Das imposante Spalentor ragt mit seinem quadratischen, von bunt glasierten Ziegeln gekrönten Hauptturm aus massiven Steinquadern auf, der auf beiden Seiten von wehrhaften, runden Flankentürmen eingerahmt wird. Willkommen an einem der schönsten mittelalterlichen Stadttore der Schweiz.
Seine Existenz verdankt dieses bemerkenswerte Bauwerk einer absoluten Katastrophe. Im Jahr 1356 legte das grosse Basler Erdbeben die Stadt in Trümmer. Beim Wiederaufbau entschied man sich für einen viel grösseren und stärkeren Verteidigungsring, der nun auch die wachsenden Vorstädte schützend umschloss. Das Spalentor wurde um 1400 fertiggestellt und diente über Jahrhunderte hinweg als unerschütterliches Bollwerk, das die Bürger vor bewaffneten Konflikten schützte. Mit seinen dicken Mauern und einem genialen System aus massiven Holzpfählen, die bei einem feindlichen Angriff blitzschnell auf die Strasse herabgelassen werden konnten, war es die sicherste Bastion ins Elsass.
Werfen Sie auf Ihrem Bildschirm einen Blick auf das historische Vorher-Nachher-Bild, das eindrucksvoll zeigt, wie sich das Tor bis in die heutige Zeit behauptet hat. Diese urbane Transformation brachte allerdings völlig unerwartete Herausforderungen mit sich. In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts empfand man die alten Festungsmauern als einengend für die moderne, wachsende Stadt und riss sie schlichtweg ab. Das Spalentor blieb glücklicherweise verschont, stand nun aber merkwürdig isoliert in der Landschaft.
Schauen Sie einmal genau an der Fassade des Hauptturms hinauf. Können Sie sich vorstellen, wo die alten Mauern früher andockten? Durch den radikalen Abbruch der Stadtmauer entstand ein absolut kurioses Alltagsproblem. Jahrhundertelang hatten die Torwächter den Turm ausschliesslich über den hochgelegenen Wehrgang der Mauer betreten. Es gab auf Strassenniveau einfach keinen Eingang. Um den Torturm überhaupt noch betreten zu können, mussten die städtischen Baumeister 1867 hastig ein Loch in die Seite brechen und eine Treppe einbauen.
Auch das Wetter hinterliess dramatische Spuren. Die runden Flankentürme trugen ursprünglich steile, pyramidenförmige Dächer. Ein gewaltiger Sturm fegte diese 1842 hinab, wobei die tonnenschweren Trümmer die angrenzenden Wohnhäuser zerschmetterten. Aus reiner Sorge vor weiteren Unglücken wagte die Stadt keinen originalgetreuen Wiederaufbau, sondern baute nur winzige, flache Dächer, die bis heute geschickt hinter den Zinnen versteckt sind.
Beachten Sie auch die grosse Uhr am Turm. Ihre gusseisernen Zifferblätter stammen von einem sehr dunklen Ort. Sie gehörten dem abgerissenen Spalenschwibbogen, einem berüchtigten Gefängnis voller beklemmender Zellen und Folterkammern. Es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die Uhr dieses düsteren Gefängnisses gerettet wurde, um das strahlende Wahrzeichen der Stadt zu schmücken. Eine alte Zeichnung dieses Tores unter seinem damaligen Namen Paulustor finden Sie übrigens direkt in Ihrer App.

Dieses stolze Monument ist glücklicherweise an jedem Wochentag rund um die Uhr frei zugänglich. Wir lassen dieses Bollwerk des Überlebens nun hinter uns und machen uns auf den gemütlichen, dreiminütigen Spaziergang zu unserem nächsten und letzten Halt, der Universitätsbibliothek Basel.



