
Zu Ihrer Rechten sehen Sie den Markgräflerhof, einen massiven, rechteckigen Steinbau, der durch seine streng symmetrischen Fensterreihen und eine beeindruckend lange Fassade sofort ins Auge fällt. Es ist das älteste Barockpalais der Schweiz, aber es wurde eigentlich nur aus purer Verzweiflung gebaut.
Werfen Sie einen kurzen Blick auf Ihren Bildschirm. Dieses Foto zeigt die Anlage in ihrer vollen, frisch restaurierten Pracht. Im späten siebzehnten Jahrhundert floh Markgraf Friedrich der Siebte Magnus von Baden-Durlach vor dem zerstörerischen Pfälzischen Erbfolgekrieg in die neutrale Stadt Basel. Er kaufte hier Grundstücke, um eine vorübergehende Exilregierung aufzubauen. Er hatte den Krieg überlebt und wartete nur darauf, endlich wieder nach Hause zurückzukehren. Doch das Schicksal hatte andere Pläne.
In der Nacht des vierundzwanzigsten Februar sechzehnhundertachtundneunzig brach im Zimmer des Küchenmeisters ein verheerendes Feuer aus. Die Flammen legten die gesamte Residenz in Schutt und Asche und hielten den Markgrafen in seinem Basler Exil fest. Er brauchte sofort ein neues, sicheres Refugium und so ließ er dieses gewaltige, einheitliche Palais errichten. Aus der Not heraus entstand ein Meisterwerk, das unter anderem mit sogenannter Fronarbeit erbaut wurde, unbezahlter Zwangsarbeit der einfachen Landbevölkerung, die sogar die Steine zerstörter Festungen hierher schleppen musste.
Inmitten all dieser Kriege bot Basel nicht nur dem Adel Schutz, sondern sicherte auch unschätzbare Kulturgüter. Als das finanziell völlig ausgeblutete Baden dieses Palais achtzehnhundertacht an die Stadt Basel verkaufte, wechselten das Gebäude und die darin befindlichen Kunstsammlungen für neunzigtausend Gulden den Besitzer, was heute einem Wert von vielen Millionen entspricht. Unter den versteigerten Schätzen befanden sich mittelalterliche Meisterwerke von Konrad Witz. Kunstfreunde retteten diese Tafelbilder für die Stadt, und sie sind heute absolute Höhepunkte des Basler Kunstmuseums.
Später erlebte der Palast dramatische Verwandlungen. Achtzehnhundertvierzehn wurde er eilig als Militärspital für typhuskranke Soldaten requiriert, und danach diente er als städtisches Armenhaus. Damals fuhren die städtischen Obdachlosen in gemieteten Droschken vor und hielten Einzug in diesen Barockpalast, genau wie einst die Fürsten.
Heute ist die dramatische Geschichte hier buchstäblich greifbar. Bei Ausgrabungen auf dem Gelände stießen Archäologen erst kürzlich auf die verkohlten Grundmauern genau jener mittelalterlichen Häuser, die bei dem katastrophalen Brand vernichtet wurden. Und wer heute im Erdgeschoss Blut spendet, tut dies in der ehemaligen Kapelle des Hofes, direkt unter den barocken Stuckaturen, kunstvollen Gipsverzierungen an der Decke, die noch immer vom fürstlichen Prunk flüstern.
Lassen Sie uns nun weitergehen in Richtung der Überreste der alten Stadtbefestigung. Unser nächstes Ziel ist das beeindruckende Spalentor, etwa sieben Gehminuten von hier entfernt.


