Schau geradeaus - du erkennst die Saint Gevororg von Mughni-Kirche an ihrem markanten, hohen, schwarzen Kuppeldach über den weißen Mauern, eingerahmt von dicht stehenden Häusern.
Stell dir vor, wie du hier im 13. Jahrhundert gestanden hättest - die Luft angefüllt mit neugierigen Stimmen, vielleicht ein paar Hühner unter den Füßen und der Duft frisch gebackenen Brots weht durch die Gassen. Diese Kirche, einst ein strahlender Treffpunkt der armenischen Gemeinde Tbilisis, wurde im Jahr 1756 komplett neu aufgebaut. Ihr Grundriss? Wie ein riesiges Kreuz, umschlossen von einem Rechteck - klingt fast wie ein Kirchen-Sudoku! Überall siehst du das warme Rot des Ziegelsteins, doch das eigentliche Schmuckstück ist die große, aufragende Kuppel, gestützt von vier kräftigen Pfeilern.
Vor nicht allzu langer Zeit, bis in die 1980er, riechte es hier nicht nach Weihrauch, sondern nach buntem Kunsthandwerk - die Kirche war nämlich ein Museum für Volkskunst! Ihre Geschichten und Schätze verstummten jedoch langsam: Die Wände bekamen immer mehr Risse, und 1991 wurde sogar das westliche Portal zerstört. Als ob das nicht genug Drama wäre: In einer regnerischen Nacht im November 2009 krachte auch noch die mächtige Kuppel in sich zusammen - ganz Tbilisi hielt den Atem an! Aber keine Sorge, im echten Leben gibt es manchmal Happy Ends: Der Bürgermeister versprach kurz darauf, Geld für die Rettung der traurigen Ruine bereitzustellen.
Wer weiß - vielleicht hörst du noch heute nachts das Echo alter Lieder, die von Mut, Verlust und Hoffnung zwischen den Steinen flüstern. Bleib noch einen Moment stehen und spüre die Geschichte, sie ist lebendig, auch ohne Dach!



