
Vor uns sehen Sie das markante Wappenschild der Bogenschützen, ein klassisches Emblem mit gelbem Rand, das auf seinem schwarzen Grund unverkennbar gekreuzte gelbe Bögen und Pfeile präsentiert, die in der Mitte kunstvoll verknotet sind. Dies ist das Zuhause der Bogenschützengesellschaft der Stadt Bern, und lassen Sie sich nicht von dem sportlichen Namen täuschen.
Als 1799 das alte Regime der Stadt in der Helvetischen Revolution zusammenbrach, diente diese Gesellschaft als eiserne Bewahrerin patrizischer Macht. Während draussen das politische System der Aristokratie entmachtet wurde, kaufte die Bogenschützengesellschaft kurzerhand die silbernen Ehrengeschirre und Prunkmöbel des sogenannten Äusseren Standes auf. Das war die ehemalige politische Kaderschmiede der Berner Elite. Zu den geretteten Schätzen gehörten ein vergoldeter Schultheissenthron, also der prunkvolle Stuhl des Bürgermeisters, und ein Sessel der altehrwürdigen Habsburger Vögte. Diese repräsentativen Symbole der einstigen absoluten Herrschaft stehen bis heute nicht etwa in einem Museum für die Öffentlichkeit, sondern befinden sich im ehrenden Gebrauch hinter diesen geschlossenen Türen.
Die Bogenschützen waren schon immer ausserordentlich wehrhaft. Bevor sie in dieses Viertel zogen, besassen sie mit dem Zwingelhof eine echte kleine Festung, komplett mit Türmen, Schiessscharten und einem Graben. Doch selbst eine wehrhafte Festung schützt nicht vor juristischen Fehlern. Als sie 1830 ein neues Schützenhaus bauten, unterzeichneten sie einen Revers, eine rechtliche Klausel, die besagte, dass der Bau auf Staatsboden stand und jederzeit zurückgefordert werden konnte. Genau das passierte, als Bern einen neuen Bahnhof brauchte. Ihr Haus wurde zwangsweise abgerissen. Der Architekt jenes ersten Hauses, Melchior Berri, zerbrach an den Spannungen zwischen seinem Künstlertum und dem schnöden Bauunternehmertum und nahm sich 1854 tragischerweise das Leben.
Also baute man 1894 dieses heutige Gebäude im Kirchenfeld. Früher veranstaltete die Gesellschaft noch massenwirksame Volksfeste, bei denen auf einen hölzernen Papagei auf einer hohen Stange geschossen wurde. Der Sieger wurde für ein Jahr König und automatisch Vorsitzender. Doch heute herrscht hier vor allem verborgene Macht. Wie die Historikerin Katrin Rieder aufzeigte, grenzt sich die Gesellschaft bis heute bewusst vom regulären Bürgertum ab. Wer hier dazugehören will, braucht einen Namen wie von Bonstetten, von Wattenwyl oder von Erlach. In dieser streng abgeschirmten privaten Sphäre leben adelige Hierarchien und Grafentitel, die eigentlich seit der Bundesverfassung von 1848 rechtlich abgeschafft sind, unter Ausschluss der Öffentlichkeit munter weiter.
Das Gelände selbst ist zwar jeden Tag rund um die Uhr geöffnet, auch wenn die gesellschaftlichen Kreise strikt geschlossen bleiben. Wir lassen diese elitäre Welt nun hinter uns und begeben uns zu unserem letzten Halt, wo eine ganz andere Art von Reichtum ein Erbe für die breite Öffentlichkeit geschaffen hat. Machen Sie sich auf einen etwa siebenminütigen Spaziergang zum Tierpark Bern auf den Weg.


