Schau direkt vor dich und halte Ausschau nach einem Gebäude mit einem großen, überdachten Vorbau und einer turmähnlichen Glocke oben auf dem Dach - das ist die Kirche Santa Maria da Alcáçova, die hier mitten im Herzen des alten Santarém steht! Sie wirkt vielleicht auf den ersten Blick etwas schlicht, aber glaub mir, sie hat Geschichten auf Lager wie ein Großtante mit drei Gläsern Port intus.
Stell dir vor, du befindest dich im 12. Jahrhundert: Staubige Straßen, lautes Markttreiben und plötzlich marschieren die tapferen, unglaublich bärtigen Tempelritter durch das Stadttor - gerade haben sie Santarém den Mauren abgerungen, und sie sind fest entschlossen, ihren Sieg zu verewigen. Hier, wo heute die Kirche steht, lag vielleicht schon ein uralter römischer Tempel. Mit den Knochen der Geschichte unter deinen Füßen, begannen die Ritter unter der strengen Aufsicht des Kommandanten Frei Pedro Arnaldo, ihre eigene Kirche zu errichten. Kaum zu glauben: Die Steine, die sie damals legten, sind die Wurzeln der ersten christlichen Gemeinde nach der Eroberung.
Setz dich gedanklich in den Vorhof und stell dir vor, wie Mönche durch das Nebentor schlurfen; knapp nach Sonnenaufgang, begleitet vom Krächzen der Raben und - noch wichtiger - dem Geruch von frischem Brot aus der Küche des angrenzenden Klosters. Es muss damals geradezu magisch und geheimnisvoll gewirkt haben: Die Kirche, direkt verbunden mit dem mittelalterlichen Königspalast - ein architektonischer Trick, damit König Afonso Henriques ja keine Predigt verpasst! Der oder seine Nachfolger haben sich sicherlich ab und zu mit den Kanonikern einen Wein zu viel genehmigt.
Die Kirche war mehr als nur Gotteshaus. Hier entstand die erste christliche Bruderschaft von Santarém. 1280 wurde die Real Colegiada de Santa Maria da Alcáçova gegründet - und übernahm gleich noch ein paar Nachbarkirchen. Nun ja, warum kleckern, wenn man klotzen kann?
Mit der Zeit bekam das Gebäude auch eine gehörige Portion Make-up: Im 16. bis 18. Jahrhundert wurde so kräftig rumgewerkelt, dass die ursprüngliche gotische Seele der Kirche zugedeckt wurde. Wenn du dich mal umschaust, findest du draußen im Mauerwerk einen alten, schlichten Sarkophag. Die Legende behauptet, darin ruht ein christlicher Ritter - und seine große Liebe, eine schöne maurische Frau! Romeo und Julia hätten in Santarém offenbar bestens Anschluss gefunden.
Drinnen trifft Renaissance auf Barock: Drei Kirchenschiffe mit gemalten Holzdecken, toskanische Säulen und ein Hauch von italienischem Flair. Falls du Lust hast, schau nach der steinernen Grabtruhe in einer Seitenkapelle - vielleicht ist da wirklich ein königlicher Bastard begraben. Und wenn du einen zerstörten Altaraufbau entdeckst, kann es gut sein, dass du vor dem Werk von Cirilo Wolkmar Machado stehst, der so um 1818 hier kreativ war - angeblich, um das Jesuskind zu „werben“. Na, bei dem Lebenslauf hätte ich mich auch nicht gelangweilt!
Das alles zusammen macht die Kirche Santa Maria da Alcáçova zu einem Ort, an dem Geschichten und Steine gleichermaßen Flüstern. Also, einatmen, das Kopfkino anschalten und weitergehen - auf unserer Zeitreise durch Santarém!


