Um die Burg Santarém zu finden, schau einfach geradeaus auf den hohen Bergrücken: Dort ragen die alten, hellen Mauern aus dem satten Grün - und ein weißes Haus mit rotem Dach macht sie unverwechselbar!
Stell dir vor, wie du hier vor hunderten von Jahren gestanden hättest, mit einem frischen Wind, der den Duft von Feigen und Oliven über die Mauern weht und die Sonne dir ins Gesicht scheint. Genau an diesem Platz begann die Geschichte der Burg Santarém - einer Festung, die schon alles erlebt hat, von römischen Legionären über Ritter bis hin zu listigen Burgherren und verzweifelten Königinnen.
Die ersten Bewohner hier waren vermutlich schon ab dem 8. Jahrhundert vor Christus da, als noch niemand an Portugal gedacht hat und die Welt voller mystischer Orte und Geschichten war. Später kamen die Römer, sie nannten den Ort „Scalabi Castro“. Gut, eigentlich klang das wie ein schickes italienisches Restaurant, aber für die war es ein wichtiger Handelsposten am Tejo. Die römischen Soldaten stampften hier mit Sandalen durch das Dorf und später, ab 90 vor Christus, wurde sogar ein steinernes Militärlager gebaut. Ein Podium eines römischen Tempels mit stolzen 15 Metern Seitenlänge schlummert noch heute unter der Erde, als wollte er sagen: „Ach, ihr habt keine Ahnung, was hier schon alles passiert ist!“
Die Jahrhunderte vergingen, und wie bei einer endlosen Party gaben sich verschiedene Völker die Klinke in die Hand: Germanen, Sueben, dann die Westgoten, die den Ort „Sancta Irena“ tauften - vielleicht, weil hier so viele fromme Leute wohnten, oder weil sich das einfach sehr königlich anhörte. Im 8. Jahrhundert kamen die Mauren und gaben Santarém seinen heutigen Namen: „Chantirein“ oder „Chantarim“. Stell dir die orientalischen Düfte und arabischen Märkte vor, die Burg eine Miniatur-Bagdad mitten im Tejo-Tal, alle Gassen voller Neugier und Händler.
Die Burg lag strategisch ziemlich clever - oben auf dem Berg, den Tejo im Blick, drum herum fruchtbare Felder. Kein Wunder, dass sie immer wieder Ziel von Angriffen und Übernahmen war. Die Marrakesch des Westens, wie ich sie gerne nenne, musste sich gegen allerlei Feinde wehren.
In der Zeit der Reconquista, als die Christen das Land zurückeroberten, wurde es so richtig spannend! Santarém wechselte mehrmals wie ein heißer Kartoffel die Seiten zwischen Christen und Mauren - mal jubelte das Volk für einen König, am nächsten Tag schon für den nächsten. Mein Lieblingsmoment: In der Nacht vom 14. auf den 15. März 1147 zog König Afonso Henriques los, packte sein Schwert, schlich sich mit seinen Leuten an die Burg und - zack! - stürmte sie im Schutz der Dunkelheit. Das war wie das Finale eines richtig guten Actionfilms.
Aus Freude darüber schenkte der König die ganze Burg gleich mal den Tempelrittern - die wenigstens mussten sich keine Gedanken ums Putzen machen, dafür hatten sie jetzt genug Zeit zum Beten (und zum Trainieren). Von diesem Sieg gibt es sogar einen ziemlich alten Krimi-Bericht: „De expugnatione Scalabis“, geschrieben von Mönchen, die wohl auch das Knistern im Lagerfeuer miterlebt haben.
Aber hey - die Party ging weiter! 1171 rollte der nächste Angriff an, diesmal vom Kalifen Abu Iacube Iúçufe I und seiner Armee. Doch Hilfe kam wie aus dem Nichts: König Ferdinand II von León, der zufällig da war, schlug die Truppe zurück. Pech für die Angreifer - Glück für Santarém! Und als zehn Jahre später erneut Widersacher anrückten, zeigte der junge Prinz Sancho mal, was eine richtige Verteidigung ist!
Die Mauern hier waren einst viel länger. Zu Spitzenzeiten durchbrachen sieben Tore die Umfassung: mit klangvollen Namen wie Porta do Sol oder Porta de Santiago. Heute sieht man noch die Reste, aber im Mittelalter war das hier ein riesiges Labyrinth aus Türmen und Wällen. Die Wachtürme mit ihren merkwürdig geformten Zinnen wirkten wohl ein bisschen wie der Irokesenschnitt eines Ritters - modisch, aber auch praktisch. Die berühmte Torre das Cabaças erinnert bis heute daran.
Nicht immer war das Leben hier friedlich. Als D. Fernando König war, ließ er alles verstärken, baute sogar eine neue, schicke gotische Pforte. Doch kaum war er tot, versuchte seine Witwe, Königin Leonor Teles, mit ihrer Tochter und dem kastilischen Heer, den Thron an sich zu reißen. In den alten Nächten, sagten die Leute, hörte man Streit und die schweren Schritte der Soldaten, die auf den Wällen patrouillierten. Nach der berühmten Schlacht von Aljubarrota kehrte endlich wieder Ruhe ein - zumindest für ein Weilchen.
Nach einem tragischen Reitunfall am Tejo mit dem jungen Infanten Afonso, Sohn von König João II, zog sich die königliche Familie auch mehr und mehr aus Santarém zurück. Und als hätte das nicht gereicht, kam 1531 ein Erdbeben und rüttelte an den Mauern, dass es nur so krachte.
Im 17. Jahrhundert baute man die Verteidigungsanlagen noch einmal um - mit Schanzen, Bastionen und sogar einer neuen Wachturm-Guarita mit Kuppel, alles bereit für die nächsten, diesmal liberalen Kämpfe im 19. Jahrhundert. Doch dann, mit dem Einzug des Friedens und der fortschreitenden Stadtentwicklung, wurde die Burg nach und nach von den Straßen der modernen Stadt verschlungen. Nur der Wind, der durch die alten Türme pfeift, erinnert noch an die wilde Vergangenheit.
Heute siehst du nur noch einen Teil der gewaltigen Mauern, drei stolze Türme und die Spuren alter Heldentaten - aber die Geschichten, die hier durch die Bäume raunen, sind so lebendig wie eh und je. Also, lass die Fantasie spielen! Wer weiß, vielleicht steht ja doch noch ein Tempelritter in voller Montur um die Ecke…


