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Palazzo Bo

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Palazzo Bo

Vor dir erhebt sich der Palazzo del Bo: Ein majestätischer, heller Bau mit großen Rundbogenportalen, verzierten Fenstern, und wenn du direkt auf die Fassade an der Via VIII Febbraio schaust, fällt der prächtige Bronzetor sofort ins Auge.

Stell dir nun vor, wie hier vor über 500 Jahren die Stadt Padua voller Studenten aus ganz Europa war - junge Gelehrte, die sich aufgeregt unterhielten, mit Büchern unterm Arm und Träumen im Kopf. Wo jetzt vielleicht leises Stimmengewirr zu hören ist, klapperten einst Pferdekutschen über die Straßen und riefen Marktleute ihre Waren auf dem benachbarten Platz aus. Doch der Palazzo del Bo war nie ein gewöhnlicher Ort. Schon der Name ist kurios: „Bo“ bedeutet eigentlich Ochse, denn bevor hier eine Universität entstand, befand sich an dieser Stelle eine Gastwirtschaft mit einem besonderen Aushängeschild - dem „Hospitium Bovis“, zu Deutsch: Ochsengasthaus. Der Ochse - oder genauer gesagt: sein Schädel, das „Bucranium“ - ist übrigens bis heute das Symbol der Universität Padua. Fast so, als hätte der Palazzo seinen Dickkopf behalten, auch nach Jahrhunderten voller Geschichten.

Die Universität selbst zog 1493 hier ein, rund 270 Jahre nach ihrer Gründung durch Wissenshungrige, die Bologna zu langweilig fanden. Die ersten „Bö“ waren keine Bücherwürmer, sondern eher Fleischesser: Der frühere Besitzer war ein Metzger, dem die Gebäude sogar als Dank für seinen Fleischdienst während einer Belagerung geschenkt wurden. Wer hätte gedacht, dass wurstige Geschäfte einmal zu einer der berühmtesten Lehrstätten Europas führen würden? Sogar der ganze Stadtteil hieß damals „Bo“, und wenn du genau hinschaust, findest du überall am Gebäude Spuren aus verschiedenen Epochen. Es ist eine Architektur voller Geheimnisse und Layer - der älteste Kern stammt noch aus dem Spätmittelalter, aber der Palazzo wurde immer wieder erweitert, umgebaut, mit neuen Flügeln und couragierten Ideen.

Der berühmteste Teil ist der „Cortile Antico“, ein Innenhof mit doppeltem Säulengang. Wenn du dich hineindenkst, dann hörst du das Echo von Schritten auf dem alten Pflaster, das Flüstern von Diskussionen unter den Arkaden, das Quietschen von Türen, die zu jahrhundertealten Hörsälen führen. Hier, im Schatten der Säulen, trafen sich die Studenten aus ganz Europa - sie wurden sogar nach „Nationen“ unterteilt. Ihre Wappen, gemalt oder in Stein gehauen, schmücken noch heute die Wände: Über 3.000 gibt es! Pass aber auf, wohin du trittst - als man einst immer neue, riesige Wappen anbringen wollte, mussten sogar nach und nach alte zerstört werden. Der venezianische Senat hatte schließlich genug und verbot das bunte Treiben. Kein Wunder - irgendwann wäre aus dem Palazzo wahrscheinlich ein Wappen-Labyrinth geworden.

Im Inneren verbirgt sich so manches Kuriosum: die berühmte Aula Magna, in der bis heute akademische Feierlichkeiten stattfinden, wurde mehrfach umgebaut, das Deckenfresko ist ein Zeugnis stolzer Geschichte. Vor jeder Prüfung saß so mancher Student zitternd auf seinem Platz und fragte sich, wie viele kluge Köpfe hier schon geschwitzt hatten. Für Wissenschaftler ein besonderer Ort: Galileo Galilei selbst, der hier von 1592 bis 1610 als Professor lehrte, steht mit seiner Holzcattedra (ja, immer noch das Original!) in der „Sala dei Quaranta“, flankiert von vierzig Porträts berühmter Alumni - darunter Ärzte, Juristen, Entdecker, und manchmal sicherlich auch ein paar schlafende Studenten.

Nicht zu vergessen das weltweit älteste erhaltene Anatomische Theater, versteckt hinter einer kleinen Tür mit der lateinischen Mahnung „Mors ubi gaudet succurrere vitae“ - „Der Tod freut sich, dem Leben zu helfen“. Dunkel, rund und holzvertäfelt, schaut man von oben fast mehr wie in ein Geheimversteck als auf einen Hörsaal. Hier lernten Generationen von Ärzten, wie das Leben funktioniert, indem sie es im wahrsten Sinne des Wortes auseinander nahmen.

Spannend ist auch der Kontrast zwischen Alt und Neu: Als Padua im 20. Jahrhundert weiterwuchs, erhielt der Palazzo einen modernen Anbau rund um den „Cortile Nuovo“. Die monumentalen Bronzetüren wurden extra aus Kanonen gegossen, die nach dem Ersten Weltkrieg hierher gebracht wurden - wer eintritt, betritt also symbolisch auch ein Stück europäischer Geschichte. Über „Der Scala del Sapere“, die grandios bemalte „Treppe des Wissens“, steigt jeder Student, bildlich gesprochen, vom Anfang der Menschheit bis hin zum weisen Greis - mit dem Schriftzug „anchora imparo“: „Ich lerne immer noch“. Ein Motto, das jedem von uns manchmal Mut macht - auch wenn das Gehirn vielleicht schon Pause machen möchte.

Selbst eine kleine Revolution im Kleinen wurde hier ausgelöst: 1678 erhielt Elena Lucrezia Cornaro als erste Frau der Welt einen Doktortitel - in Philosophie! Ihre Statue steht heute stolz am Fuß der Treppe und erinnert daran, dass Wissen manchmal gegen alle Erwartungen und Vorurteile wächst. Es knistert geradezu in der Luft, wenn man die vielen Räume betritt, in denen Generationen von Denkern den Grundstein für moderne Wissenschaften legten.

Und dann sind da noch die Deckenfresken, die farbenfroh das alte venezianische Reich abbilden, und moderne Kunstwerke wie das monumentale „Resistenza e Liberazione“, die dem Palazzo seine ganz eigene Atmosphäre geben. Ob zwischen antiken Steinen oder moderner Architektur, überall spürt man den Geist der Neugier. Vielleicht ist genau das das Geheimnis des Palazzo del Bo: Die Vergangenheit ist hier zum Anfassen nah, die Zukunft in jedem neugierigen Blick eines Besuchers.

Also, Augen auf und einmal tief die Luft der Jahrhunderte einatmen - viele Geschichten und ein bisschen Ochsengeist inklusive!

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starstarstarstarstar
Das war eine solide Art, Brighton kennenzulernen, ohne sich wie ein Tourist zu fühlen. Die Erzählung hatte Tiefe und Kontext, übertrieb es aber nicht.
Christoph
Christoph
Brighton-Tour
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Habe diese Tour mit einem Croissant in der einen Hand und null Erwartungen gestartet. Die App schwingt einfach mit einem mit, kein Druck, nur man selbst, Kopfhörer und ein paar coole Geschichten.
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