
Vor Ihnen erhebt sich ein markanter Gebäudekomplex, bei dem eine geschwungene, V-förmige Glas- und Stahlfassade als modernes Bindeglied zwischen zwei massiven Flügeln aus Klinkerstein dient.
Das ist der Hauptsitz der Pax, der Schweizerischen Lebensversicherungs-Gesellschaft. Wenn Sie heute dieses gewaltige Gebäude mit einer Höhe von knapp 41 Metern sehen, ist es fast unmöglich, sich die chaotischen Anfänge vorzustellen. Im Jahr 1876 startete diese Organisation ganz pragmatisch in der privaten Wohnung ihres ersten Präsidenten, Mathias Jenny. Das Startkapital war extrem knapp. Bald stapelten sich die Versicherungspolicen und Aktenberge der rasch wachsenden Kundschaft überall zwischen seinen privaten Möbeln. Irgendwann übernahmen die Papierberge den Wohnraum förmlich, bis das tägliche Geschäft privat schlicht nicht mehr zu bewältigen war und ein echtes Büro hermusste.
Pax ist das lateinische Wort für Frieden. Und genau diese Ruhe wollte man den Menschen bieten. Inmitten einer Welt, die im 20. Jahrhundert durch endlose politische Beben und Kriege erschüttert wurde, baute die Pax ihren Schutzschild auf einem ganz bestimmten Fundament auf: dem Genossenschaftsmodell. Das bedeutet, das Unternehmen gehört den Mitgliedern selbst. Hier zeigt sich der wahre genossenschaftliche Geist. Es ging nicht um den schnellen Profit für externe Investoren, sondern darum, als Gemeinschaft das menschliche Leben und die finanzielle Zukunft verlässlich abzusichern.
Diese fortschrittliche Denkweise spiegelte sich auch in der Führung wider. Im Jahr 1981 passierte hier etwas völlig Bahnbrechendes. In der extrem konservativen Schweizer Finanzwelt, die damals eine absolute Männerdomäne war, wurde Dr. Melanie Münzer-Meyer zur Verwaltungsratspräsidentin gewählt. Sie war die erste Frau an der Spitze einer Schweizer Versicherungsgesellschaft. Sie durchbrach die gläserne Decke und bewies allen Kritikern ihr Können. Unter ihrer mutigen Führung verdoppelte das Unternehmen seine Bilanzsumme auf über zwei Milliarden Franken und stiess die Pläne für genau diesen modernen Erweiterungsbau an, vor dem Sie gerade stehen.
Sogar tief im lokalen Bewusstsein der Stadt verankerte sich die Versicherung. In den 1970er und 1980er Jahren prangte das Logo der Pax elf Jahre lang auf den Trikots des Fussballclubs FC Basel. Und auch wenn das Unternehmen heute seine gigantischen Datensysteme in moderne Cloud-Lösungen auslagert, bleibt der Kern der Pax derselbe wie zu Zeiten von Mathias Jenny, nämlich der verlässliche Schutz der Menschen.
Falls Sie einen Blick hineinwerfen möchten, das Gebäude ist von Montag bis Freitag zwischen 8 und 12 Uhr sowie von 13 bis 17 Uhr geöffnet, bleibt aber am Wochenende geschlossen.
Wir haben nun gesehen, wie Basel die finanzielle Sicherheit seiner Bewohner verteidigt. Jetzt wechseln wir die Perspektive. Wir lassen die ernste Welt der Versicherungen hinter uns und widmen uns der Bewahrung von Kultur, Lebensfreude und echtem Humor. Unser nächster Halt, das Zentrum für narrative Kunst oder einfach das Cartoonmuseum Basel, liegt nur etwa sechs Minuten zu Fuss entfernt.


