
Vor Ihnen sehen Sie die markanten aufeinandergeschichteten hellen Kalksteinblöcke der Gehege deren raue zerklüftete Oberfläche eine künstliche Felslandschaft formt. Wir haben auf unserer heutigen Tour viel darüber gesprochen wie internationale Netzwerke Diplomatie und diskretes Geld diese Gegend geprägt haben. Hier am Berner Tierpark zeigt sich jedoch wie ein im Ausland erworbenes Vermögen letztendlich allen Bürgern zugutekam.
Die Vorgeschichte dieses Ortes veranschaulicht genau diese verborgenen Kräfte. Bereits im späten neunzehnten Jahrhundert träumte man von einem Zoo im Kirchenfeldquartier. Es gab Pläne enthusiastische Vereine und viele Ideen aber am Ende scheiterte alles am fehlenden Kapital. Bis ein Mann namens William Gabus ins Spiel kam. Gabus war ein Schweizer Uhrmacher der sein Glück weit weg von der Heimat suchte. Er reiste mit präzisen Uhren und feinen Spieldosen zu den großen Messen in Russland. Dort baute er sich ein kleines Imperium auf besaß exklusive Uhrenläden in Moskau und kehrte als überaus wohlhabender Mann zurück.
Als er im Jahr 1900 sein Testament aufsetzte vermachte er der Stadt Bern hundertfünfzigtausend Franken. Das entspricht nach heutigem Wert etwa anderthalb Millionen Franken. Seine einzige Bedingung war dass von diesem Geld ein Tierpark errichtet wird wenn möglich genau hier im Waldgebiet Dählhölzli. Aus dem privaten in Russland verdienten Reichtum eines Geschäftsmanns entstand so ein Ort für die Menschen. Er verlangte kein monumentales Denkmal für sich selbst sondern einen Platz an dem Familien die Natur beobachten können.
Der Park öffnete 1937 seine Tore und entwickelte sich rasch zu einem Ort an dem europäische Zoogeschichte geschrieben wurde. Im Jahr 1943 übernahm Monika Meyer-Holzapfel die Leitung. Sie war die allererste Frau in ganz Europa die Direktorin eines zoologischen Gartens wurde. Eine unglaubliche Pionierin in einer damals absoluten Männerdomäne. Unter ihrer Regie gelang dem Tierpark eine Sensation. Mit drei aus Bosnien stammenden Wildfängen schaffte sie die Zucht von Europäischen Wildkatzen in einfachen provisorischen Holzgehegen. Ein Unterfangen woran andere große berühmte Zoos zuvor regelmäßig gescheitert waren. Dieser unerwartete Erfolg machte die internationale Fachwelt schlagartig auf den noch jungen Berner Zoo aufmerksam.
Heute liegt der Schwerpunkt des Parks auf einheimischen und europäischen Wildtieren aber es gibt auch faszinierende exotische Ausnahmen. Auf dem ersten Bild in Ihrer App sehen Sie ein Stumpfkrokodil, einen der Bewohner des Vivariums. Dieses Gebäude das als großes Tropenhaus und Aquarium dient wurde aufwendig umgebaut um riesige Wasserlandschaften wie den Amazonas oder Mangrovenwälder authentisch nachzubilden. Und auf dem nächsten Bild entdecken Sie einen Papageitaucher einen kleinen nordischen Seevogel mit einem markanten bunten Schnabel. Der Tierpark Bern ist tatsächlich die einzige Anlage in der gesamten Schweiz die diese erstaunlichen tauchenden Vögel hält.

Wir sind nun am Ende unserer Tour angekommen. Von exklusiven Clubs über geheime Dokumente bis hin zu diesem wunderbaren Tierpark hat sich uns ein Viertel offenbart das von Kräften geformt wurde die oft im Hintergrund wirkten aber sichtbare dauerhafte Spuren hinterlassen haben. Der Tierpark ist übrigens jeden Tag von neun bis achtzehn Uhr geöffnet falls Sie nun Lust haben die Krokodile und Papageitaucher selbst zu besuchen. Ich danke Ihnen dass Sie mich auf diesem Spaziergang begleitet haben und wünsche Ihnen noch entspannte und faszinierende Entdeckungen hier in Bern.



