Zu Ihrer Linken sehen Sie das Kunstmuseum Basel, ein massives, quaderförmiges Gebäude aus hellem Stein mit einer markanten Reihe von Bogengängen im Erdgeschoss und dem eingemeisselten Namen weit oben an der Fassade.
Stellen Sie sich vor, Sie haben die Wahl... Ein Vermögen ausgeben, um Kunstwerke zu retten, oder tatenlos zusehen, wie sie für immer verschwinden. Genau vor dieser Entscheidung stand Basel im Jahr 1661.
Das sogenannte Amerbach-Kabinett, eine unglaubliche private Sammlung von Meisterwerken, stand kurz davor, lukrativ ins Ausland verkauft zu werden. Reiche Kaufleute und Monarchen in Amsterdam hatten bereits ein Auge auf die historischen Schätze geworfen. Es war ein dramatischer Moment, in dem ein grosser Teil der kulturellen Identität auf dem Spiel stand.
Da trat Remigius Faesch auf den Plan, ein brillanter Jurist und Professor an der Universität Basel. Er konnte einfach nicht zulassen, dass diese Sammlung, besonders die unersetzlichen Gemälde von Hans Holbein, die Stadt verliess, und mobilisierte leidenschaftlich die Bürger und die Politik. Er überzeugte den damaligen Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein, die astronomische Summe von 9000 Reichstalern aufzubringen. Das war damals ein absolutes Vermögen vergleichbar mit vielen Millionen in unserer heutigen Zeit.
Aus der Not heraus leisteten die Basler etwas Beispielloses. Sie kauften die Sammlung und schufen damit das allererste städtische und öffentlich zugängliche Kunstmuseum der Welt.
Werfen Sie mal einen Blick auf Ihren Bildschirm. Dort sehen Sie ein Porträt des berühmten Humanisten, also eines führenden Gelehrten der damaligen Renaissance, Erasmus von Rotterdam. Es wurde im Jahr 1523 von Hans Holbein dem Jüngeren gemalt. Genau solche unbezahlbaren Schätze, von denen das Museum heute weltweit die grösste Holbein-Sammlung besitzt, wurden durch diesen unglaublichen Akt des bürgerlichen Zusammenhalts für die Nachwelt gesichert.
Dieser mutige Kauf war nicht nur eine finanzielle Transaktion. Er war eine weitreichende Erklärung. Inmitten all der Turbulenzen jener Zeit entschied sich diese Stadt ganz bewusst dafür, Kultur und schiere Schönheit auf Dauer zu bewahren. Die Menschen erkannten instinktiv, dass solche Meisterwerke nicht nur in die Hände von Königen gehören, sondern der Öffentlichkeit, uns allen.
Es ist wirklich faszinierend, wie eine Gemeinschaft ihre Kräfte bündeln kann, um das Höchste zu bewahren. Aber eine Gesellschaft beweist ihre wahre Seele nicht nur darin, wie sie ihre feine Kunst schützt, sondern vor allem darin, wie sie die spirituelle und physische Not ihrer verletzlichsten Mitglieder auffängt. Genau dieser Gedanke führt uns zu unserem nächsten Ziel, der Elisabethenkirche, die nur etwa vier Gehminuten von hier entfernt liegt. Das Museum hat übrigens von Dienstag bis Sonntag geöffnet, falls Sie später selbst durch diese geretteten Welten spazieren möchten.


