Rechts von Ihnen steht die Franz-Kafka-Statue: eine wuchtige Skulptur aus dunkel patinierter Bronze. Man sieht einen kleineren Mann, der ziemlich lässig auf den Schultern eines riesigen, kopflosen, leeren Anzugs sitzt. Ja, ein Anzug ohne Kopf... und ohne Körper. Willkommen in Kafkas gedanklichem Wohnzimmer.
Die Figur wurde im Dezember zweitausenddrei hier in der Vězeňská-Straße im jüdischen Viertel aufgestellt. Geschaffen hat sie Jaroslav Róna, und sie trifft diesen Prager Autor ziemlich genau: surreal, ein bisschen verstörend, und trotzdem irgendwie folgerichtig.
Von der Sankt-Jakobus-Basilika, die wir vorhin gesehen haben, ist es nur ein kurzer Weg, aber künstlerisch sind wir plötzlich in einer ganz anderen Welt. Die Statue steht außerdem nahe der Spanischen Synagoge.
Und falls Sie sich fragen, warum Kafka hier auf einem enthaupteten Riesen „mitfährt“: Das ist eine direkte Anspielung auf seine Erzählung aus dem Jahr neunzehnhundertzwölf, Beschreibung eines Kampfes. Darin springt der Erzähler buchstäblich auf die Schultern eines Bekannten, um durch die Straßen zu kommen. Herrlich praktisch... und maximal kafkaesk.
Schauen Sie ruhig noch einen Moment hoch in dieses dunkle Metall. Dann gehen wir weiter Richtung Stalin-Denkmal.



