Direkt vor dir erhebt sich ein majestätisches, rostrot-weißes Gebäude mit hohen Säulen und dem Schriftzug „Teatro Comunale Piccinni“ auf dem Giebelfeld - halte besonders nach den klassischen Säulen und den Balkonen Ausschau, um das Theater leicht zu erkennen.
Stell dir vor, du stehst mitten auf dem Corso Vittorio Emanuele II, zwischen dem Treiben der Stadt, und auf einmal öffnet sich vor dir ein Tor in die Vergangenheit. Es ist Mitte des 19. Jahrhunderts, Bari wächst über seine alten Mauern hinaus, die Stadt platzt beinahe vor Energie und Lust auf Kultur. Doch das alte Theater im Palazzo del Sedile ist am Ende - verrußt, mit knarzenden Balken, gerade groß genug für eine Gruppe hungriger Mäuse. Es muss etwas Neues her! 1836 beginnen die Arbeiten, Steine klirren, Hämmer schlagen auf Holz, jedes Stück des neuen Theaters wird mit Hoffnung auf große Opernächte gesetzt. Bis 1854 dauert es, da sind sicher so manche Maurer grauer geworden, als endlich zur Eröffnung Donizettis „Poliuto“ auf die Bühne donnerte! Der Name für das Prachtstück? Ursprünglich sollte es nach Maria Teresa d’Asburgo-Teschen benannt werden - doch sie winkte galant ab. Ein Theater, das ihren Namen trägt? Zu mondän! Da widmet man es stattdessen dem berühmtesten Musiker Baris: Niccolò Piccinni!
Hier erlebte Bari dramatische Opernabende und funkelnde Konzerte. Am Ende des 19. Jahrhunderts wischte Dirigent Antonino Palminteri mit nur wenigen Musikern Magie in die Luft - als hätten sie aus Luft große Klangpaläste gebaut. Die Zeitungen überschlugen sich, lobten Präzision, Farbe, Schönheit. Aber es sollte nicht immer nur Glanz geben: Nach dem Brand des Petruzzelli 1991 übernahm das Piccinni für fast 20 Jahre die Krone der Theater Bari - die wichtigste Bühne, das Herz des Publikums. Und als fast neun Jahre Baustellenlärm und Bürokratiewirrwarr endlich enden, öffnet das Theater 2019 mit einer Marathonnacht voller Musik: Symphonien, Jazz, Komödie. Draußen, da brachten Straßenkünstler die Menge zum Lachen und Staunen. Alles kostenlos für die Menschen dieser Stadt! Heute, wenn du einen Hauch Geschichte, Träume und einen Hauch Bühnenstaub in der Luft riechst, weißt du: Das Teatro Piccinni ist kein Museum, sondern lebt weiter, jeden Tag, mitten im Herzen von Bari.



