Da zu Ihrer Linken sehen Sie das San Biagio Krankenhaus. Es ist ein Ort, der im Grunde die Definition von Hartnäckigkeit verkörpert. Jahrhundertelang war dies das zivile Hauptkrankenhaus von Marsala. Die Geschichte dieses Ortes ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Ziegeln und Mörtel, sondern eine Geschichte von Menschen, die sich weigerten, aufzugeben.
Alles begann mit Bernardino Grignani. Im Jahr 1563 kaufte und sanierte er mit seinen eigenen Mitteln einen Palast, um das erste richtige Krankenhaus der Stadt zu gründen. Bernardino Grignani war ein Mann von bemerkenswerter Hingabe. Er bat ausdrücklich darum, nach seinem Tod in eben diesem Krankenhaus beigesetzt zu werden, damit er für immer bei den Kranken bleiben konnte. Als er 1572 starb, erfüllte sein Bruder diesen Wunsch und legte ihn unter einer weißen Marmorplatte zur letzten Ruhe.
Doch die Geschichte von San Biagio wurde im zwanzigsten Jahrhundert erst richtig interessant. Ein brillanter Chirurg namens Vincenzo Grassellino übernahm die Leitung. Er war ein Pionier. Um eine damals extrem innovative und komplexe Operation am Brustkorb zu dokumentieren, brachte er kurzerhand einen Fotografen mit in den Operationssaal. Eine damals unerhörte Maßnahme.
Aber Grassellinos wahre Meisterleistung als Beschützer dieser Einrichtung zeigte sich im Jahr 1943. Er ahnte, dass die massiven Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs Marsala bald erreichen würden. Mit bemerkenswerter Logistik verlegte er den gesamten Krankenhausbetrieb mitsamt den Patienten in die ländliche Umgebung. Eine absolut richtige Entscheidung. Am elften Mai 1943 wurde das alte Krankenhausgebäude in der Innenstadt bei einem Bombardement dem Erdboden gleichgemacht. Seine Voraussicht rettete unzählige Leben.
Nach dem Krieg kehrte Grassellino zu den Ruinen zurück. Er durchsuchte die Trümmer und fand auf wundersame Weise die unversehrte Grabplatte von Bernardino Grignani. Er sammelte die Knochen des Gründers behutsam ein und ließ sie 1949 in der Eingangshalle dieses neuen Krankenhauses, vor dem Sie gerade stehen, einmauern. Bernardino war wieder bei seinen Patienten.
Das San Biagio schloss 2010 seine Pforten als allgemeines Krankenhaus, da ein neuer, moderner Komplex außerhalb gebaut wurde. Und hier kommt die trockene Pointe. Beim Umzug in das neue Gebäude hat man Bernardino Grignanis Knochen schlichtweg vergessen. Wieder einmal. Seine Überreste ruhen noch immer in der verlassenen Eingangshalle am Piazza San Francesco.
Heute beherbergt der Komplex noch immer einige spezialisierte Dienste wie Suchtberatung und psychologische Betreuung, weshalb Teile der Einrichtung tatsächlich rund um die Uhr geöffnet sind.
Wir machen uns nun auf den Weg zu einem Ort, an dem die tiefen Wunden des Krieges in etwas Schönes verwandelt wurden. Gehen Sie weiter in Richtung der Villa Cavallotti, die etwa fünf Minuten zu Fuß entfernt ist.


