder auszahlen. Doch Geld allein bringt keine Netzwerke zurück. Viele Forschende berichteten frustriert, dass sie trotz finanzieller Hilfe die Leitung internationaler Projekte abgeben mussten... ein bürokratischer Albtraum, den das Amt zwar finanziell, aber nicht politisch lösen konnte.
Falls Sie in die Lobby schauen möchten, das Gebäude ist von Montag bis Freitag geöffnet, am Wochenende bleiben die Türen allerdings geschlossen.
Lassen Sie uns nun von den modernen Schauplätzen der Diplomatie und Forschung zu einem Ort uralter, patrizischer Macht weitergehen. Der Weg zur Bogenschützengesellschaft der Stadt Bern dauert etwa sechs Minuten.


