Wenn du nach vorne blickst, siehst du einen hohen, kegelförmigen Turm aus grauem Stein mit schmalen Fenstern - halte Ausschau nach dem auffälligsten Kirchturm, der sich wie eine mittelalterliche Krone über die rot gedeckten Häuser erhebt.
Willkommen an der Heiligen Mutter von Gott Kirche von Bethlehem, einer ganz besonderen Bühne im Geschichtstheater von Tiflis! Stell dir vor, wie vor Jahrhunderten hier unter dem Fuß der Narikala-Festung eine winzige Kapelle aus dem Erdreich spross. Der erste Bauleiter, Priester Gregor, wurde tiefgläubig, aber leider auch tiefgründig - er verstarb mitten während der Arbeiten und fand seine letzte Ruhe direkt neben seiner Baustelle. Da kann man wohl sagen: „Er hat sich wirklich sein Grab verdient!“
Aber keine Sorge, die Geschichte ging familiär weiter: Sein Enkel packte an, baute eifrig weiter, und so entstand die erste, kleine Kapelle. Doch damit war die himmlische Baustelle noch längst nicht abgeschlossen! Während über Jahre hinweg Gottesdienste stattfanden, blieb die Kirche unvollendet - bis eines Tages Agha-Meliq Bebutyan, ein echter Haudegen und Abenteurer, die Obergeschosse aus dunklem Stein errichten ließ. Agha-Meliq war übrigens nicht nur Baumeister, sondern auch ein tapferer Krieger, der bei einer Schlacht gegen die Türken fiel. Ziemlich dramatisch, oder?
Es wurde zwischenzeitlich sogar so geheimnisvoll, dass zwei Nonnen aus New Julfa herbeigerufen wurden - vielleicht haben sie etwas Kloster-Geheimwissen mitgebracht? Wer weiß! Auch der Sohn von Agha-Meliq, Meliq Avetis, hatte seinen Auftritt: Er sorgte für eine ordentliche Umzäunung - offenbar sollte hier niemand einfach so durchs Beet spazieren.
Rund um die Gründung kursierten bald Legenden: Priester Sargis, gemeinsam mit ein paar cleveren Freunden, soll am Ende des 13. Jahrhunderts die Urzelle dieser Kirche gelegt haben. Später, als die Kirche während der Herrschaft von zwei mächtigen Katholikoi immer größer wurde, wollten die Menschen kaum mehr glauben, wie viel Drama in diesen Mauern steckte.
Ein besonders tragisches Kapitel spielte sich im 18. Jahrhundert ab: Der damalige Erzpriester Mkhitar wurde von einem skrupellosen Khan ermordet, weil er das Versteck der Kirchenschätze nicht verriet. Schon mutig, so eine Schatztruhe zu hüten - und besonders, wenn ein Khan neugierig wird! Mkhitars Sohn Stepanos trat in große Fußstapfen und wurde als „begabter Priester“ bekannt.
Das bunte Mosaik dieser Kirche wurde dann im 20. Jahrhundert kräftig durcheinandergewirbelt: Originale armenische Kreuze, Fresken und Altäre wurden entfernt oder zerstört, teils einfach übermalt oder ausgelöscht. Die Kirche wechselte ihre Konfession und ist heute georgisch-orthodox. Die alten Mauern der Kirche bergen bis heute Geheimnisse, und vielleicht hörst du jetzt, während du davor stehst, ein Echo aus der Vergangenheit - wer weiß, was dieser besondere Ort noch alles erzählen kann!



