Vor dir ragt die Kirche São Nicolau mit ihrer weißen Fassade und den markanten steinernen Pilastern auf, die du sofort an der breiten Front mit fünf vertikalen Gliederungen und dem auffälligen Turm auf der linken Seite erkennst - halte einfach Ausschau nach dem großen, runden Fenster über dem Eingang und der schönen Dekoration darüber!
Stell dir vor, du stehst jetzt vor einem der geschichtsträchtigsten Gebäude dieses uralten Viertels, mitten im Herzen von Santarém. Die Sonne blendet auf den hellen Mauern und ein leiser Wind weht um die Ecken. Aber lass dich nicht täuschen: Hier war nicht immer nur Ruhe zu spüren! Einst, im 13. Jahrhundert, wurde an genau dieser Stelle eine gotische Kirche erbaut. Niemand weiß mehr genau, wann alles begann - das war noch in einer Zeit, als die einzige Mail, die es gab, ein galoppierender Bote war!
Doch das Glück meinte es nicht immer gut mit dieser Kirche: Im Jahr 1600 schlug das Schicksal zu und ein verheerender Brand legte das gesamte mittelalterliche Bauwerk in Schutt und Asche. Die Überlebenden waren erschüttert, doch anstatt aufzugeben, beschlossen die Leute von Santarém, mit viel Energie und ein wenig Humor ("Was brennt, das kann man wieder aufbauen!") etwas noch Großartigeres zu schaffen.
Und so begann 1613 der Wiederaufbau unter der Leitung des berühmten Architekten Baltazar Álvares. Stell dir das vor: Hämmer pochen, Holz splittert, Männer schwitzen in der Sonne und schleppen Steine, während Kinder neugierig um die Baustelle schleichen - und wahrscheinlich so manchen kleinen Unfall verursachen! Der neue Stil war geprägt vom Manierismus und Barock, und ein Hauch Glamour zog ein. Besonders ins Auge fällt heute die große, fünfteilige Fassade, unterbrochen von vier schlichten Pilastern und einer eleganten, gewellten Dachlinie. Über dem Haupteingang wacht im Relief der Heilige Nikolaus persönlich, zwischen den Insignien seines Amtes, fast so, als halte er Ausschau nach braven - und weniger braven - Besuchern.
Aber das war nur der Anfang! Im Inneren der Kirche verbirgt sich ein wahres Labyrinth an Geschichten und Persönlichkeiten: Da sind die prachtvollen Wände, geschmückt mit Azulejos in Blau und Gelb - sie erzählen fast wie Fotografien von den Menschen, die hier kamen und gingen. An den Seiten öffnen sich acht Kapellen, viele davon mit dedicada Kunst. Die berühmteste? Vielleicht die Capela de João Afonso de Santarém, in der sich das manuelinische Grabmal des einflussreichen Ratsmitglieds D. João Afonso befindet. Der Sarkophag ist ein echtes Schmuckstück des 16. Jahrhunderts: Gotische Bögen, geschnitzte lilienförmige Verzierungen und Figuren, die über den Schlaf des Toten wachen. D. João Afonso war kein Durchschnittstyp - er beriet den König, baute ein Hospital und sorgte dafür, dass sein Nachruhm steinerne Ewigkeit bekam!
Aber das war noch lange nicht alles: Auch der Ritter Fernando Rodrigues Redondo fand hier seine letzte Ruhestätte. Sechs steinerne Löwen tragen sein Grab, und auf der Deckplatte liegt die Statue des Ritters, stolz, but inzwischen ein wenig müde, mit Schwert auf der Brust und loyalen Hunden zu seinen Füßen (zugegeben: die Köpfe fehlen inzwischen, aber sie waren bestimmt tapfer!). Fernando kam ursprünglich aus dem Norden, diente am Hof von König Dinis und brachte ordentlich Bewegung ins historische Santarém.
Weißt du, was besonders faszinierend ist? Die Capela de São Pedro, die seit dem 13. Jahrhundert an die Kirche angebunden ist. Von seiner Witwe, D. Senhorinha Afonso, begründet - eine der Powerfrauen des Mittelalters! Nach dem Tod ihres Mannes zog sie nach Santarém und kümmerte sich eigenhändig um den Aufbau seines Grabes. Mit ihrem Einfluss erhielt sie 1371 sogar das Kirchenpatronat vom König persönlich. Später, 1651, wurde die Kapelle erneut umgestaltet und bekam ihr heutiges Aussehen.
Im 18. Jahrhundert packte mal wieder jemand die Renovierungslaune - vielleicht eine Vorfahrin von dir? Die Fassade bekam einen neuen Look, eine Sakristei wurde angebaut und ein barockes Oratorium mit geschwungenen Voluten, Blumen und sogar mit einem Kreuz obendrauf erstrahlt seitdem hinten an der Kirche. Dort wird heute noch ein Fragment eines manuelinischen Kreuzes aufbewahrt. Angeblich stand dieses Kreuz einmal auf dem Kirchhof der ganz alten Kirche und hat viele Geheimnisse in Stein gemeißelt gesehen.
Das Kircheninnere ist nicht nur groß, es ist dreischiffig, lichtdurchflutet und voll markanter Stützpfeiler. Wer genau hinschaut, erkennt in den Deckenmalereien, Altären und den typisch portugiesischen Holzarbeiten ein Meer aus Farben und Mustern. Sogar einige Altarbilder zeigen uns Geschichten: Etwa „Die Maria mit dem Kind“ und „Die stillende Maria mit Johannes dem Täufer als Kind“ - Inspirationen aus dem fernen Italien.
Verlaufen kann man sich in São Nicolau eigentlich nur, wenn man zu sehr nach oben starrt und einen der vielen Geschichten vergisst, die diese Kirche atmet. Hier hat jede Ecke eine andere Stimme: das Flüstern eines alten Priesters, das Donnern eines einstürzenden Dachbalkens, das Lachen eines Kindes bei einer längst vergangenen Taufe. Weit über 800 Jahre Geschichte, voller Tragödien, Wunder, Herzblut und neuem Glanz. Zu guter Letzt: Seit 1910 steht die Kirche unter Denkmalschutz. Von Flammen zerstört, vom Leben wieder aufgebaut - das ist São Nicolau, Zentrum von Drama, Schönheit und, na klar, einer Prise Charme!


