Vor Ihnen steht eine große, moderne Konstruktion in stahlgrauer Optik: mächtige Metallbögen reihen sich über die Dora wie eine Truppe freundlicher Riesen auf. Am leichtesten finden Sie sie dort, wo der Holzsteg den Fluss förmlich umarmt und rautenförmige Träger so wirken, als hätten Ingenieure einen kleinen Zukunftstunnel in die Luft gesetzt.
Und jetzt kommt der Teil, bei dem diese Brücke heimlich zum Kraftsportler wird. Die Ponte Carpanini sieht zwar geschniegelt-modern aus, hat aber einen ziemlich spektakulären Trick drauf: Wenn die Dora anschwillt und Ärger macht, hebt sich die Brücke in wenigen Minuten um eins Komma dreißig Meter an. Wie das geht? Mit Hydraulikpressen, also kräftigen Hebezylindern, die mit Öldruck arbeiten, versteckt wie Muskeln unter der Stahlhaut. Das klingt nicht gerade leise: Dieses metallische Rattern sagt dem ganzen Viertel Aurora ganz klar, dass hier gleich keine Autos, keine Fahrräder und niemand im Weg sein sollten. Die Brücke macht ihren großen Sprung und rettet sich vor dem Wasser.
Denn sie ist der Nachfolger einer älteren Dame: der Brücke, die nach Prinzessin Clotilde von Savoyen benannt war. Im Jahr zweitausend hat die Dora gewütet und die Brücke aus dem neunzehnten Jahrhundert einfach mitgerissen. Eine klaffende Lücke mitten im Quartier. Für die alte Brücke stand damals Ingenieur Pecco, und für die neue legten die Architekten De Ferrari und Ossola los, zusammen mit Teams von SAICAIM Spa, gesprochen S-A-I-C-A-I-M S-P-A, und SISEA Spa, gesprochen S-I-S-E-A S-P-A. Sechzehn Monate Baustelle: riesige Stahlträger wurden herangeschafft wie die Knochen eines frisch wiederentdeckten Dinosauriers. Und die Steine der abgerissenen Brücke? Die setzte man in die neuen Widerlager ein, also in die massiven seitlichen Stützbauten, auf denen die Brücke aufliegt.
Heute trägt sie den Namen Domenico Carpanini, eines ehemaligen Vizebürgermeisters mit großem Herzen. Beim Hinübergehen merkt man: Hier ist alles ordentlich getrennt, Fahrspur, Radweg, Gehweg. Und am Holzpodest Richtung Fluss gibt es sogar Sitzplätze, falls man der Dora beim Geschichten-Erzählen zuschauen will. Die Brücke bleibt dabei ganz gelassen. Sie weiß ja: Wenn es ernst wird, kann sie wieder aufstehen.


