Vor Ihnen steht ein stattliches blassgelbes Steingebäude mit einem markanten Mansardendach, dessen Mitte von einem kunstvoll geschwungenen Giebel über einer schweren hölzernen Doppeltür gekrönt wird.
Das ist das Herz der Musik-Akademie Basel. Und die Geschichte dieses Ortes ist voll von leidenschaftlichen Menschen, die Kunst um jeden Preis beschützen wollten. Diese Institution existiert in ihrer heutigen Grösse nur aus einem ganz bestimmten Grund: private Gönner. Wohlhabende Bürger, sogenannte Mäzene, haben immer wieder ihr eigenes Vermögen eingesetzt, um die musikalische Bildung in der Stadt zu fördern.
Schon früh war der Drang nach einer professionellen Ausbildung grenzenlos. Im Oktober 1903 zog die Schule in neue Räumlichkeiten um. Und das geschah in völliger Hektik. Stellen Sie sich vor, die letzte Unterrichtsstunde endete an einem Nachmittag, und sofort danach begann das gesamte Personal, die komplette Bibliothek und alle Instrumente quer durch die Stadt zu schleppen. Dieser wilde, chaotische Umzug ermöglichte die Gründung des allerersten Musikkonservatoriums der Deutschschweiz.
Über ein Jahrhundert später gerieten genau diese wertvollen Notenarchive in akute Gefahr. Tausende historischer, unersetzlicher Notenblätter litten unter chronischem Platzmangel. Sie wurden wahllos in dunkle Dachböden, klamme Keller und enge Flurschränke auf dem gesamten Campus gestopft. Die Rettung? Wieder private Spender. Sie finanzierten 2009 eine hochmoderne, transparente Bibliothek, die diese Schätze aus ihren prekären Verstecken befreite. Heute schützt dieser Bau die größte Musiksammlung der ganzen Schweiz.
Diese unglaubliche finanzielle Unterstützung durch Stiftungen verwandelte auch die Jazzabteilung der Akademie. 1986 startete sie als improvisierte Untergrundschule in genau zwei fensterlosen Räumen im trüben Keller eines Jugendzentrums. Jahrzehnte später ermöglichten es Mäzene, einen atemberaubenden neuen Campus mit maßgeschneiderten Akustiksälen und Tonstudios zu bauen. Eine wahre Verwandlung, die den Platz der Stadt in der internationalen Jazzszene auf ewig gesichert hat.
Diese Akademie schützte aber nicht nur zerbrechliches Papier, sondern bot auch radikalen Denkern einen Raum. Nehmen Sie die Avantgarde-Künstlerin Katalin Ladik. In den siebziger Jahren wurde sie in Ungarn nach einer provokanten schamanischen Performance aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Jahrzehntelang durfte sie nicht unterrichten. Hier in Basel fand sie 2019 eine späte Wiedergutmachung. Die Akademie lud sie als Gastdozentin für freie Improvisation ein und ehrte so ihre rebellische Vergangenheit.
Es ist zutiefst beeindruckend, was eine engagierte Gemeinschaft bewirken kann, wenn sie ihr Erbe und ihre Künstler schützt. Lassen Sie uns diesen Gedanken der kulturellen Bewahrung auf unserem Weg mitnehmen. Nur etwa acht Gehminuten entfernt liegt ein Ort, der die tiefgreifende Geschichte einer unglaublich widerstandsfähigen Gemeinschaft lebendig hält. Unser nächstes Ziel ist das Jüdische Museum der Schweiz.


