
Vor Ihnen erstreckt sich ein breiter, gerader und gepflasterter Weg, der von dicht belaubten Bäumen und klassischen, dunklen Laternenpfählen aus Metall gesäumt wird.
Hier stehen wir in der Villa Cavallotti. Dieser friedliche Ort verbirgt eine recht kriegerische Vergangenheit. Wo heute Palmen wachsen, befand sich einst der tiefe Festungsgraben der Bastion San Francesco, einer massiven Verteidigungsanlage aus dem sechzehnten Jahrhundert. Noch kurz vor 1900 nutzten Soldaten diesen Graben für Schießübungen. Doch dann entschied die Stadt, die alten Mauern niederzureißen. Die Umwandlung dieses militärischen Grabens in einen öffentlichen Park war ein monumentaler Kraftakt. Angetrieben von einem charismatischen Kapuzinermönch namens Padre Michelangelo, schleppten unzählige Bürger freiwillig und unbezahlt Erde heran, um den tiefen Graben vollständig aufzufüllen. Aus purer kollektiver Willenskraft schufen sie neues Leben aus altem Stein.
Natürlich verläuft die Geschichte hier nie ganz reibungslos. Der Park wurde nach Felice Cavallotti benannt, einem linksgerichteten Politiker, Journalisten und Kämpfer unter Giuseppe Garibaldi. Man stellte Cavallotti zu Ehren eine Bronzebüste auf. Als die Faschisten die Macht ergriffen, passte dieser radikale Denker so gar nicht in ihr straffes Weltbild. Die Büste wurde allerdings nicht zerstört, sondern heimlich versteckt, um sie vor dem Regime zu retten. Erst 1943, nach dem Fall des Faschismus, durfte Cavallotti triumphierend auf seinen Sockel zurückkehren.
Auch die Gärtner dieses Parks waren auf ihre Weise kleine Legenden. In den 1950er Jahren gab es einen Mann namens Sorrentino, der ein geradezu poetisches Ritual pflegte. Jeden Morgen legte er im ersten Blumenbeet auf der linken Seite das aktuelle Datum mit weißen Kieselsteinen aus. Ein täglicher, akribischer Gruß an jeden Spaziergänger.
Im Laufe der Jahrzehnte erlebte der Park leider auch Phasen des tiefen Verfalls. Doch die Gemeinschaft griff immer wieder ein. Kürzlich halfen Asylbewerber aus dem sogenannten SPRAR-Programm, einem staatlichen Aufnahmesystem für Flüchtlinge, ehrenamtlich dabei, die verfallenen Karussells des Spielplatzes wieder sicher zu machen. Ein wunderbares Zeichen der Solidarität an ihre Gastgemeinde. Und um die Zukunft der Anlage endgültig zu sichern, startete die Stadt ein massives botanisches Restaurierungsprojekt für über eine Million Euro, finanziert durch europäische und staatliche Wiederaufbaufonds.
Schauen Sie einmal hinab auf die untere Ebene des Gartens und versuchen Sie, sich die Soldaten vorzustellen, die genau dort durch den alten Verteidigungsgraben wateten, wo jetzt diese Pflanzen blühen. Dieser Park ist praktischerweise rund um die Uhr geöffnet, falls Sie den Drang verspüren sollten, mitten in der Nacht über alte Festungsmauern nachzudenken. Wir machen uns nun bereit für eine letzte Reise in die Antike, denn unser nächster Halt, die historische Belagerung von Lilybaeum, ist nur etwa fünf Gehminuten entfernt.


