Vor Ihnen liegt die Ponte Mosca. Wenn Sie sie schnell „erkennen“ wollen: Schauen Sie zum Fluss. Da spannt sich eine breite Brücke aus hellem Stein, mit einem großen, flach gedrückten Bogen, der wie ein steinerner Handschlag die Bäume, Straßen und Ufer auf beiden Seiten verbindet.
Stellen Sie sich diesen Ort vor rund zweihundert Jahren vor: Hämmern, Schubkarren, Baustellenrufe - und darunter die Dora Riparia, die ordentlich Tempo macht. Damals gab es hier nur einen wackligen Holzsteg. Turin brauchte aber einen Zugang, der sicher war und Eindruck machte, besonders für alle, die aus der historischen Contrada d’Italia kamen, die heute Via Milano heißt. Also: Schluss mit Provisorium, her mit Monument.
Im Jahr achtzehnhundertachtzehn, zwischen napoleonischen Nachwirkungen und dem Willen des Hauses Savoyen, beschloss die Stadt: Wir nehmen uns jetzt mal richtig ernst. So nach dem Motto: „Wir bauen eine Brücke, über die das ganze Königreich reden wird!“ Den Auftrag bekam Carlo Bernardo Mosca. Nein, nicht aus Moskau, obwohl der Name wirklich danach klingt - Mosca war Turiner durch und durch. Nach Entwürfen, Diskussionen und den üblichen bürokratischen Bauchschmerzen legte man im Jahr achtzehnhundertdreiundzwanzig den Grundstein. Mit offizieller Zeremonie, Würdenträgern, Adel und, weil man damals nichts dem Zufall überließ, sogar mit Münzen unter dem Fundament als Glücksbringer.
Leicht war es nicht: Die Arbeiten stockten, wurden unterbrochen, verzögert. Wenn Sie sich an die Balustrade lehnen - das ist das steinerne Geländer - kann man die Seufzer der Bauleute fast noch hören. Aber am fünfzehnten August achtzehnhundertdreißig, nach sieben langen Jahren, wurde die Brücke eröffnet und galt sofort als kühnes Ingenieursstück des neunzehnten Jahrhunderts.
Viele bewunderten sie, manche erwarteten den großen Knall. Und jetzt kommt die Anekdote: Mosca soll, um alle zu beruhigen, unter der Brücke in ein Boot gestiegen sein - mit seiner ganzen Familie. Frei nach dem Prinzip: Wenn sie runterkommt, dann wenigstens mit Publikum.
Die Brücke hielt. Und wie! Fast zweihundert Jahre später trägt sie Autos, Busse und sogar die Straßenbahnlinie vier. Damals musste man für den Bau sogar die natürlichen Kurven der Dora ein wenig verändern - als hätte Turin seinen Fluss geschniegelt, damit er zur Feier geschniegelt aussieht.
Gebaut ist alles aus Malanaggio-Stein, fünfundvierzig Meter lang, mit den Vorplätzen zusammen einhundertneunundzwanzig Meter, und so breit wie die Via Milano: dreizehn Komma sieben null Meter. Die Gehwege bestehen aus edlem Cumiana-Stein. Und das Gewölbe - also der tragende Bogen innen - setzt sich aus dreiundneunzig Steinblöcken zusammen, so präzise behauen, dass Lego dagegen fast nach Feierabend aussieht.
Im Jahr achtzehnhundertachtundsechzig, ein Jahr nach Moscas Tod, bekam die Brücke offiziell seinen Namen. Seitdem ist sie das steinerne Willkommen am nördlichen Stadteingang. Und wenn die Beleuchtung sie in Szene setzt, wirkt sie fast, als hinge sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und nein: Das ist keine „russische“ Brücke. Hier spricht man Turiner Ehrgeiz - und sehr, sehr widerstandsfähigen Stein.


